Türkei
Trotz erneuter Unterstützung von Mesut Özil: Erdogan droht am Sonntag Wahlniederlage

13.05.2023 | Stand 16.09.2023, 22:11 Uhr |

Im Mai 2018 der Stein des Anstoßes. Jetzt hat sich Mesut Özil wieder an der Seite Erdogans präsentiert. −Foto: dpa

Er hat es wieder getan: Fünf Jahre, nachdem Fußball-Star Mesut Özil das Ende seiner Karriere durch den Post eines Fotos mit Recep Erdogan eingeläutet hat, ist er erneut mit dem türkischen Präsidenten zu sehen. Dem droht bei den Wahlen am Sonntag eine Niederlage.



Auf Twitter postete der frühere DFB-Spieler Özil am Freitagabend ein Foto mit Erdogan, auf dem er strahlend dem gestresst wirkenden Präsidenten die Hand schüttelt. Dazu schreib er auf türkisch: „Wir sind immer bei Ihnen, Herr Präsident!“



Erdogan kann indes jede Unterstützung brauchen. Denn für den seit 20 Jahren regierenden Chef der islamisch-konservativen Partei AKP könnte es am Sonntag eng werden. Sein sozialdemokratischer Widersacher Kilicdaroglu liegt mit seinem Bündnis aus sechs Oppositionsparteien den meisten Umfragen zufolge vorn. Zudem könnte der am Donnerstag erfolgte Rückzug des säkular-nationalistischen Kandidaten und Erdogan-Widersachers Muharrem Ince aus dem Rennen die Chancen der Opposition weiter erhöht haben.

Erdogans Gegenkandidat erhielt Todesdrohungen

Kilicdaroglus Partei CHP teilte unterdessen mit, ihr Kandidat habe Todesdrohungen erhalten und deswegen bei Wahlkampfauftritten am Freitag eine kugelsichere Weste getragen. Während eines ungewöhnlich kurzen Auftritts in Ankara sagte er vor tausenden Anhängern: „Seid Ihr bereit, Demokratie in dieses Land zu bringen? Frieden in dieses Land zu bringen? Ich verspreche Euch, ich bin auch bereit.“

Der Oppositionskandidat hat angekündigt, im Falle seiner Wahl das von Erdogan eingeführte Präsidialsystem abschaffen zu wollen. Unter anderem soll künftig wieder das Parlament den Regierungschef wählen. Dafür müsste die Opposition aber auch die gleichzeitig stattfindende Parlamentswahl gewinnen.

Erdogan hatte bei einem anderen Auftritt in dieser Woche eingeräumt, dass es schwierig für ihn sei, junge Wählerinnen und Wähler zu gewinnen: „Es gibt eine Generation in unserem Land, die keine der Schwierigkeiten erlebt hat, die wir hatten“, sagte er mit Blick auf die Wirtschaftsprobleme der 1990er Jahre. Und da sei es nicht leicht, „dieser neuen Generation unsere Werte zu vermitteln“.

Erdogans Problem ist die Jugend

Zu seiner Prognose zum Wahlausgang befragt, äußerte sich Erdogan, den seine Anhänger wegen seines Charismas bewundern, im Gespräch mit einem TV-Sender ungewohnt verhalten: „Die Wahlurnen werden es uns am Sonntag zeigen.“

Am Sonntag wählt die Türkei einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament. Rund 64,3 Millionen Türkinnen und Türken - darunter sechs Millionen Erstwähler - sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Neuer Präsident wird, wer im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen erringt. Schafft dies keiner der Kandidaten, treten die zwei Bestplatzierten zwei Wochen später in einer Stichwahl gegeneinander an.

− lai/afp