München
Die Chefin des Circus Krone setzt weiter auf Tiere

Jubiläum: Vor 100 Jahren festes Domizil bezogen

14.03.2019 | Stand 23.09.2023, 6:14 Uhr
Der Circus Krone −Foto: Eberl

Der Circus Krone feiert Jubiläum: Vor 100 Jahren bezog er sein festes Domizil in München. An der Spitze von Europas größtem Zirkus steht seit 2017 Jana Mandana Lacey-Krone. Die 39-Jährige setzt auf Transparenz beim Tierschutz, betont aber auch: Ohne Tiere geht es nicht.

München (DK) Nase an Rüssel stehen Jana Mandana Lacey-Krone und Bara in der Manege - hier die grazile Frau im blauen Dirndl, dort die graue Elefantendame, so schwer wie drei Autos. Ein leiser Ruf, ein Tätscheln auf die faltige Haut, und schon schlingt das Tier seinen Rüssel um den Menschenkörper. Im nächsten Moment sitzt die Zirkusfrau oben auf dem Elefanten, schlägt die Beine übereinander und winkt ins Publikum, wo die Jüngeren mit offenem Mundstaunen und die Älteren mit gezücktem Smartphone Erinnerungsfotos schießen.

Die strahlende Zirkusdirektorin, die auf dem Elefantenrüssel thront - es ist das symbolträchtigste Bild, das von zweieinhalb Stunden im Circus Krone bleibt. Jubiläumsprogramm nennt sich diese Vorstellung, da der Zirkus vor 100 Jahren seinen festen Kronebau in München bezogen hat - an der Marsstraße, wo noch heute der 1962 errichtete Nachfolgebau mit seinen 3000 Sitzplätzen steht. Die Tribünen sind auch an diesem Nachmittag gut gefüllt, während Bara durch die Manege stapft. Seit Anbeginn des Circus Krone ist der Elefant das Wappentier des Familienunternehmens; seine Haltung im Zirkus ist so umstritten wie bei kaum einem anderen Tier - doch dazu später. Und oben auf dem Rüssel sitzt nun also Jana Mandana Lacey-Krone, die Direktorin von Europas größtem Zirkus.

Drei Jahre alt ist die kleine Jana Mandana - der zweite Vorname geht auf eine iranische Oma zurück - bei ihrem ersten Auftritt im Circus Krone. Auf einem Shetlandpony reitet sie durch die Manege - unter den Augen von Christel Sembach-Krone, der Grande Dame des Zirkus' und Enkelin des Gründers Carl Krone. Jana Mandana heißt damals noch Pilz mit Nachnamen; ihre Eltern stammen aus der Schweiz, sind große Zirkusfans und freunden sich mit Christel Sembach-Krone an. Das Mädchen verbringt bald jede freie Minute im Krone-Reich, dessen Chefin sie liebevoll "Mapa" nennt - eine Mischung aus Mama und Papa. Im Jahr 2001 adoptiert die kinderlose Christel Sembach-Krone die damals 22-Jährige mit dem Einverständnis ihrer Eltern. Als die Zirkus-Chefin 2017 stirbt, tritt Jana Mandana Lacey-Krone ihre Nachfolge an.

Was sich seither für sie verändert hat? "Die Verantwortung ist größer geworden, seit Frau Sembach nicht mehr da ist. Sie war wie ein Netz, das vieles aufgefangen hat", sagt Jana Mandana Lacey-Krone an einem Februarvormittag, einige Wochen vor ihrem Auftritt mit Bara in der Manege. Sie und ihr Ehemann Martin Lacey junior - der Engländer ist Dompteur im Circus Krone - haben Reporter und Fotografen in den Kronebau geladen, um das dritte und letzte Jubiläumsprogramm vorzustellen, ehe der Zirkus ab April wieder auf Tour geht. Für die beiden sind solche Termine Routine; freundlich, geduldig und mit einem scheinbar unausknipsbaren Lächeln beantworten sie Fragen und posieren für Fotos.

"Eigentlich", sagt Jana Mandana Lacey-Krone später, sei der ganze Rummel "gar nicht so meine Sache". Es ist ein Satz, den man nur schwerlich mit der glamourösen Zirkusprinzessin zusammenbringt, die sie bei hunderten Vorstellungen im Jahr in der Manege verkörpert. Und doch sagt die 39-Jährige mit ihrer stets rauchigen Stimme, bei der man genau hinhören muss, um die Schweizer Herkunft zu erlauschen: "Mir geht's nur um die Tiere. Ein Leben ohne Tiere könnte ich mir nicht vorstellen."

Ebenso unvorstellbar sei für sie ein Zirkus ohne Tiere, ergänzt die Direktorin - wohl wissend, dass dieser Satz, würde man ihn in einem sozialen Netzwerk posten, eine Flut wütender Kommentare nach sich zöge. Denn für viele Menschen gehören Tiere nicht in die Manege. Allen voran die Organisation Peta kritisiert: "Hinter den Glitzerkulissen des Circus Krone ist das Leid der Tiere immens." Die Debatte rund um Löwe, Elefant und Co. in der Manege flammte voriges Jahr auch in Ingolstadt auf, wo das Münchner Unternehmen gerne einen jährlichen Weihnachtszirkus veranstaltet hätte. Doch der Stadtrat lehnte dieses Ansinnen ab und erließ mit knapper Mehrheit ein Auftrittsverbot von Zirkussen mit Wildtieren auf städtischen Flächen.

Derweil hat etwa der Circus Roncalli auch die letzte Tiernummer aus seinem Programm verbannt. "Aber die haben ja ein ganz anderes Konzept als wir", sagt Jana Mandana Lacey-Krone, die betont: "Wir sind, wer wir sind, durch die Tiere." Und diese würden im Circus Krone ein gutes Leben führen. "Es ist doch nur in unserem eigenen Interesse, dass es den Tieren gutgeht", sagt die Direktorin. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie vieles unternommen, um die Anschuldigungen zu entkräften. So gibt es auf der Webseite des Circus Krone eine 16-seitige Broschüre zum Thema Tierschutz; überdies veranstaltet der Zirkus öffentliche Proben und bietet Führungen zu den Gehegen und Stallungen an. Allein in der Manege wolle sie das Thema Tierschutz nicht ansprechen, sagt Jana Mandana Lacey-Krone: "Belehrungen gehören da nicht hin. Die Besucher kommen zu uns, um sich zweieinhalb Stunden verzaubern zu lassen."

Bei der Jubiläumsshow sind es vor allem viele ganz Junge und viele ganz Alte, die sich von Clowns, Artisten und Tieren verzaubern lassen. "Ich habe neulich bei einer Vorstellung einen 82-Jährigen getroffen, der mir erzählt hat, dass er schon als Kind im Circus Krone war - und dass er jetzt mit seinem Urenkel kommt", sagt Jana Mandana Lacey-Krone auf die Frage, wie sie sich den Zirkus der Zukunft vorstellt. "Wir werden uns natürlich weiter entwickeln, aber wir wollen bodenständig bleiben." Außer natürlich, wenn Bara mit ihrem Rüssel zupackt - dann ist Abheben erlaubt.

WURZELN IM HOHEN NORDEN

Der Circus Krone mag heute zu München gehören wie das Oktoberfest – seine Wurzeln aber liegen im hohen Norden in Bremen. Dort gründete Carl Krone 1905 den nach ihm benannten Wanderzirkus, nachdem er zuvor mit der Tiershow seines Vaters durch Europa gezogen war. 1919 wurde der Circus Krone dann sesshaft und bezog in München den eigens errichteten Kronebau.
Seit jenen Tagen zeigt das Unternehmen dort in den Wintermonaten wechselnde Programme, die pro Saison um die 400 000 Besucher anziehen. Ab April geht es dann stets auf Reisen – mit 250 Mitarbeitern, 100 Tieren und dem größten mobilen Zirkuszelt der Welt.

Patrik Stäbler