München

Auf der Jagd nach zahlenden Besuchern

22.02.2015 | Stand 02.12.2020, 21:37 Uhr
Die riesigen Zeltdächer der Olympia-Sportanlagen zählen längst zu Münchens Wahrzeichen. Doch der Unterhalt verschlingt Millionen, die erst einmal erwirtschaftet werden müssen. −Foto: Oppenheimer

München (DK) Das Jahr hat nicht gut begonnen für den Münchner Olympiapark. Am Neujahrstag lagen die Hügel rund um den Olympiaturm unter einer kniehohen Schneedecke, auch von den markanten Zeltdächern glitzerte es weiß herab. Perfekte Bedingungen also für die Skifahrer, die an diesem Tag beim Weltcup-Slalom am Olympiaberg starten sollten. Eigentlich. Doch schon zwei Wochen zuvor hatten die Veranstalter das Rennen abgesagt. Die Begründung: milde Temperaturen und Schneemangel.

„Sehr schmerzlich“ sei diese Absage, räumte Olympiapark-Chef Arno Hartung damals ein. Zumal das Wetter den Münchnern schon öfter übel mitgespielt hatte: In den vergangenen fünf Jahren konnte das Skirennen nur zweimal stattfinden. Dennoch hat die Olympiapark GmbH soeben beschlossen, dass sie den Vertrag mit dem Ski-Weltverband FIS um fünf Jahre verlängern will. „Es gibt aber Überlegungen, das Rennen auf Ende Januar, Anfang Februar zu verschieben“, verrät Hartung. „Zu dieser Zeit sind die Chancen größer, dass das Wetter mitspielt.“ Den Weltcup ganz streichen will er keinesfalls, auch wegen der „sehr hohen medialen Präsenz“. Denn das ist für den Olympiapark wichtig in einer Zeit, in der seine Silhouette schon lange nicht mehr Woche für Woche in der Sportschau auftaucht.

Rückblick: Im Mai 2005 bestreitet der FC Bayern München sein letztes Heimspiel im Olympiastadion. Schon zu diesem Zeitpunkt steht im Norden der Stadt ein neuer Fußballtempel bereit: die Allianz-Arena, wo seither beide Münchner Profi-Klubs ihre Partien austragen. Für den Olympiapark bedeutet das: Pro Jahr fehlen plötzlich bis zu 1,8 Millionen Besucher – und vor allem das Geld, das sie Spieltag für Spieltag auf dem Gelände lassen. „Das war eine einfache Geschichte“, sagt Hartung. „Wir sperren am Samstag um 13 Uhr das Stadion auf, die Leute kommen, wir halten die Hand auf und kassieren.“

Fortan ist die Olympiapark GmbH bemüht, neue Publikumsmagneten zu schaffen. Oft erfolgreich, wie beim Sea-Life-Aquarium, das 2006 eröffnet wurde und jährlich rund 350 000 Besucher anzieht, oder dem vierwöchigen Sommerfest „impark“ (400 000 Besucher). Manches geht aber auch nach hinten los. Etwa die Showrennen des Deutschen Tourenwagen Masters, die auch wegen Anwohnerprotesten schnell wieder gestrichen wurden.

Bis heute bleibt der Olympiapark hinter den Besucherzahlen der Fußballzeit zurück, als jährlich fünf Millionen zahlende Gäste kamen. Doch immerhin: Im Vorjahr strömten 4,2 Millionen Menschen auf das Gelände – nicht zuletzt dank Großveranstaltungen wie dem Süddeutschen Kirchentag, diversen Public Viewings zur Fußball-WM sowie den Konzerten in Olympiastadion und Olympiahalle. Letztere sind laut Arno Hartung „die Veranstaltungen, die uns das große Geld bringen“. So auch heuer, wenn Größen wie AC/DC oder Helene Fischer auftreten. Dazu kommt Ende Mai erstmals ein dreitägiges Festival: das Rockavaria mit 70 Bands, von Metallica bis Kiss.

Damit der Olympiapark auch weiter den ganz großen Stars eine Bühne bieten kann, soll das Olympiastadion saniert werden. Das hat der Stadtrat unlängst entschieden und dafür rund 80 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Im Zuge der Sanierung, die frühestens 2018 beginnt, sollen auch der Fußballrasen sowie die Leichtathletikbahn wiederhergestellt werden. Einer Rückkehr des TSV 1860 München ins Olympiastadion steht Arno Hartung dennoch skeptisch gegenüber. Anders sieht es bei der Leichtathletik aus: „Das ist nach der Sanierung sicher ein Thema“, sagt der Olympiapark-Chef. Zudem liebäugele man schon länger mit einem Biathlon-Rennen, „und derzeit sind wir an einem großen Rugby-Turnier dran“, so Hartung.

Mindestens ebenso wichtig wie die Stadionsanierung ist für den Olympiapark ein weiteres Projekt, das der Stadtrat ebenfalls genehmigt hat: der Bau einer neuen Eishockey- und Basketballhalle für 10 000 Zuschauer. Dabei tritt Red Bull – Sponsor des Münchner Eishockeyklubs – als Investor auf. Der Getränkekonzern finanziert den Bau der Arena, in die sich dann auch die Basketballer des FC Bayern einmieten. „Das Engagement von Red Bull ist für München ein Geschenk“, betont Olympiapark-Chef Hartung. Bereits im April soll der Abriss des Radstadions beginnen, um Platz zu machen für die neue Halle. Red Bull visiert als Eröffnungstermin die Saison 2018/19 an.

Was dann an die Stelle des jetzigen Eisstadions kommt, ist laut Hartung noch offen. An Ideen mangelt es freilich nicht: Die einen wollen dort ein Hotel, die anderen ein Musicaltheater. Sogar als Standort für einen neuen Konzertsaal war das Gelände im Gespräch. „Eine reine Sporthalle braucht es vermutlich nicht“, sagt Hartung. „Ich könnte mir eher vorstellen, dass es in Richtung Musik geht.“