Hilpoltstein

Bierpreis beim Burgfest steigt auf 8,60 Euro

24.06.2022 | Stand 24.06.2022, 16:27 Uhr

Bei der großen Burgfestausschusssitzung stellen sich die Mitglieder des kleinen Burgfestausschusses als eigentliches Organisationsteam zu einem Foto zusammen. Nach den beiden Absagen 2020 und 2021 scharren die Beteiligten schon freudig mit den Hufen. Fotos: Leykamm

Von Jürgen Leykamm

Hilpoltstein – „Früher hat die Mass Bier beim Fest mal 20 Pfennig gekostet – ob wir das heuer hinkriegen?“ So hatte der neue Chef des Hilpoltsteiner Burgfestausschusses, Felix Erbe, während dessen Hauptsitzung am Donnerstagabend erst noch gescherzt. Die Bombe ließ er dann später platzen, als er den diesjährigen Bierpreis von 8,60 Euro verriet. Die Maß Bier kostet damit 1,50 Euro mehr als beim Burgfest 2019. Nach dem ersten Schrecken hatten sich die Versammelten aber auch schnell wieder gefasst. Denn in Zeiten, in denen auch die Festwirte mit immer höheren Kosten zu kämpfen haben, gilt die Anhebung als durchaus verständlich.

Für eine andere Schrecksekunde hatte zu Beginn der großen Burgfestausschusssitzung bereits Bürgermeister Markus Mahl gesorgt. Das beliebte Heimatfest „fällt leider aus“, erklärte der Rathauschef. Was ihm aber trotz aller pandemiebedingter Unabwägbarkeiten niemand abnehmen wollte. Es sei nur „der Witz des Abends gewesen“, bestätigte er selbst. Stattdessen werde das Fest vom 5. bis zum 8. August nach dem Stand der Dinge wie vor der Pandemie stattfinden können. „Also wieder so wie, wir es vermisst haben“, ergänzte Erbe. Die erzwungene Pause sei aber nicht die erste in der 95-jährigen Burgfestgeschichte gewesen, versuchte Erbe das Ungemach der Absagen 2020 und 2021 zu relativieren. Einst habe mal der Krieg und mal das Geld ein Fest verhindert.

Eine ganze Reihe von neuen Burgfest-Organisatoren

Seitens der Stadt kümmert sich zum Neustart der neue Geschäftsleiter Andreas Waldmüller um die Burgfest-Belange, neu mit im Boot ist zudem die stellvertretende Chefin im Amt für Kultur und Tourismus, Mareike Ibinger. Neu formiert hat sich auch der Burgfestausschuss. Gemeinsam mit Kleiderkammerchefin Christina Kronast-Sinabell und Burgfestpfarrer Michael Pfeiffer bildet Erbe das Trio, das die langjährige Ausschussvorsitzende Barbara Billmaier ablöste.

Um verschiedene Alternativen im Falle neuerlicher Pandemiebeschränkungen vorhalten zu können, habe man öfter getagt als in früheren Zeiten, so Erbe. Doch die Phase mit den „zwei Jahren Übergangsprogramm“ scheine nun überwunden. Pfalzgräfin Evelyn Pfeiffer, die übrigens nicht die erste ist, die das Amt über mehrere Jahre innehatte, braucht auch so nicht „als die ewige Gräfin“ in die Annalen einzugehen, wie sie sich selbst erleichtert zeigte.

Von den neuen Impulsen, die der neue Ausschuss liefern will, werde es die ersten Änderungen schon beim Burgfestkränzchen geben. „Wir scharren schon mit dem Hufen“, schwor Burgfestbürgermeister Josef Lerzer in diesem Zusammenhang die Vertreter der Gruppen auf die Wiederkehr des Festes ein, bei dem nicht nur „die Heimat gelebt“ werde, sondern mit dem auch eine große Außenwirkung für die Stadt verbunden sei.

Damit diese noch besser wird, gab die Leiterin des Festspiels, Elisabeth Dietz, einige Tipps: Beim Festzug sei es gut, wenn die Vereine „in einer Reihe gehen, das schaut einfach super aus.“ Buben und Mädchen sollten sich ruhig den beiden Kindergruppen am Anfang und Ende des Zugs anschließen; „Dort werden sie betreut und sind gut aufgehoben.“ Moderne Utensilien wie Handys, Sonnenbrillen oder Flip-Flops hätten bei den Zugteilnehmern nichts zu suchen. „Das gilt für alles, was nicht aus dem 17. Jahrhundert stammt.“ Aber sein auf ihn zugeschnittenes Kostüm aus dem Jahr 2018 „darf ich schon tragen?“, konnte sich Erbe nicht verkneifen.

Kronast-Sinabell verwies auf einen Aktionstag an der Grundschule am Freitag, 22. Juli, mit hoffentlich vielen Burgfestgruppen. Der Tag sei umso wichtiger, als dass nach der langen Pause viele Kinder den Bezug zum Fest verloren hätten oder gar nicht erst in der Lage gewesen seien, einen Bezug zu entwickeln. Da bekräftige die Pandemie einen unguten Trend, der schon vor Corona eingesetzt habe: „Wir haben schon 2019 dutzende Kinderkostüme nicht vergeben können“, erklärte Erbe.

Kleiderkammer bekommt Corona-Folgen zu spüren

In ihrer Funktion als Kleiderkammerchefin erläuterte Christina Kronast-Sinabell, dass etliche der Kostüme einer Änderung bedürfen, da viele Festteilnehmer „die letzten drei Jahre nicht in der gleichen Kleidergröße überstanden haben.“ Die freie Ausleihe erfolge diesmal in digitaler Form übers Internet. Deshalb gilt es, sich bald um das Gewand zu kümmern, denn die Website schließt schon am 1. Juli

Wie Mareike Ibinger bedauerte, bereichert heuer kein Riesenrad den Festplatz. Der angestammte Platz solle aber mit einer anderweitigen Attraktion besetzt werden. Nach Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt gebe es auf dem Festplatz auch keine der drohenden Einschränkungen wegen eines großen, absterbenden Baumes im Bereich der Toiletten, der nicht gefällt werden darf. Hier habe sich ein guter Kompromiss gefunden, damit das Zelt wie gehabt aufgestellt werden kann und zugleich keine Sicherheitsbedenken bestehen.

Erbe selbst mahnte dann, dass die Zusammenkunft am Kreuzwirtskeller nach dem Festzug eigentlich für dessen Teilnehmer gedacht ist. Mit Einladungen an andere solle sich zurückgehalten werden. Beim Besuch der Gräfin bei den Vereinen im Vorfeld des Festes sei es außerdem sinnvoll, nicht ausgerechnet der Hoheit die Aufgabe der Verpflegung mit einer Brotzeit aufzubürden. Worauf sich zahlreiche Gruppen bereiterklärten, den Spieß umzudrehen und künftig selbst für das leibliche Wohl der Gräfin zu sorgen.

Von den Fanfarenbläsern war zu hören, dass sie ihr „Marschtraining vernachlässigt“ haben und sie bzb hoffen, dass ihnen „die Luft nicht zu dünn wird.“ Seitens des THW wurde das Putzen der Kutschen genannt, die diesmal wohl von besonders dicken Staubschichten befreit werden müssen. Die Zahl der Pferde hingegen wurde – nicht zuletzt auf Wunsch der Zugteilnehmer – bewusst reduziert.

Eher traurige Kunde gab es vom Burgspiel: Es findet nämlich heuer nicht statt. Freuen darf man sich dagegen wieder auf das Sautrogrennen am Stadtweiher, wo sich – so der Wunsch aus dem Festausschuss – auch Ältere beteiligen sollten. Ob es da zu einem neuen Dreamteam, bestehend aus Josef Lerzer und dem einstigen Geschäftsleiter der Stadt, Franz Stadler, darf allerdings bezweifelt werden.

HK