Jahresrückblick

Diskussion um Kliniken: Zusammenarbeit als Zukunftsfrage

Krankenhäuser am Scheideweg - Die Gesundheitsversorgung in der Region 10 gibt 2021 Anlass zu vielen Diskussionen

30.12.2021 | Stand 03.01.2022, 3:34 Uhr
Klinikum Ingolstadt: Das Großkrankenhaus soll auch künftig eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung der Region 10 spielen. Die Frage ist nur: welche? Mögliche Gedankenspiele gibt es, Gutachten sollen das Potenzial untersuchen. −Foto: Foto: Schalles

Die Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Region steht zur Diskussion - in allen Landkreisen und der Stadt Ingolstadt.

Im Fokus steht nicht das Klinikum als Großkrankenhaus. Vielmehr sind es die kleinen Kliniken in den Kreisen Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen, die über das Jahr immer wieder Schlagzeilen machen.

Gutachten empfiehlt Neubau
Im Landkreis Eichstätt nimmt die Debatte Ende März Fahrt auf, als im Zuge der von Landrat und Klinikvorstand angestoßenen Agenda 2030 ein Gutachten der Oberender AG vorgestellt wird. Der Inhalt ist von derartiger Brisanz, dass durchaus von einer Schockstarre gesprochen werden kann. Das Ergebnis des Gutachtens: eine Zentralisierung der Klinikstandorte Eichstätt und Kösching auf einen Neubau vor den Toren Ingolstadts. Als mögliche Orte werden Eitensheim oder Gaimersheim ins Spiel gebracht. Die Mitglieder des Kreistags sind zunächst gelähmt, Landrat Alexander Anetsberger (CSU) will zügig eine Entscheidung treffen, wie es weitergeht. Die Begründung im Gutachten: Fachkräftemangel und Vorgaben der Bundespolitik würden zukünftig die Situation kleiner Kliniken noch weiter erschweren. Eine Entscheidung im Juli ist bald vom Tisch, schnell steht fest, dass es wohl eher 2022 werden wird, bis klar ist, wie es mit den Kliniken im Naturpark Altmühltal weitergeht. In einer Kreistagssitzung im Dezember fällt dann der Beschluss, nur noch einen Standort als Akutklinik vorzuhalten, den anderen zu einem Gesundheitszentrum umzuwidmen. Die Neubaulösung ist vom Tisch. Ob die Klinik künftig in Eichstätt oder Kösching steht, das soll im neuen Jahr entschieden werden. Die Tendenz ist aber bereits relativ deutlich - zugunsten der Domstadt.

POTENZIAL FÜR ZUSAMMENARBEIT
Die drei Landräte der Kreise Eichstätt, Pfaffenhofen und Neuburg-Schrobenhausen sowie der Ingolstädter Oberbürgermeister sind sich durchaus einig, dass das Potenzial der Gesundheitsversorgung in der Region untersucht gehört. "Es ist politisch hoch brisant", macht OB Christian Scharpf bei einem Gespräch im DK deutlich. Ob eine Zusammenarbeit aller Kliniken in der Region Sinn macht? Möglicherweise schon - wenn alle mitmachen. Vor Jahren schon einmal hat es eine Allianz zwischen den Kliniken Eichstätt, Kösching und Pfaffenhofen gegeben. "Dass sie abgewickelt wurde, spricht für sich", sagt Anetsberger, will aber zugleich festgestellt haben, dass sich niemand grundsätzlich gegen Kooperationen wehrt. Die Frage muss Anetsberger zufolge lauten: Was können wir miteinander tun? Da käme nicht nur die Zusammenarbeit der kleinen Häuser in Frage, sondern möglicherweise die Ausrichtung auf ein Zentrum hin. "Vielleicht macht das eher Sinn? " Schon bald im Jahr tun sich aber neue Fragestellungen auf: Die Katholische Jugendfürsorge in Augsburg will die Klinik in Neuburg, die sie erst 2017 erworben hatte, aufgeben und sucht nach einem neuen Träger. Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen bekundet sein grundsätzliches Interesse an einer Übernahme, auch der Krankenhauszweckverband Ingolstadt, dem das Klinikum gehört, wirft seinen Hut in den Ring. Eine Entscheidung, wer das seit über 150 Jahren bestehende, bisher kirchliche Haus übernehmen wird, soll noch im ersten Quartal 2022 fallen.

ILMTALKLINIK mit rekorddefizit
Die Ilmtalklinik GmbH mit ihren Krankenhäusern in Pfaffenhofen und Mainburg durchlebt ein unruhiges Jahr. Zu den finanziellen Engpässen aufgrund der sich ändernden Klinikfinanzierung gesellen sich negative Auswirkungen durch die Pandemie. Dadurch erreicht das Jahresdefizit ein Minus von zehn Millionen Euro. Geschäftsführer Ingo Goldammer gibt ein Gutachten in Auftrag, in dem Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Diese setzt mit Peter Lenz allerdings ein weiterer Geschäftsführer um. Goldammer kümmert sich fortan um die Generalsanierung in Pfaffenhofen, deren Kosten die neuen Planer auf 186 Millionen Euro kalkulieren. Für viel Wirbel sorgen die Veränderungen im Kreis Kelheim, weil dem Mainburger Krankenhaus der Verlust des Herzkatheters droht. Es kommt zu hitzigen Kreistagsdebatten, einer Demo, Umstrukturierungen im Aufsichtsrat und einem neuen Beteiligungsverhältnis zwischen den Landkreisen von 73:27 Prozent, was den Pfaffenhofener Kreishaushalt künftig etwas entlastet.

DK

Marco Schneider, Patrick Ermert