Mediengruppe Bayern exklusiv

Lehrerpräsident Meidinger hält Ende der Isolationspflicht für Schüler für „groben Unfug“

25.11.2022 | Stand 25.11.2022, 8:56 Uhr

Heinz-Peter Meidinger wirft allen Bundesländern vor, die Lernrückstände aus der Pandemie nicht ausreichend behoben zu haben. −Foto: Matthias Balk/dpa

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hat jene Bundesländer scharf kritisiert, die Schülern mit nachgewiesener Corona-Infektion erlauben, mit Maske weiter die Schule zu besuchen.



Meidinger sagte im Interview mit den Zeitungen der Mediengruppe Bayern: „Das halte ich für groben Unfug. Infizierte Kinder werden stigmatisiert, wenn sie als einzige Masken tragen müssen. Auch ist der Schulalltag viel zu dynamisch, um ein andauerndes Maskentragen zu gewährleisten. Deshalb muss für die Schule weiter gelten: Wer Corona hat, bleibt zu hause.“ Meidinger wirft allen Bundesländern zudem vor, die Lernrückstände aus der Pandemie nicht ausreichend behoben zu haben. „Das Bundesprogramm läuft Ende des Jahres aus. Ob es gewirkt hat, wurde bislang nicht richtig überprüft. Die Länder wollen es wohl gar nicht wissen. Die Rückstände sind bei Weitem noch nicht aufgeholt. Wir sind vielleicht auf einem Viertel des Wegs angekommen.“ Meidinger fordert eine Fortsetzung des Programms. „Wir brauchen unbedingt eine Verlängerung des Bundes-Programms. Mindestens 500 Millionen Euro bis ins Schuljahr 2023/24 sind notwendig.“ Generell fordert Meidinger ein Sondervermögen Schule: „Bei der Bildung wäre ein Sondervermögen ganz besonders wichtig. Denn in keinem anderen Bereich ist die Rendite so hoch. Jeder Euro, der in junge Menschen investiert wird, zahlt sich vielfach aus.“
Meidinger fürchtet einen Niveauverlust
Der Lehrer-Präsident warnt auch davor, die in der Pandemie beschlossenen Erleichterungen bei Prüfungen fortzusetzen. Er fürchtet einen Niveauverlust. „Es besteht tatsächlich eine Tendenz der Politik, diese Erleichterungen dauerhaft beizubehalten. Wenn man jetzt die alten Prüfungsstandards wieder einführen würde, fiele es nämlich auf, wie viele Lücken die Schüler noch haben. Das will die Politik nicht. Deshalb befürchte ich eine ständige Verlängerung und einen zunehmenden Niveauverlust. Richtiger wäre, alle Kraft und Geld in das Schließen der Lücken zu investieren.“ Im Hinblick auf den Lehrerversorgung spricht er vom „größten Lehrermangel seit 50 Jahren“. Im Hinblick auf die Beschulungssituation der ukrainischen Flüchtlingskinder sagte er: „Die Personalversorgung ist dramatisch, viel dramatischer als 2015. Zusammen mit der Corona-Krise ist das eigentlich eine Krise zu viel für die Schulen.“

Das ausführliche Interview mit Heinz-Peter Meidinger lesen Sie hier.