Mindelstetten

Mindelstetten feiert zum 50. Mal den Annatag

Anna Schäffers Lebenszeugnis gibt Tausenden Gläubigen auch heute noch Trost und Zuversicht

28.07.2022 | Stand 28.07.2022, 18:09 Uhr

Zum Pontifikalgottesdienst am 50. Annatag ist Weihbischof Josef Graf nach Mindelstetten gekommen. Danach suchte er das Gespräch mit den Gläubigen und segnete die Kinder.

Von Anita Irl

Mindelstetten – Warum wird in Mindelstetten mitten im Sommer ein Gebetstag gefeiert, zu dem jedes Jahr mehrere Tausend Menschen kommen und das seit 50 Jahren – und auch noch in Zeiten steigender Kirchenaustritte und großer Kirchenkrisen? Die Antwort liegt bei der heiligen Anna Schäffer, die mit ihrem Lebenszeugnis auch fast 100 Jahre nach ihrem Tod vielen Menschen Hilfe, Trost und Zuversicht gibt.

Bereits zum Vormittagsgottesdienst füllt sich die Pfarrkirche mit zahlreichen Gläubigen aus nah und fern. Ortspfarrer Josef Schemmerer, der heuer zum ersten Mal als neuer Pfarrer von Mindelstetten für den Annatag verantwortlich war, konnte dazu als Hauptzelebrant und Prediger Monsignore Johann Tauer aus Rimbach begrüßen.

Mit der Frage „auf wen hört die Welt heute?“ und der Antwort „auf Zeugen, die die Liebe Gottes erfahren haben“, rückte Pfarrer Schemmerer gleich zu Beginn das Lebenszeugnis Anna Schäffers in den Blick der Gottesdienstbesucher. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass seit der Umbettung der Gebeine vor 50 Jahren die jährlichen Anna-Schäffer-Gebetstage gefeiert werden.

Johann Tauer brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass er an diesem Gebetstag die Messe am Grab der heiligen Anna Schäffer feiern darf, und erzählte dabei von persönlichen Erlebnissen, bei denen er die Hilfe der heiligen Anna hautnah erfahren habe. In seiner Predigt erinnerte er daran, dass Anna Schäffer ihre inneren und äußeren Leiden mit dem Leiden Christi vereinigt hat und dadurch viel Böses wieder gut machen und in Gutes verwandeln konnte.

Nach dem Gottesdienst verweilten die einen Pilger am Grab der Heiligen zum Gebet, während andere die Gelegenheit zur Beichte wahrnahmen. Die Möglichkeiten, das Geburtshaus zu besichtigen oder den Film über das Leben der Heiligen anzuschauen, nutzten viele Besucher.

Auf dem Platz vor dem Pilgerzentrum gab es heuer erstmalig Kaffee und Kuchen gegen einen freiwilligen Obolus; der Erlös wird für gemeinnützige Zwecke gespendet. Bei Kaffee und Kuchen kam man auch ins Gespräch. Dabei berichtete Rosi Dorfner aus Viehhausen bei Regensburg über die Heilung ihrer Tochter. Bei deren Geburt wurde in der Klinik festgestellt, dass ein Hüftkopf nicht vorhanden war. Sogleich nahm ihre Familie Zuflucht zur Anna Schäffer, die damals noch nicht selig- und heiliggesprochen war. Nach einigen Wochen inständigen Gebetes war der Hüftkopf bei einer Folgeuntersuchung auf dem Röntgenbild zu sehen, wie Rosi Dorfner berichtete, und eine Operation war nicht mehr erforderlich. Seitdem nimmt sie regelmäßig an den Gebetstagen teil und kommt auch unter dem Jahr immer wieder nach Mindelstetten.

Das Ehepaar Monika und Anton Spindler aus Steingaden macht momentan Urlaub im Altmühltal. Sie kennen die heilige Anna Schäffer schon lange, waren aber noch nie an ihrem Grab. Da sie aber neben der körperlichen immer auch eine spirituell geistliche Erholung suchen, hatten sie einen Besuch in Mindelstetten eingeplant. Dass sie ausgerechnet am großen Gebetstag hier sein konnten, war für sie Fügung und ein wunderschönes Erlebnis.

Ein besonderes Erlebnis für zahlreiche Pilger war auch die Messe im außerordentlichen Ritus, die der Leiter der Abteilung für Selig- und Heiligsprechung der Diözese Regensburg, Domvikar Georg Schwager, um elf Uhr feierte. Auch die Andacht der Anna-Schäffer-Bruderschaft mit der Möglichkeit zur Einzelreliquiensegnung wurde von vielen gerne angenommen.

Während in den Nachmittagstunden der Strom der Beter am Grab der Heiligen nicht ab riss, machten sich die Mitglieder der Feuerwehr schon daran, auf dem Kirchplatz die Bänke für die abschließende Eucharistiefeier aufzustellen. In den frühen Abendstunden versammelten sich immer mehr Gläubige auf dem Platz vor der Kirche. Kinder und Jugendliche aus der Pfarrei beteten dann zur Einstimmung auf den Pontifikalgottesdienst den Rosenkranzpsalter vor.

Zu diesem konnte der Ortsgeistliche heuer den Regensburger Weihbischof Josef Graf begrüßen. Neben zahlreichen Konzelebranten, dem Dekan des neuen Dekanates Geisenfeld/Pförring, Pfarrer Thomas Zinnecker aus Vohburg, dem Regionaldekan Johannes Hofmann aus Straubing, begrüßte er besonders seinen Vorgänger, Pfarrer in Ruhestand Johann Bauer.

Auch hieß er die Vertreter des öffentlichen Lebens, namentlich Landrat Alexander Anetsberger (CSU) und Bürgermeister Alfred Paulus, die Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine sowie alle Anwesenden herzlich willkommen. Der Weihbischof rief den Gläubigen bei seinen Eröffnungsworten neben dem 50. Jahrestag der Umbettung auch die Heiligsprechung in Erinnerung, die sich heuer zum zehnten Mal jährt. In seiner Predigt erzählte er, wie er als junger Priester gleich nach seiner Weihe für einige Wochen in der damals vakanten Pfarrei Mindelstetten tätig war. Dabei lernte er Anna Schäffer erst so richtig kennen und machte die Erfahrung, dass die Heilige mit ihrem Lebensbeispiel den Gläubigen mehr Trost und Antworten geben konnte, als so manche Professoren.

Der Mindelstettener Kirchenchor – unter Leitung von Wolfgang Schauer und Christina Schmailzl an der Orgel – umrahmte mit der Anna-Schäffer-Messe den Gottesdienst musikalisch. Am Ende des Gottesdienstes bedankte sich Pfarrer Schemmerer bei den Pfarrangehörigen, den vielen freiwilligen Helfern und den Vereinen, die im Vorder- oder Hintergrund zum Gelingen des Gebetstages mitgewirkt haben. Vor dem bischöflichen Schlusssegen spendete der Neupriester Wolfgang Weyer seinen Primizsegen.

Während der Weihbischof auf dem Rückweg zum Pfarrhaus noch die Kinder segnete und mit den Gläubigen ins Gespräch kam, machten sich die zahlreichen Helfer bereits wieder ans Aufräumen.

DK