DEL-Transfermarkt: Die einen handeln, die anderen warten

17.09.2020 | Stand 02.12.2020, 10:32 Uhr
DEL-Topscorer Wayne Simpson (vorne, gegen Berlins Jonas Müller) läuft auch in der neuen Saison für den ERC Ingolstadt in Deutschlands bester Eishockey-Liga auf. −Foto: Imago Images

Die 27. Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hätte - ohne Corona-Krise - an diesem Freitag beginnen sollen. Obwohl auch der neue Starttermin 13. November wackelt, haben einige der 14 Klubs ihre Mannschaften schon komplett. Andere hingegen spielen auf Zeit und hoffen auf späte Transfermarkt-Schnäppchen. Auffällig: Bislang kommen die meisten Neuzugänge aus Skandinavien. Ein Überblick.

 

Augsburger Panther

Vertrauen in die Defensive, Geduld mit der Offensive: Während die Augsburger im Tor und in der Verteidigung keinerlei Veränderungen vornahmen, fehlen Coach Tray Tuomie im Sturm noch die Top-Importspieler als Ersatz für Sahir Gill, Scott Kosmachuk und Mitch Callahan, die keine neuen Verträge bekamen. Die Eisenmenger-Brüder Maximilian und Magnus (Frankfurt/DEL2) sowie Samir Kharboutli (Memmingen/Oberliga) sind vielversprechende Talente, müssen sich aber erst an Tempo und Härte in der DEL gewöhnen. Routinier Christoph Ullmann hat seine Karriere beendet. Finden die Schwaben noch drei Volltreffer für den Angriff, gehören sie wie 2019/20 zu den besten zehn Teams.

Eisbären Berlin

Zäsur in der Hauptstadt: Eisbären-Legende André Rankel erhielt nach 17 Jahren und 7 Meisterschaften keinen neuen Vertrag. Trotzdem haben die Berliner mit Mannheim und München den stärksten Kader der Liga beisammen: Die Goalieposition - in der Vorsaison die größte Schwachstelle - besetzt künftig Nationaltorhüter Mathias Niederberger (Düsseldorf). Stefan Espeland (Bremerhaven) und Leon Gawanke (Winnipeg/NHL/Leihe) sollen für Offensivpower von der Blauen Linie sorgen. Den Angriff ergänzen Vorlagen-König Mark Zengerle (Bremerhaven) und Nationalspieler Parker Tuomie (Minnesota State University/USA). Das Halbfinale ist Pflicht für den Vorjahres-Vierten von Trainer Serge Aubin.

Pinguins Bremerhaven

Zehnter, Neunter, Siebter und Sechster - die Pinguins sind in ihren vier Jahren DEL zum Kandidaten für die direkte Viertelfinal-Qualifikation gereift. Zwar verließen mit Stefan Espeland, Mark Zengerle (beide Berlin) und Justin Feser (Ingolstadt) wichtige Stützen den Klub, doch Manager Alfred Prey fand mit Goalie Brandon Maxwell (Villach/AUT), den Verteidigern Anders Krogsgaard (Aalborg/DK) und Vladimir Eminger (Karlovy Vary/CZE) sowie den Talenten Filip Reisnecker (Deggendorf/Oberliga) und Niklas Andersen (Esbjerg/DK) interessanten und entwicklungsfähigen Ersatz. Prunkstück der Mannschaft von Trainer Thomas Popiesch soll der Slowenen-Sturm um den Königstransfer und Ingolstädter Meisterpanther Ziga Jeglic (Mlada Boleslav/CZE) sowie Jan Urbas und Miha Verlic sein.

Düsseldorfer EG

Recht gering fielen die Kader-Umbauten in Düsseldorf aus. Den schmerzhaften Abgang von Torwart Mathias Niederberger (Berlin) soll das talentierte, aber unerfahrene Duo Hendrik Hane (19) und Mirko Pantkowski (22/Mannheim) auffangen - eine mutige Entscheidung von Sportdirektor Niki Mondt. Für die Offensive kamen Daniel Fischbuch (Nürnberg) und Mathias From (Modo/SWE). Ungewöhnlich in der DEL: Nur drei DEG-Profis sind in Nordamerika geboren, dafür stammen fünf aus Skandinavien. Das Team von Coach Harold Kreis, 2019/20 Fünfter, sollte im vorderen Mittelfeld landen.

ERC Ingolstadt

Der ERC und Sportdirektor Larry Mitchell pokern in der Corona-Krise wie kein zweiter Klub auf fallende Preise und wechselwillige Hochkaräter. Erst 18 Spieler umfasst der Kader - inklusive des dritten Torhüters Jonas Stettmer (18) und des Sturm-Talents Enrico Henriquez-Morales (19), die beim Kooperationspartner Rosenheim reifen sollen. Außerdem sind beim Vorjahres-Siebten, der Meistergoalie Timo Pielmeier wegen des verweigerten Gehaltsverzichts suspendierte, erst drei Import-Lizenzen für Liga-Topscorer Wayne Simpson, Frederik Storm (Malmö/SWE) und Torhüter Michael Garteig (Tappara/FIN) vergeben. Eine Menge Spielraum für Mitchell, aber auch ein Risiko. Der ERC, der zuletzt den Verbleib von Trainer Doug Shedden verkündete, ist die Wundertüte der DEL.

Iserlohn Roosters

Nach dem vorletzten Tabellenplatz in der vergangenen Spielzeit stellen sich die Roosters wieder mal neu auf. Dem mit 116 Saisontoren harmlosesten Angriff der Liga sollen Rückkehrer Brent Raedeke (Mannheim), Casey Bailey (Växjö/SWE) und Taro Jentzsch (Sherbrooke/CAN) mehr Durchschlagskraft verleihen. Einige Positionen im bislang 20 Mann starken Kader sind noch frei - auch in der Defensive, wo sich Ex-ERC-Kapitän Dustin Friesen für ein Karriereende entschied. Nur im Tor ist das Team von Jason O'Leary komplett: Janick Schwendener (Thurgau/SUI2) ersetzt Anthony Peters.

Krefeld Pinguine

Bei den Pinguinen, die fünfmal in Folge die Play-off-Ränge verfehlt haben, blieb im Sommer kein Stein auf dem anderen. Der Klub verpasste sich ein neues Logo, der neue Manager Roger Nicholas und dessen Assistent Sergejs Saveljevs sägten Klubikone Daniel Pietta ab, holten den Trainer-Haudegen Glen Hanlon aus Ungarn und insgesamt 18 neue Spieler. Neben DEL-erfahrenen Profis wie Kris Foucault (Ingolstadt), Lucas Lessio (Wolfsburg) und Wade Bergman (Wolfsburg) sowie Top-Talent Dominik Bokk (Carolina/NHL/Leihe) komplettieren ein halbes Dutzend Russen aus unterklassigen Ligen das Team. Ob das Experiment in der nordamerikanisch geprägten DEL gelingt? Man darf gespannt sein - und durchaus auch ein wenig skeptisch.

Kölner Haie

Trotz der katastrophalen Vorsaison, die auf Rang elf endete, blieb der große Umbruch bei den Haien aus. Torwart Gustaf Wesslau hat Köln nach fünf Jahren verlassen, für ihn kam Justin Pogge (Berlin). Auch in der Abwehr (Maury Edwards/Ingolstadt) und im Angriff (James Sheppard/Berlin) verstärkte sich die Mannschaft von Uwe Krupp gezielt mit bewährten DEL-Größen. Der eine oder andere Top-Importspieler täte dem mit vielen Nachwuchskräften bestückten Kader noch gut. Die Play-offs sind ein realistisches Ziel.

Adler Mannheim

Der Deutsche Meister von 2019 ist komplett und schon seit Wochen im Eistraining - dabei heben die NHL-Leihspieler Lean Bergmann (San Jose) und Moritz Seider (Detroit) das Niveau. Die Mannheimer Defensive ist bis auf Goalie Felix Brückmann (Wolfsburg) anstelle von Johan Gustafsson identisch geblieben, im Sturm sollen Brendan Shinnimin (Växjö/SWE), Jason Bast (Köln) und Stefan Loibl (Straubing) die Abgänge von Borna Rendulic, Jan-Mikael Järvinen und wohl auch den des künftigen NHL-Stürmers Tim Stützle auffangen. Das Team von Trainer Pavel Gross ist gemeinsam mit München der erste Titelanwärter.

EHC München

Für die Münchner könnte es fast schon losgehen: Das Team bestritt noch ohne Trainer Don Jackson bereits drei Testspiele gegen Bern (5:3) und den Bruderklub Salzburg (3:1/2:5), bei dem die Top-Talente John Peterka und Justin Schütz leihweise Spielpraxis sammeln sollen. Ansonsten herrscht Kontinuität: Die langjährigen EHC-Profis Jason Jaffray und Mads Christensen haben den Klub verlassen, einziger externer Neuzugang ist Verteidiger Zach Redmond (Rochester/AHL). Nur auf der Torwart-Position ist der Hauptrundensieger 2020 nach der Verletzung Danny aus den Birkens mit den Youngstern Daniel Allavena, Kevin Reich und Daniel Fießinger (noch) nicht erstklassig besetzt.

Nürnberg Ice Tigers

Nach dem Ausstieg von Hauptsponsor Thomas Sabo müssen die Ice Tigers bescheidener planen. Der neue Trainer Frank Fischöder soll die bislang im Nachwuchs oder unterklassig spielenden David Trinkberger (Universität Alaska), Julius Karrer (Weißwasser/DEL2), Timo Walther (Dresden/DEL2), Andrej Bires (Bad Nauheim/DEL2) und Vincent Hessler (Berlin) zu DEL-Profis entwickeln. Das erfahrene, aber dünne Gerüst bilden neben Goalie Niklas Treutle die Verteidiger Andrew Bodnarchuk (München), Tom Gilbert und Chris Summers sowie die Stürmer Jack Skille, Will Acton, Chris Brown und Patrick Reimer. Nürnberg kämpft um die Pre-Play-offs.

Schwenninger Wild Wings

Nach der trotz hoher Ziele enttäuschenden Saison 2019/20 trennte sich das abgeschlagene Schlusslicht vom halben Team. Sportdirektor Christof Kreutzer und Coach Niklas Sundblad basteln am Neuaufbau: Nachfolger Dustin Strahlmeiers (Wolfsburg) im Tor ist Joacim Eriksson (Brynäs/SWE), die löchrigste Defensive der DEL (173 Gegentreffer) sollen Emil Kristensen (EVZ Academy/SUI2) und Will Weber (Bremerhaven) stabilisieren. Mehr Tempo im Angriff bringen die Spink-Zwillinge Tylor und Tyson (Ässät/FIN) mit, als Routiniers kamen Travis Turnbull (Straubing) und Darin Olver (Ingolstadt). Ein Verteidiger und ein Stürmer sollen noch folgen. Das Erreichen der K.-o.-Runde wäre ein Erfolg.

Straubing Tigers

Für Straubing war der Abbruch der Saison 2019/20 besonders bitter, hatten die Tigers als Hauptrunden-Dritter doch die beste Spielzeit der Klubgeschichte gespielt und sich sogar Chancen im Titelkampf ausgerechnet. Beim Versuch, dieses Kunststück zu wiederholen, kann Trainer Tom Pokel auf seine fast unveränderte, erfahrene Mannschaft um die Top-Stürmer Jeremy Williams und Mike Connolly bauen. Ein Schlüsselspieler fehlt jedoch: Goalie Jeff Zatkoff löste seinen Vertrag aus privaten Gründen auf. Den Stanley-Cup-Sieger adäquat zu ersetzen ist die große Aufgabe von Sportdirektor Jason Dunham.

Grizzlys Wolfsburg

Die Grizzlys greifen mit deutlich aufgefrischtem Kader an. Neu sind unter anderem Torhüter Dustin Strahlmeier (Schwenningen), Verteidiger Phillip Bruggisser (Krefeld) sowie die Stürmer Phil Hungerecker (Mannheim), Matti Järvinen (Kuopio/FIN), Max Görtz (Malmö/SWE) und Jordan Boucher (Örebro/SWE). Sportdirektor Charly Fliegauf sucht noch je einen offensiven und defensiven Führungsspieler. Ist er erfolgreich, kann das Team von Pat Cortina Tabellenplatz neun toppen.

DK

Alexander Petri