Brunnen

Ein kleiner Schritt - oder ein großer?

Die Bahn hat offenbar ihre Genehmigung für den Bau des Haltepunktes Brunnen - damit könnte es eigentlich losgehen

07.11.2019 | Stand 02.12.2020, 12:40 Uhr

Brunnen (SZ) Es ist schon fast eine Sensation, was Bürgermeister Thomas Wagner (CSU) da in diesen Tagen von der Bahn erfahren hat.

Das Sensationelle erschließt sich allerdings nicht unbedingt auf den ersten Blick: Mit Schreiben vom 15. Oktober hat das Eisenbahn-Bundesamt, Außenstelle München, der Gemeinde Brunnen "die Plangenehmigung gemäß §18 AEG i. V. m. §74 Abs. 6 VwVfG für das Vorhaben ,Neubau des Haltepunktes Brunnen auf der Strecke 5382 Ingolstadt - Augsburg, Bahn-km 17,175'" vorgelegt. Das sei "eine müde Erkenntnis, die eine große Auswirkung hat", erklärte Wagner am Mittwochabend seinen Gemeinderäten: "Die Bahn teilt mit, dass sie ihre Genehmigung fertig hat, und kündigt den Bau an. "

Den Bau des Bahnhaltepunktes Brunnen, der nach der ursprünglichen Zeitplanung ja schon seit 2016 in Betrieb ist. Oder besser: sein sollte. Es hat da ja immer wieder ein paar Verschiebungen gegeben, nicht so wie beim etwas bekannteren Flugzeughaltepunkt Berlin, das nicht. Aber es dauert eben doch länger als geplant. Darum bezeichnete Wagner die Mitteilung, dass die Bahn ihre Genehmigung beieinander hat, auch erst mal vorsichtig als "kleinen Schritt". Denn es werde ja noch immer keine Jahreszahl genannt.

Frühestens Mitte nächsten Jahres rechnet Wagner nun mit dem Baubeginn für den Haltepunkt, für den Brunnen ja bekanntlich eine vonseiten der Gemeinde bereits gut durchgeplante Park-&-Ride-Anlage beisteuern muss. Und der Bürgermeister sieht nun sogar ein weiteres Anzeichen, dass die Bahn 2020 tatsächlich ernst machen könnte. So sei jetzt im Herbst eine Ausgleichsmaßnahme abgeschlossen worden. Die habe ein Jahr vor dem Baubeginn erfolgen müssen, damit die Eidechsen noch rechtzeitig die Möglichkeit haben, sich vor den Baumaschinen in Sicherheit zu bringen und ihr neues Domizil auf der anderen Seite der Bahnlinie in Beschlag zu nehmen. Und wenn die Bahn schon diese Ausgleichsmaßnahme erledigt, dann kann es doch eigentlich mit dem Bau des Bahnsteigs auch nicht mehr so lange dauern. Hofft man zumindest in Brunnen.

 

Irgendwie wohl nicht so richtig durchgeplant

Kaltenherberg (bdh) Als hätte die Bahn allein in Brunnen nicht schon genug unternommen, um ihren Ruf zu ruinieren: Da konnte eine Umgehungsstraße nicht in Betrieb genommen werden, weil die Bahnschranken fehlten, musste ein Bahnübergang monatelang per Hand mit Bändern abgesperrt werden, wenn ein Zug vorbeifuhr, weil die bei einem Unfall beschädigte Schrankenanlage nicht so schnell repariert werden konnte, wurden auch im Jahr 2019 noch Rufschranken per manuellem Steuerbefehl geöffnet und geschlossen.

Und nun, da dieser Anachronismus namens Rufschranken bei der Agropa endlich durch eine automatische Anlage ersetzt werden soll, hat man bei der Bahn nach Eröffnung der Baustelle offenbar festgestellt, dass man nicht das richtige Material zur Verfügung hat und die Arbeiten gleich mal wieder eingestellt. Wobei der Bahnübergang natürlich geschlossen bleibt.

Als Bürgermeister Thomas Wagner vor wenigen Wochen im Brunnener Gemeinderat angekündigt hatte, dass die Bahn nun den Übergang bei der Agropa erneuert und damit bis Weihnachten fertig sein wolle, war die Skepsis im Gremium quasi mit Händen greifbar gewesen: Das schaffen die doch eh nicht. Nun, jetzt steht fest: Die schaffen das nicht. Was am Mittwochabend nun die Gemeinderäte nicht wirklich erstaunte, aber doch durchaus entzürnte.

Auch Bürgermeister Wagner musste mehrmals seine Wortwahl überdenken, als er eine kurze Chronologie der Ereignisse (oder inzwischen: Nicht-Ereignisse) wiedergab. Die Bahn habe schon seit Längerem die Genehmigung für den Umbau des Bahnübergangs mit der anachronistischen Rufschranke vorliegen - seit zehn Jahren nämlich. Nun wäre diese Genehmigung zum Jahresende ausgelaufen, deswegen habe die Bahn heuer mit dem Bau beginnen müssen. Vor zwei Wochen nun, so Wagner weiter, habe er einen Anruf erhalten, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass die Bahn ihre Baustelle verlängern müsse - bis Mai. "Weil das Material nicht da ist. " Da liege seit zehn Jahren eine Genehmigung vor, "und dann bringen die das Material nicht her". Wagners Stimme bebte an dieser Stelle seiner Erzählung bereits bedrohlich.

Nun ist das mit dem Bahnübergang im Baustellenmodus natürlich ziemlich dumm, da ja in erster Linie Landwirte diesen Bahnübergang nutzen. Lieferungen zur Agropa, die direkt am Bahnübergang gelegen ist (und wo man offenbar auch alles andere als begeistert ist über die Verzögerung), und ab März müssen die Landwirte ja auch wieder vermehrt zu ihren Feldern, die eben leider oft jenseits der Bahnlinie liegen. Der Bahnübergang ist aber derzeit ohne funktionierende Schrankenanlage und deshalb nicht passierbar - bis in den Mai hinein eben.

Die Bahn forderte deshalb die Gemeinde auf, die eigentlich bis Jahresende beantragte verkehrsrechtliche Anordnung für die Umleitungsstrecke bis dahin zu verlängern. Das würde bedeuten, dass die Landwirte noch viel länger lange Umwege in Kauf nehmen müssten, und das auch noch, wenn die Arbeit auf den Feldern schon längst wieder so richtig losgegangen ist.

Nun könnte die Gemeinde natürlich die Verlängerung der verkehrsrechtlichen Anordnung verweigern. Das hätte zur Folge, dass die Bahn ab Januar Mitarbeiter abstellen müsste, die den Bahnübergang bei jeder Zugpassage mit Bändern per Hand absperren müssten - was man in Brunnen ja schon mal an anderer Stelle längere Zeit miterleben durfte. Natürlich kostet das viel Geld. Und von diesem Geld müsste die Gemeinde wohl die Hälfte bezahlen. "Das ist eine Riesensauerei, was die Herren da machen", wetterte Wagner Richtung Bahnverantwortliche. Aber die Gemeinde komme da wohl nicht aus, "wir sind die Blöden".

Bernd Hofmann