Vor 50 Jahren

Beilngries auf dem Weg zur Gebietsreform

Volksabstimmung in Beilngries vor genau 50 Jahren - "Klare Mehrheit für Region Ingolstadt"

21.08.2021 | Stand 27.08.2021, 3:33 Uhr
Einst Zentrum eines Landkreises, jetzt der Mittelpunkt der Großgemeinde - Beilngries hat vor 50 Jahren (nicht ganz freiwillig) einen bedeutenden Wandel vollzogen. −Foto: F. Rieger

Beilngries - Genau 50 Jahre ist es nun her, dass die Bürger in Beilngries zu einer inhaltlich sehr bedeutsamen Volksabstimmung aufgerufen waren. Es ging um die Frage, welcher Region man sich im Zuge der bevorstehenden Gebietsreform zuwenden möchte. Und auch, wenn diese Abstimmung am 22. August 1971 keinen bindenden Charakter hatte, so zeichnete sie doch den weiteren Beilngrieser Weg vor: Die Tendenz ging in Richtung Ingolstadt. Ein Blick in das DK-Archiv.

Für die jüngeren Generationen ist es selbstverständlich: Beilngries ist eine Großgemeinde, die dem Landkreis Eichstätt im Regierungsbezirk Oberbayern angehört - und die sich insgesamt der Region Ingolstadt deutlich stärker zugehörig fühlt als dem Raum Neumarkt oder gar Regensburg. Ältere Gemeindebürger erinnern sich aber nur zu gut an Zeiten, als die Sachlage noch eine ganz andere war. Ein knappes halbes Jahrhundert ist es nun her, dass Beilngries im Zuge der Gebietsreform seinen Status als Landkreis verlor - eine einschneidende Entwicklung, an deren Meilensteine und Folgen noch so manches Mal zu erinnern sein wird.

Ein solcher Meilenstein war rückblickend der 22. August 1971. Genau wie diesmal, exakt 50 Jahre später, war es auch damals ein Sonntag. Die Bürger im Landkreis Beilngries waren zu einer "Volksabstimmung" aufgerufen, um ihre Präferenz kundzutun, wohin man sich künftig wenden sollte. Wie bei so vielem zur damaligen Zeit herrschte auch auf dieser Strukturebene noch Unklarheit, wie eine neue Einteilung aussehen könnte. Und so konnten die Bürger in Beilngries und den umliegenden Gemeinden ihr Kreuzchen für eine Region Regensburg oder eine Region Ingolstadt machen, als potenzielle Kreissitze wurden Ingolstadt, Neumarkt und Eichstätt aufgelistet. Um diese Fragen der grundlegenden Ausrichtung war in den Vormonaten eine heiße Diskussion entbrannt - es waren Zeiten, in denen landauf, landab um attraktive Städte und Gemeinden geworben wurde und in denen sich dann vor Ort die Frage stellte, mit welchen künftigen Strukturen man wohl am besten fahren würde. Es waren Fragen, die freilich nicht nur die Politiker umtrieben, sondern beispielsweise auch führende Kräfte aus der regionalen Wirtschaft. Nicht zufällig feiert der Beilngrieser Touristikverband heuer sein 50-jähriges Bestehen. Man hatte das Potenzial erkannt, dass der Fremdenverkehr bieten könnte - um den Verlust wichtiger Ämter und Kreiseinrichtungen ansatzweise zu kompensieren.

Zur Frage, wohin sich die neu entstehende Großgemeinde Beilngries nun wenden sollte, wenn die Gebietsreform erst einmal vollständig zur Umsetzung kommt, wurde im November 1970 eine "Denkschrift zur Regionalplanung für den Anschluss an Ingolstadt" verfasst und an Ministerien sowie Behörden versandt. Unterzeichner waren Georg Gietl, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes in Beilngries, Max Brand, unter anderem Vizepräsident des deutschen Getreide-, Dünge- und Futtermittelhandels, Konrad Herrmann, Kaplan für die katholische Beilngrieser Jugend, und Oswald Bauer, damaliger dritter Bürgermeister, wie im DK-Archiv nachzulesen ist. Man sprach sich in dem Papier vehement für eine Ausrichtung gen Süden, also nach Ingolstadt, aus. Verwiesen wurde unter anderem auf die dort erblühende Automobilbranche, die schon jetzt viele Pendler aus dem Raum Beilngries anziehe. Zudem fürchtete man, bei einem Anschluss an eine Region Amberg, von der damals noch die Rede war, in Sachen Tourismus den Kontakt zum erfolgsversprechenden Altmühltal zu verlieren.

Und so wurde munter weiterdebattiert, in der Gesellschaft ebenso wie in Verbänden und Gremien. Am 22. August 1971 fand schließlich die nicht bindende Volksabstimmung statt, die ein Meinungsbild liefern sollte. Die Überschrift unserer Zeitung lautete im Nachgang: "Klare Mehrheit für Region Ingolstadt!" Diese Bilanz bezog sich auf das Ergebnis in der Stadt Beilngries, in anderen Teilen des noch existierenden Landkreises fiel das Votum teils auch eher für Regensburg/Neumarkt aus. In Beilngries selbst jedenfalls standen 450 Stimmen für die Region Ingolstadt nur knapp 100 Stimmen für einen Anschluss an die Region Regensburg gegenüber. Hinsichtlich des künftigen Kreissitzes war das Stimmungsbild hingegen differenzierter: Gut die Hälfte der Beilngrieser "Wähler" sah hier Ingolstadt vorne, etwa ein Drittel Neumarkt - und Eichstätt landete nur auf dem dritten Rang.

Bis dann tatsächlich Nägel mit Köpfen gemacht wurden und der Weg für einen Teil des vormaligen Landkreises Beilngries, nämlich die jetzige Großgemeinde Beilngries, in einen Landkreis Eichstätt mit engem Bezug zur Region Ingolstadt feststand, sollten nach dieser Abstimmung noch viele Beratungen und Debatten folgen. Die Meinung der Beilngrieser Bürger, was den künftigen regionalen Schwerpunkt anging, war vor genau 50 Jahren aber deutlich geworden.

DK

Fabian Rieger