"Berührtes Land"

Spannende Kunst zu Agrikultur im Bauerngerätemuseum Hundszell

25.09.2020 | Stand 02.12.2020, 10:29 Uhr
Landschaftsmalerei mit Frauenakt modern: Das Blue-Riders-Production-Video "Berührtes Land" in der neuen Ausstellung im Bauerngerätemuseum Hundszell. −Foto: Blue Riders Production

Ingolstadt - "Kaum ein gesellschaftliches Thema findet so starken Widerhall wie der immer deutlicher sichtbar werdende Klimawandel", schreibt Werner Kapfer, 1. Vorsitzender des BBK Oberbayern Nord und Ingolstadt im Katalog zur Ausstellung "Berührtes Land, Agrikultur in der zeitgenössischen Sicht", die am Sonntag um 11 Uhr in der Veranstaltungshalle des Bauerngerätemuseums Hundszell eröffnet wird.

Der Leiter des Bauerngerätemuseums, Maximilian Böhm, ergänzt, dass dieses Thema unmittelbar die Landwirtschaft, die Agri- oder Agrarkultur, betrifft, die Landwirte sich oft nicht mehr verstanden fühlen, immer mehr von ihnen deshalb aufgeben. Öko-Landwirtschaft dafür in den Fokus rückt.

Urbarmachung und Landschaft /Natur sind seit dem 18. Jahrhundert Thema der Malerei. Deshalb gab es seit 1995 in diesem Museum der Agrarkultur die Verbindung zur "Hochkultur" mit Konzerten, Lesungen und Bildender Kunst. Nun also die vom BBK Oberbayern Nord und Ingolstadt kuratierte Schau. 27 Künstlerinnen und Künstlern aus ganz Bayern setzen sich von Malerei, Foto- und Objektkunst bis zur Video-Performance mit dem Thema auseinander. Sinnlich, emotional, kritisch, nie plakativ-agitierend, nachdenklich stimmend, witzig-hintersinnig, mit kühler Eleganz, in Farben schwelgend, künstlerisch raffiniert verblüffend. Und die kluge Hängung trägt ihr Ihriges dazu bei, dass sich Horizonte öffnen.

Da erklingt die Sarabande aus Bachs Cellosuite Nr. 5 c-Moll im Video. Musiker Alexander Suleiman sitzt wie in einem Stillleben in der Natur, sein Kopf ist verborgen hinter blauen Wasserflammen, die gen Himmel flackern. Ein Frauenakt verharrt auf Moos und Gräsern, im Hintergrund steht ein Haus merkwürdig ohne Fenster und Türen. Das Konzept für das Video "Berührtes Land" hat Susanne Pohl entwickelt, das Video Stefan Wanzl-Lawrence realisiert. Sechs Musikstücke hat Suleiman während des Lockdowns im Frühjahr auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Kreut bei Neuburg/Donau eingespielt. Heute ist das ein Naturschutzgebiet - deshalb das Haus ohne Innenleben. "Die anderen Videos sind in Eichstätt zu sehen", sagt Wanzl-Lawrence.

Nebenan zeigt Thomas Neumaiers "Hakenstempel Natur", der "Forkenschuh" und die in Grubbern endenden Walking-Stöcke, wie sich der Mensch des Landes bemächtigt - in der Landwirtschaft, in der Freizeit. Im Hintergrund ist das Kratzen einer Hacke aus der "Ode an die Unkrautbekämpfung: Zuckerrübe" (Katharina Velt ) zu hören. Video und Fotografie zeigen die Entwicklungsstufen der Landwirtschaft von manueller Arbeit, zu maschinellem Giftsprühen bis zum mechanischen Entfernen des Unkrauts durch eine robotergesteuerte Maschine. Den Streit um die Massentierhaltung hat Fredrick Lindquist mit seinem Holzschnitt "Konferenz der Tierhalter" aufgenommen. Katharina Velts circa 700 rosa Origami-Schweinchen baumeln in einem Drahtgestell.

Wie verändert die industrialisierte Landwirtschaft das Land, wie die Menschen? "Land im Umbruch" titelt Dagmar Hummel und zeigt, was nach drohendem Starkregen bleibt. Wanzl-Lawrence erzählt mit "Transit", wie Felder zugunsten von Sportplätzen und Stromtrassen verschwinden. Während Elisabeth A. Jung farbkräftig die Landflucht mit "Bauer sucht Frau - a day out" und die Soap persifliert. Kunst in Bestform. Relevant. Innovativ.

DK

27. September (ab 12 Uhr) bis 25. Oktober, Bauerngerätemuseum Hundszell, Di-Fr 9-12 Uhr So/Fei 14-17 Uhr.

Barbara Fröhlich