Schrobenhausen

Den Toten ein Gesicht geben

100 Jahre Hinterkaifeck - Internetforum sucht Bilder der Opfer für die Ausstellung im Polizeimuseum

17.09.2021 | Stand 22.09.2021, 3:35 Uhr
Sind das Viktoria Gabriel und Andreas Gruber? Vieles spricht dafür. Die Schrobenhausener Zeitung hat diese Ausschnittvergrößerung eines Bildes im Jahr 2012 mit großem technischen Aufwand angefertigt. Das Foto war bei Familienforschung in Hohenwart zufällig aufgetaucht. Sicherlich existieren aber noch bessere Bilder. Die werden gerade gesucht. −Foto: Schrobenhausener Zeitung

Hinterkaifeck - Am 4. ApriI 2022 ist es 100 Jahre her, dass die Leichen von Hinterkaifeck gefunden wurden. Bis heute ranken sich zahlreiche Theorien um den Hergang des bis heute ungeklärten Mordes. Das Bayerische Polizeimuseum plant, seine Sonderausstellung "Mythos Hinterkaifeck" angesichts des runden Jahrestages noch einmal zu öffnen - mit einigen Veränderungen. Die Organisatoren erhoffen sich dabei Unterstützung aus der Bevölkerung.

Denn bis heute ist es nicht gelungen, den Toten ein Gesicht zu geben - mit Ausnahme eines unscharfen Fotos, das den Bauern Andreas Gruber und seine Tochter Viktoria Gabriel zeigen könnte - und das ist nicht restlos gesichert. "Es muss Fotos geben, aus privaten Quellen oder aus dem Dorf", ist Jasmine Kaptur vom Forum www.hinterkaifeck.net überzeugt. "Das Hochzeitsfoto von Viktoria und Karl Gabriel zum Beispiel, aber auch Bilder vom Kirchenchor, in dem Viktoria sang, oder ein Klassenfoto ihrer Tochter Cilli", ergänzt Olaf Krämer vom Forum, der ebenfalls maßgeblich an der Ausstellung mitarbeitet. Die beiden schreiben übrigens gerade ein begleitendes Buch zur Ausstellung, das nächstes Jahr auf den Markt kommen soll.

Es geht aber nicht nur um Fotos. Über die Opfer des Mordes von Hinterkaifeck ist auch sonst bis heute nur wenig bekannt. Vielleicht hat noch jemand Urkunden oder Hinweise auf Arbeitsverhältnisse auf dem Speicher der Vorfahren gefunden? "Es wäre hilfreich, wenn die Ausstellung hier Neues zu bieten hätte, gerne auch Bilder aus der Zeit, die zeigen, wie das Leben in Waidhofen damals aussah", sagt Jasmine Kaptur. Wer Material zur Verfügung stellen möchte, kann sich gerne an die Schrobenhausener Zeitung - per Mail an redaktion@ schrobenhausenerzeitung .de - wenden oder auch das Forum über die Adresse mail@hinterkaifeck.net direkt anschreiben.

Die Reaktionen auf die Ausstellung in Ingolstadt unter dem Dach des Bayerischen Armeemuseums sind für alle Beteiligten - dazu gehört auch Ansgar Reiss als Leiter der Einrichtung - Anlass genug, sich erneut in der Sache zu engagieren. 14000 Besucher haben die Ausstellung bei ihrer ersten Runde bereits gesehen. Viele haben im Gästebuch ihre eigenen Theorien zum Tathergang und zu den Tätern festgehalten, haben aus dem Leben der Familien rund um Hinterkaifeck erzählt. Das aber soll es noch nicht gewesen sein.

SZ

Mathias Petry