Kirche
Kardinal Marx wirbt für mehr Mitbestimmung in der Kirche

20.02.2024 | Stand 21.02.2024, 19:13 Uhr |

Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz - Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, sitzt bei Eröffnung der Deutschen Bischofskonferenz. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich für mehr Mitsprache in der katholischen Kirche ausgesprochen, um zukunftsfähig zu bleiben. Die Kirche brauche auch Demokratie - zwar nicht in dem Sinne staatlicher Institutionen, aber „Mitbestimmung, Mitgestaltung, Einbeziehung aller Charismen, aller Möglichkeiten. Ohne das wird uns die Zukunft nicht geschenkt“, sagte er am Dienstag in Augsburg in einem Gottesdienst beim Treffen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK).

Die Kirche dürfe Freiheitskultur nicht als negative Kultur sehen. Sie müsse in dieser Kultur „anschlussfähig sein, ohne angepasst zu sein“, sagte der Erzbischof von München und Freising weiter.

Die Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe hatte am Montag begonnen - und der Start stand im Schatten eines Briefes aus dem Vatikan, in dem erneut deutliche Bedenken hinsichtlich des Synodalen Wegs in Deutschland geäußert wurden. Eine Abstimmung über den Fortgang des Reformprozesses wurde daraufhin von der Tagesordnung des Treffens genommen.

Der Chef der DBK, der Limburger Bischof Georg Bätzing, warf dem Vatikan daraufhin eine Verzögerungstaktik vor: Man hätte schon längst Gespräche zur Erläuterung der Reformpläne führen wollen. Dass es noch nicht dazu gekommen ist, läge an der Vatikan-Seite. Im Zuge der Reformbemühungen sollte eigentlich den Gläubigen aus den Gemeinden mehr Mitsprache eingeräumt werden.

Kirche und Gesellschaft könnten nie abgegrenzt voneinander betrachtet werden, sagte Marx in seiner Predigt weiter. Es gebe keine klaren Trennlinien - hier die Kirche, da die Gesellschaft. „Das ist Unsinn, es ist immer alles beisammen.“ In der Geschichte der Kirche habe es schon immer ein intensives Wechselverhältnis gegeben. Die antike Welt sei christianisiert worden, aber das Christentum auch hellenisiert und romanisiert worden. Glaube und Kultur stünden in Wechselbeziehungen: „Wir empfangen auch, was in der Kultur mitgebracht wird.“ In der heutigen Zeit müsse die Kirche auf der Seite der Freiheit stehen, nicht jedoch bei autoritären Regimen, bekräftigte Marx.

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