Wolnzach
"Als Unternehmer gegen die Krise kämpfen"

Linner Elektronik GmbH produziert nun Gesichtsmasken - in Kooperation mit zwei Firmen aus der Region

14.04.2020 | Stand 23.09.2023, 11:36 Uhr |
  −Foto: Rebl

Wolnzach - "Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal eine Näherei habe.

 

" In der Corona-Pandemie geht der Wolnzacher Unternehmer Ludwig Linner neue Wege: Seit Dienstag werden in der Elektronik-Tochter der Linner-Gruppe in Wolnzach Gesichtsmasken produziert. In Zusammenarbeit mit den beiden Firmen Symto aus Burgheim bei Neuburg und Reg10 aus Pfaffenhofen will man Maskenproduktion "in sehr großem Stil" betreiben, so Linner. Ziel sei es, an den drei Standorten täglich bis zu 200000 Mund- und Nasenmasken herzustellen.

Am Sonntag vor einer Woche entstand die Idee für eine Produktion in Wolnzach, am Gründonnerstag wurden die Nähmaschinen angeliefert, an diesem Dienstag die Herstellung in den Räumen der Lehrwerkstatt an der Ingolstädter Straße gestartet. Eine "Hauruck-Unternehmeraktion" nennt Ludwig Linner das Projekt, das auch gleichzeitig neue Perspektiven für die Firma bietet. Denn auch die Linner Elektronik GmbH - sie ist eines von insgesamt drei Linner-Unternehmen - hat mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage zu kämpfen. Das Unternehmen stellt Prüf- und Messequipment im Bereich der Automobilindustrie her. Wegen der schon länger andauernden Automobil- und nun der aktuellen Coronakrise sei die Auftragslage "mäßig", so Linner. Einige Bereiche des Unternehmens - insgesamt beschäftigt der Familienbetrieb in Wolnzach rund 240 Mitarbeiter - seien von Kurzarbeit betroffen. Auch für die Linner Elektronik GmbH habe man die Kurzarbeit genutzt, "denn ich will meine Leute langfristig behalten", so Ludwig Linner. Die Anfrage der beiden befreundeten Unternehmer Arnold Fischer (Firma Symto) und Erik Duckstein (Firma Reg10), ob er Kapazitäten frei habe, stieß bei Linner in der momentanen Situation deshalb auf offene Ohren. So könne man "aus der Not eine Tugend machen", sagt der Wolnzacher, der zusammen mit seinen beiden Geschwistern Katharina und Lorenz das Familienunternehmen führt, das 1978 von Vater Gerhard Linner als Linner GmbH Werkzeugfabrik gegründet wurde. Nun werde man kurzfristig artfremde Produkte produzieren - "Produkte, die es eben im Moment braucht". Auf diese Weise könnte man "als Unternehmer gegen die Krise kämpfen", auch im Sinne von Nachhaltigkeit und Regionalität, sagt er.

Dass die Mitarbeiter sofort mitzogen und auch zu Schichtarbeit bereit waren, begeistert Ludwig Linner. Innerhalb von nur zwei Stunden habe man eine zweischichtige Auslastung auf die Beine stellen können, bestätigt Florian Mayr als Leiter der Linner Elektronik GmbH. Nur so könne man das alles stemmen, so Linner. "Ich selbst bin ja nur der Ideengeber, aber die Mannschaft macht es", sagt er. Ein glücklicher Umstand sei auch, dass unter den Mitarbeiterinnen zwei gelernte Näherinnen sind.

 

Vorerst wird in Wolnzach mit vier Nähmaschinen und acht bis zehn Personen gearbeitet, eine Aufstockung ist laut Linner aber denkbar. Nachdem an den Osterfeiertagen alles vorbereitet worden war, gestaltete sich der Start am Dienstag "besser als befürchtet", so das erste Fazit. Natürlich laufe wie erwartet manches noch ein wenig holprig, die einzelnen Arbeitsgänge müsse man sich erst antrainieren. 3000 bis 4000 Masken pro Tag sollten laut Linner im Moment für die Produktion in Wolnzach ein "erreichbares Ziel" sein. Was derzeit hergestellt wird, sind Mund- und Nasenmasken aus Baumwoll-Polyester-Mischfaser, die bis 90 Grad waschbar und damit wiederverwendbar sind. Mit dieser Maske ist die Burgheimer Reinigungsfirma Symto bereits vor einiger Zeit an den Markt gegangen. Es ist kein medizinisches Produkt, laut Firmeninhaber Arnold Fischer aber als Behelfsmaske eine sinnvolle Alternative, um Tröpfcheninfektion zu verhindern, vor allem im Sinne des Fremdschutzes.

10000 dieser Masken der Firma Symto hat auch die Gemeinde Wolnzach bestellt, ein erster Teil davon ist bereits geliefert, knapp 2000 Stück wurden am Karsamstag kostenlos an die Bürger verteilt. Dass das Wolnzacher Unternehmen Linner nun mit Symto und Reg10 zusammenarbeitet, begrüßte Bürgermeister Jens Machold (CSU), als er die erste Masken-Lieferung entgegennahm - in den Räumen der Firma Linner, in denen nun ebenfalls dieses Krisenprodukt hergestellt wird. "Die Firmen sind sich ihrer Verantwortung bewusst", sagte Machold. Dass die Mitarbeiter mitziehen, spreche für eine gute Unternehmenskultur. Als Bürgermeister sei es im momentanen "Kampf um Masken" schön zu wissen, "dass vor Ort ein Qualitätsprodukt hergestellt wird". Die Gemeinde sei froh, dass ein erster Schwung an Masken verteilt werden konnte - in der Hoffnung, dass sie auch verwendet werden, "aus Respekt vor den anderen", wie Machold sagte.

Diese Notwendigkeit betonte auch der Wolnzacher Arzt Peter Korzinek, der bei der Maskenbeschaffung die Kontakte hergestellt hatte und bei der Übergabe dabei war. Mit dem Tragen von Masken kann in seinen Augen viel bewirkt werden, da man andere vor einer Infektion schützen könne. Besonders sinnvoll sei der Einsatz bei Erkrankten und Menschen mit Symptomen, die auf ihr Testergebnis warten, so Korzinek.

Bei der Herstellung eines Produkts, das im Moment "Mangelware" ist, wollen die drei Unternehmer Ludwig Linner, Erik Duckstein und Arnold Fischer an ihren Standorten in Wolnzach, Pfaffenhofen und Burgheim nun "Gas geben". Sollte die Maskenpflicht kommen, werde eine Versorgung umso wichtiger sein. Neben den wiederverwendbaren Stoffmasken planen die drei Firmen die Produktion von Einwegmasken, eine entsprechende Maschine ist bestellt, heißt es. Zudem arbeite man an weiteren Modellen von Masken mit zertifizierten Stoffen.

WZ

Katrin Rebl