Schrobenhausen

Der Spargel lugt schon aus dem Bifang

In den Verkauf gehen die ersten Gemüsestangen aber noch nicht - Saison startet bald

15.03.2019 | Stand 02.12.2020, 14:26 Uhr
Da ist er, der erste Schrobenhausener Spargel. Andreas Sigllechner präsentiert ihn auf einem Südhang am Klosterberg. −Foto: Petry

Schrobenhausen / Haslangkreit (SZ) Wohl in der letzten Märzwoche sollte die Saison für die Ernte des ersten Schrobenhausener Spargel richtig beginnen. Das ist die bisherige Prognose von Claudia Westner, der neuen Chefin der südbayerischen Spargelerzeuger. Und die Chancen stehen tatsächlich nicht schlecht.

Denn auf einem Feld am Südhang, das von der Familie Sigllechner am Klosterberg bewirtschaftet wird, sprießt er schon, der Spargel, wenn man mal einen Blick unter die Folienabdeckung wirft. In einer Woche, hofft Andreas Sigllechner, könne der Spargel womöglich schon in den Verkauf gehen.

"Die Sonne ist jetzt wichtig", sagt Claudia Westner, die vor wenigen Wochen die Nachfolge von Spargelpapst Josef Plöckl an der Spitze der Erzeuger angetreten hat. Die Temperaturen in den Bifängen seien durch den warmen Februar schon ganz gut gewesen, beschreibt die Haslangkreiter Landwirtin die Lage. Durch die zumeist auf den Feldern verwendeten Dreifachabdeckungen seien die Temperaturen für die Entwicklung des Spargels bereits ganz gut. Doch der kalte Wind könnte wieder für ungewollte Abkühlung sorgen.

Und die können die Spargelerzeuger nach Worten Westners überhaupt nicht gebrauchen. Denn, wenn der Unterschied zwischen dem Kopf des Bifangs und dem Fuß zu groß werde, sei das dem Wachstum des Spargels nicht gerade zuträglich. Eine höhere Differenz als vier Grad zwischen den beiden Stellen sollte es nicht geben. Eine zu hohe Differenz sei die Ursache für die sogenannten hohlen Stangen, die es manchmal zu Beginn der Spargelsaison gebe, erklärt Westner.

Also, der richtige Wettermix macht den ersten Spargel aus. "Ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen", beschreibt Western das Wunschwetter der Spargelbauern in den kommenden Tagen. 25 Grad Celsius im Februar, wie ja heuer schon geschehen, hält Westner nach ihrer 20-jährigen Erfahrung mit dem Spargelanbau nicht für gut. Und es führt auch zu kuriosen Anrufen, wie sich Westner erinnert. Denn genau heuer im Februar hätten mehrere Gemüsehändler - also eigentlich Kenner der Materie - sich bereits bei gemeldet und ernsthaft nach dem ersten Schrobenhausener Spargel gefragt.

Offensichtlich fördert die Sonne auch den Absatz des Produktes. "Man verbindet Spargel mit Frühling", sagt Claudia Westner, "bei Sonne und Wärme verlangen alle nach Spargel." Wenn der erste Sonnenschein ein wenig dauerhaft lache, seien die Leute kaum noch zu halten.

Um dem Trend gerecht zu werden, so Westner, müssten die Spargelerzeuger den Termin für den Erntestart eben nach vorne verlegen. Dazu trügen vor allem die Folienabdeckungen bei. Unter den Erzeugern inzwischen gängig seien die sogenannten Dreifachtunnel, mit denen es möglich sei, eine relativ gleichmäßige Wärmeverteilung in den Bifängen zu gewährleisten. Doch ohne Zeit zum Wachsen, gehe es auch bei den mit Folien abgedeckten Bifängen nicht, meint Westner. Auf eines wollen die Erzeuger des Schrobenhausener Spargels auf jeden Fall weiterhin verzichten - auf das künstliche Beheizen der Felder, wie es im Aichacher Land und an einigen anderen Gegenden Bayerns mittlerweile üblich ist. "Der Spargel soll ein Naturprodukt bleiben", ist Westners klare Devise. Ohne die Beheizung, so Westner weiter, seien aber anbautechnisch die Möglichkeiten eines noch früheren Erntestarts einfach begrenzt. Es sei denn, der Klimawandel würde bereits im Februar dauerhaft frühlingshafte Temperaturen und Sonnenschein bescheren. "Aber das kann ja niemand wollen", fügt sie noch hinzu.

Selbst wenn es in den kommenden Tagen ausreichend Sonnenschein geben sollte, werde es laut Westners Prognose wohl noch etwas dauern mit dem ersten Schrobenhausener Spargel. "Wenn bei uns die Forsythien blühen", so Westners ganz private Bauernregel, "gibt es meistens den ersten Spargel."

Den ersten Spargel dürften nach Westners persönlicher Schätzung im rund 618 Hektar großen Anbaugebiet des insgesamt 68 Erzeugerbetriebe zählenden Schrobenhausener Verband wohl die Landwirte stechen, deren Feldern in Richtung Ingolstadt und Hohenwart lägen. Das Beispiel von Andreas Sigllechner gibt Westner recht, auch wenn die ersten Spargelstangen vom Klosterberg noch nicht in den Verkauf gehen. "Wir in Haslangkreit werden wohl in der ersten Aprilwoche dabei sein", sagt Westner. Dafür liege ihr Hof im Verkauf zu den anderen einfach etwas zu hoch.

Übrigens, Claudia Westner hat einen einfachen Rezepttipp für den ersten Spargel parat. Sie persönlich bevorzugt beim Essen den Klassiker: gekochter oder gedämpfter weißer Spargel mit schnittfesten Kartoffeln und ein wenig zerlassener Butter.

Jürgen Spindler