Niederlauterbach
"Bühne frei" und "Film ab"

22.04.2011 | Stand 03.12.2020, 2:54 Uhr

Da bleibt es nicht bei einer Flasche Bier: Bis der Werbefilm mit dem Gerstlbräu (links, Wolfgang Breitner) im Kasten ist, braucht es mehrere Anläufe – zur allgemeinen Erheiterung des Publikums. - Foto: Rebl

Niederlauterbach (reb) Als "besonders aufdringlicher und hartnäckiger Mensch, der einen nicht in Ruhe lässt", ist im Wörterbuch die "G’wandlaus" umschrieben. Wie es ist, wenn einem eine solche im Nacken sitzt, davon kann der Gerstlinger – Hauptperson im diesjährigen Stück der Theatergruppe Niederlauterbach unter Regie von Christian Forsthofer – ein Lied singen.

Als Bräu, Abgeordneter und Forstwart ist der Gerstlinger (gespielt von Wolfgang Breitner) ein honoriger Mann und steckt mit seiner Frau Emmerenz (Anita Pauly) mitten in den Vorbereitungen für das 100-Jährige seiner Brauerei.

Während Braumeisterin Mareis (Agnes Bauer) damit beschäftigt ist, den Jubiläumsbock zu brauen, hofft so manch anderer, dass der Bräu zu dem Fest die Spendierhosen anhat: Hochwürden Nepomuk (Axel Meier) spekuliert auf eine neue Kirchenglocke, der Waxi (Tobias Egerer) auf Freibier und eine neue Pumpe für die Feuerwehr und sogar die Hopfenbäuerin Theres (Brigitte Pauly) will Profit aus der Feier schlagen. Auch ein medienwirksamer Jubiläumsspruch ist noch nicht gefunden, den der Bräu im Werbefilm von Liesel Haslblatt (Marion Widl) zum Besten geben soll.

Denkbar ungünstig kommt da das plötzliche Auftauchen der "G’wandlaus": Veithl Fuchsauser (Andreas Breitner) konfrontiert den Bräu mit der dunklen Vergangenheit seiner Familie. Unter den "bluatsmassig Verwandten" Gerstlingers soll gar ein Mörder gewesen sein – eine Katastrophe für den Ehrenmann, der um Amt und Würden bangt. Was hinter der Geschichte steckt, kommt Stück für Stück ans Licht. Nur so viel sei verraten: Die Liebe hat wieder mal ihre Finger im Spiel – und eine zwielichtige Gestalt namens "Federb’schiss" (Markus Meier).

Auf ganz neues Terrain hat sich die Theatergruppe heuer übrigens begeben: Statt der üblichen drei Akte gibt es dieses Mal nur zwei, dafür zusätzlich eine kurze Eingangsszene und einen wunderbar gemachten Film, der die Vorgeschichte erzählt. In schwarz-weiß versteht sich, also richtig im "Retro-Look", gemacht von Wolfgang Bauer. Zum eingespielten Team vor, unter und hinter der Bühne – besonders hervorzuheben ist Wolfgang Breitner mit unvergleichlicher Mimik – kommen die vielen zeitgemäßen Requisiten, die für "Die G’wandlaus" aufgestöbert werden mussten. Die Lauterbacher werden ihrem Ruf gerecht: Das Stück ist wieder einmal etwas ganz Besonderes.

Am Ostersonntag ist übrigens eine Vorstellung speziell für Kinder und Senioren (ohne Vorverkauf): Der Vorhang im Reich-Saal geht dazu um 14 Uhr auf (Einlass ab 13 Uhr).