Ingolstadt
Dreifache Brandlast wie bei Notre-Dame

Feuerwehrübung am Münster: Im Ernstfall wäre es ein Alarm mit Auswirkungen auf die gesamte Stadt

13.11.2019 | Stand 23.09.2023, 9:26 Uhr |
Löschangriff aus der Höhe: Über gleich zwei Drehleitern ging die Feuerwehr gegen die angenommenen Flammen vor. −Foto: Eberl??

Ingolstadt (DK) Wenn hier mal richtig Feuer unterm Dach wäre, würde es Ingolstadt wohl mal wieder bundesweit in die Schlagzeilen und Nachrichtensendungen schaffen: Ein ausgedehnter Brand im Münster, zumal im riesigen Dachstuhl dieses Gotteshauses (immerhin eine der größten Hallenkirchen in Süddeutschland), wäre eine enorme Herausforderung für die Feuerwehren und womöglich auch die weiteren Rettungskräfte der Stadt. Am Mittwoch ist dieses Szenario mal ansatzweise durchgespielt worden.

Nach dem weltweit beachteten Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame im vergangenen April sind in vielen Städten mit vergleichbar großen Baudenkmälern die Befürchtungen gestiegen, man könne eines Tages eine ähnliche Brandkatastrophe meistern müssen. Im Ingolstädter Stadtrat hatte sich vor allem Karl Ettinger (FDP) dafür stark gemacht, einen solchen Ernstfall rechtzeitig zu proben. Sein entsprechender Antrag wurde allgemein unterstützt; am frühen Mittwochnachmittag folgte die Umsetzung unter einiger öffentlicher Beachtung: Dass die Feuerwehr mitten in der Stadt mit Großaufgebot anrückt und gleich beide Drehleitern ausfährt, ist halt nicht alle Tage zu erleben.

19 Mitglieder der Berufsfeuerwehr aus den Freischichten (die aktuelle Dienstgruppe hielt sich nach wie vor in der Hauptfeuerwache für tatsächliche Einsätze bereit) sowie mehrere Kameraden und Kameradinnen der Freiwilligen Wehren Stadtmitte und Friedrichshofen waren kurz nach der Alarmierung um 13.30 Uhr mit insgesamt zehn Fahrzeugen zur Stelle, um den Angriff gegen die - so die angenommene Lage - aus dem Münsterdach schlagenden Flammen zu führen.

Die Berufswehr hielt für Beobachter aus dem Stadtrat und Pressevertreter Pläne des Münsters und eine Fotomontage eines möglichen Großfeuers in dem teils Jahrhunderte alten Dachgebälk parat. Anhand dieses Bildes hatte der Einsatzleiter auch die Vorgehensweise beim Löschangriff zu bestimmen: Erst nach gehöriger Bewässerung des Kirchendachs über die Drehleitern konnten Trupps unter Atemschutz im Dachstuhl an weitere Löscharbeiten und die Rettung eines (angenommenen) verletzten Handwerkers gehen, auf dessen (hypothetischer) Baustelle das Feuer seinen Ursprung genommen hatte - ganz so wie im Frühjahr in Notre-Dame.


Im Falle eines Falles böte das Münster übrigens noch wesentlich mehr Nahrung für die Flammen als die berühmtere (und fast namensgleiche) Kirche in der französischen Hauptstadt: Wie Feuerwehrsprecher Thomas Schimmer erläuterte, hat der Dachstuhl des Ingolstädter Wahrzeichens die dreifache Masse an Holz - also praktisch auch die dreifache Brandlast - wie sie die Pariser Kathedrale bis zum dortigen Großfeuer hatte.

Feuerwehrchef Josef Huber erklärte dem DK andererseits, dass die größten Dachbalken des Münsters von so gewaltiger Stärke sind, dass sie im günstigeren Fall durch einen Verkohlungseffekt sogar selbstständig verlöschen könnten und so ein Einstürzen der Konstruktion unter Umständen vermieden würde - nur verlassen darf sich darauf natürlich niemand.

Bernd Heimerl