Preith
"Ein ganz besonderer Auftrag"

Preither Firma federführend bei der Realisierung der neuen "Dokumentation Oktoberfest-Attentat"

01.10.2020 | Stand 23.09.2023, 14:30 Uhr |
Ein Labyrinth aus 234 Stahl-Silhouetten auf der Münchner Theresienwiese erinnert an den schwersten rechtsterroristischen Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Am vergangenen Samstag wurde die Gedenkstätte eröffnet. −Foto: Hoppe/dpa

Preith - Am vergangenen Samstag richteten sich alle Augen auf die Münchner Theresienwiese: Dort wurde die neue "Dokumentation Oktoberfestattentat" offiziell eröffnet - mit Betroffenen des verheerenden Bombenanschlags vor 40 Jahren, mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ministerpräsident Markus Söder, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Einer war auch dabei, der maßgeblich an der Realisierung dieser Gedenkstätte, "die das Grauen erfahrbar macht", wie die Süddeutsche Zeitung schrieb, beteiligt war: Stefan Innerhofer, Geschäftsführer der Firma Regineering aus Preith.

Eigentlich ist das junge Unternehmen, das vor knapp zwei Jahren seinen neuen Sitz im Preither Gewerbegebiet bezogen hat, auf etwas spezialisiert, das so gar nichts mit aufsehenerregenden Kunstinstallationen zu tun hat: auf die Konzeption und Produktion von Klimakammern, in erster Linie für Forschung und Wissenschaft. In diesen Kammern können alle gewünschten klimatischen Bedingungen für biologische Versuche simuliert werden - beispielsweise für die Züchtung von Pflanzen. Regineering ist bundesweit einer von nur etwa einem halben Dutzend Anbietern auf diesem Sektor und in einem rasanten Wachstum: Mittlerweile beschäftigt die Firma rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihr bislang spektakulärstes Projekt: der terraXcube in Bozen, eine riesige Klimakammer, in der alle Umweltbedingungen von der Sahara bis zum Mount Everest künstlich erzeugt werden können. Weiterhin entwickelt das Unternehmen Sonderprüfstände - etwa für Batterien. Der Ursprung, mit dem alles begonnen hat, die Erforschung und Produktion alternativer und nachhaltiger Kraftstoffe wie Sojaöl, ist mittlerweile weit in den Hintergrund gerückt, wie Innerhofer im Gespräch mit unserer Zeitung sagt: "Gegen Diesel hat man da keine Chance. "

Sein Unternehmen richte den Blick auch "immer auf was Neues, das nicht von der Stange ist", betont der 38-Jährige - und so kam es zum Auftrag für die Herstellung des Attentat-Mahnmals. Der Entwurf stammt von der Münchner Szenografin Monika Müller-Rieger, die Innerhofer, den sie von einem früheren gemeinsamen Projekt her kennt, auf die entsprechende Ausschreibung der Stadt München aufmerksam gemacht hatte. Innerhofer erhielt schließlich den Zuschlag und begann im Frühjahr mit der Umsetzung. Die Aufgabe war im wahrsten Sinne des Wortes tonnenschwer: Zunächst mussten 127 Silhouetten mit 234 Köpfen aus Vollstahl angefertigt werden - die Zahl steht für die 13 Toten, inklusive des rechtsextremistischen Attentäters Gundolf Köhler, und die 221 Verletzten des Bombenanschlags. Aus massiven Stahlplatten hat die Firma Jura-Stahl aus Burgsalach per Laser die Konturen geschnitten, zur "Weiterverarbeitung" kamen die Figuren, die bis zu 1200 Kilogramm wogen, zu Regineering nach Preith. "In der heißen Phase von Mitte Juni bis Mitte August", erläutert Innerhofer, wurden die Silhouetten verklebt, grundiert, beschichtet und mit LED-Bändern und Grafikfolien mit Informationen zu Geschichte und Aufarbeitung des Attentats versehen. Für Letzteres war die Eichstätter Werbetechnik zuständig, für das Vergießen der Lichtbänder die Firma Bergmann aus Preith.

Ein weiteres hiesiges Unternehmen war dann in die Installation auf der Theresienwiese eingebunden: Die Firma Albrecht, ebenfalls aus Preith, übernahm den Transport und die Erdarbeiten. Aufwendig war auch die Verkabelung im Untergrund - für die Beleuchtung und die medialen Angebote. Der Transport der Figuren nach München sei übrigens nicht ohne gewesen, schildert Innerhofer: "Es gab ja keine Kranösen. " So mussten eine Spezialkonstruktion und ein Hebewerkzeug aus der Steinindustrie beim Verladen helfen. Teilweise 30 Mann seien dann in München beim Aufstellen der Stahlfiguren im Einsatz gewesen.

Im Nachhinein zeigt sich Innerhofer noch tief beeindruckt: "Es war uns eine Freude und eine Ehre, an diesem Projekt mitgewirkt zu haben - gerade an dieser fokussierten Stelle. Wir sind natürlich schon ein bisschen stolz darauf. Das war ein ganz besonderer Auftrag. " Die Zusammenarbeit mit der Stadt München und vor allem mit Gestalterin Monika Müller-Rieger, die ihrerseits das Lob via Interview in der Süddeutschen Zeitung zurückgab, sei hervorragend gelaufen.

Die "Dokumentation Oktoberfest-Attentat" soll Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, sich über die Geschehnisse des 26. September 1980 zu informieren und die Tragweite des Attentats auch aus Sicht der Überlebenden zu erfahren, wie es in einer Mitteilung der Stadt München heißt. Sowohl bei der Entscheidung für den gestalterischen Entwurf wie auch der Realisierung waren Überlebende aktiv beteiligt.

EK

Jürgen Knopp