Krise zum 60. Geburtstag
Daniel Pietta vom ERC Ingolstadt: „Müssen ein bisschen tougher sein“ – Sonntag kommt Mannheim

13.01.2024 | Stand 13.01.2024, 12:23 Uhr |

ERC-Stürmer Daniel Pietta gelang in den vergangenen zehn Spielen nur eine Vorlage – trotzdem ist er mit 23 Punkten zweitbester Scorer. Foto: Imago Images

Nach der 2:3-Niederlage bei den Löwen Frankfurt am Donnerstag ist Vizemeister ERC Ingolstadt endgültig zurück in der Krise: Fünf der jüngsten sechs Panther-Partien in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gingen glatt verloren.



Und ausgerechnet an diesem Sonntag (16.30 Uhr/Saturn-Arena) beginnt mit dem Heimspiel gegen die Adler Mannheim die große Jubiläumswoche, in der der 60. Jahrestag der Vereinsgründung gefeiert werden soll. Krise zum Jubiläum – da war doch was? Vor zehn Jahren, zum 50. Geburtstag, vergeigte der ERC das Jubiläumsspiel gegen Düsseldorf mit 1:3, zwei Tage später folgte eine 1:7-Klatsche in Augsburg. Damals hatten die Panther nach 37 Saisonspielen 57 Punkte auf dem Konto, diesmal sind es nur 55. Damals wurde der ERC trotzdem sensationell Deutscher Meister. Und diesmal? Stürmer Daniel Pietta (37) hätte nichts gegen eine Wiederholung.

Herr Pietta, warum steckt der ERC wieder in der Krise?

Daniel Pietta: Wir schießen aktuell wenige Tore, außerdem schießen wir uns mit individuellen Fehlern immer wieder selber ins Bein. Es ist nicht so, dass wir übermäßig viele Fehler machen, aber wenn, werden sie direkt bestraft. Da müssen wir uns jetzt rauskämpfen. Und vielleicht ein bisschen tougher, härter in den Zweikämpfen sein.

Ähnliches sagte Kevin Maginot beim Magenta-Sport-Interview nach dem ersten Drittel in Frankfurt. Haben Sie zu wenige Leute im Team, die die „Drecksarbeit“ verrichten, speziell wenn Enrico Henriquez und Marko Friedrich fehlen?

Pietta: Ich glaube nicht einmal, dass wir zu wenige haben. Ich glaube, dass wir ein bisschen zu viel außen rum spielen. Dann ist auch manchmal niemand vorm Tor, weil jeder meint, außen mithelfen zu müssen.

Es war zu erwarten, dass die Löwen nach zehn Pleiten in Folge, einem Trainerwechsel und mit zwei Neuen im Team motiviert sein würden. Wie kann es da sein, dass Verteidiger Leon Hüttl nachher sagte, man habe nicht ausreichend dagegengehalten?

Pietta: Ich würde nicht mal sagen, dass wir nicht genügend dagegengehalten haben. Wir strotzen gerade einfach nicht vor Selbstvertrauen. Es fällt uns nicht so leicht, Chancen herauszuspielen.

Es dauerte bis zur 34. Minute, ehe die Löwen die erste Strafe nehmen mussten. Ein Indiz dafür, dass Sie den Gegner kaum in Verlegenheit gebracht haben?

Pietta: Ja, es ist auf jeden Fall ein Indiz dafür, dass man zu wenig läuft und der Gegner gar nicht in die Versuchung kommt, mal eine Strafe nehmen zu müssen.

Trainer Mark French legt viel Wert auf Struktur und Organisation. Ist das taktische Korsett vielleicht ein bisschen zu streng, haben die Spieler zu wenige Freiheiten in der Offensive?

Pietta: Nein, finde ich gar nicht. Meist entstehen die Großchancen aus einer guten Defensive. Wenn man schnell umschaltet, fallen viele Tore. (Trainerlegende, d. Red.) Hans Zach hat mal gesagt, dass in den ersten sieben Sekunden nach der Puckeroberung die meisten Tore fallen, weil der Gegner noch ungeordnet ist. Man trifft häufiger aus Umschaltsituationen, als wenn man sich eine Minute im gegnerischen Drittel festgesetzt hat.

Auch bei Ihnen persönlich lief es zuletzt nicht so gut: In den vergangenen zehn Spielen bereiteten Sie nur einen Treffer vor.

Pietta: Ich hatte letzte Saison am Anfang der Saison eine Phase, in der ich wenige Punkte gesammelt habe. Im Dezember ist es dann auf einmal gelaufen. Dieses Jahr ist es eher umgekehrt, aber ich mache mich nicht verrückt. Ich habe letztens mal meine Plus-Minus-Statistik angeschaut: Irgendwann war ich bei +5, jetzt bei –5. Da habe ich schlucken müssen. Ich bin ehrgeizig genug, um zu sagen, dass ich besser sein muss.

Jetzt steht die Jubiläumswoche zum 60. Geburtstag des Vereins mit drei Heimspielen an, bei denen die Fans Siege feiern wollen. Wie sehr bekommen Sie solche Ereignisse als Spieler mit?

Pietta: Es ist immer schön, bei so etwas dabei zu sein. Man merkt die Stimmung drumherum, das ist etwas Besonderes. 60 Jahre sind eine coole Marke. Natürlich will man den Fans, die die ganze Saison hinter uns stehen, etwas zurückgeben. Aber auch uns selbst. Wenn wir die drei Heimspiele gewinnen, können wir nach vorne blicken, vielleicht noch ein Stück weiter als die Top 6. Das ist unser Ziel.

Der 50. Geburtstag des ERC ging völlig in die Hose, Sportdirektor Jim Boni verließ den Klub – doch wenige Monate später waren die Panther Deutscher Meister.

Pietta: Den Sportdirektor brauchen wir nicht wechseln, wir müssen überhaupt niemanden auswechseln. Aber das Zweite würde ich trotzdem nehmen. Dann wäre ich zufrieden.