Paulushofen

„Ein umtriebiger Verein mit großer Bandbreite“

Jubiläums-Feierlichkeiten in Paulushofen: Den Heimatverein gibt es seit einem Vierteljahrhundert

27.06.2022 | Stand 27.06.2022, 18:28 Uhr

25 Jahre Heimatverein Paulushofen: Seit Langem bewegte sich wieder einmal ein Festzug durch das Dorf. Fotos: Patzelt

Von Anton Patzelt

Paulushofen – Seinen 25. Geburtstag hat der Heimatverein Paulushofen am Wochenende groß gefeiert. Besonders freute sich das Vorstandsmitglied Franz Schauer, dass man nach der Corona-Zwangspause wieder einmal einen „richtigen Festzug“ durch das Dorf abhalten konnte.

Die Feierlichkeiten begannen bereits am Samstag auf dem Festgelände beim Feuerwehrhaus mit dem Entzünden des Johannisfeuers. Anschließend wurde auf den Vereinsgeburtstag im Festzelt kräftig angestoßen. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Band „Freunde“. Dass sowohl beim Essen als auch bei den Getränken immer wieder für Nachschub gesorgt werden musste, zeugt vom außerordentlich guten Besuch.

Am Festsonntag trafen sich die Mitglieder des Heimatvereins und die Abordnungen der Vereine aus den umliegenden Ortschaften zum gemeinsamen Gottesdienst in der Pfarrkirche. Auch der Beilngrieser Bürgermeister Helmut Schloderer (BL/FW) nahm daran teil. „Miteinander immer neu beginnen“, hieß es im Eingangslied der Paulushofener Gesangsgruppe CHORios. Während Helga Liebold den Takt vorgab, begleiteten Winfried Siegl auf der Gitarre und Horst Schröder am Keyboard die Sängerinnen und Sänger. Monika Merkl trug die Lesung vor. Angelehnt an den Namen des Jubelvereins legte der Ortsgeistliche Pfarrkurat Edward Kabba seiner Predigt den Begriff „Heimat“ zu Grunde. Die Heimat sei prägend für das gesamte Leben – oft verloren und oft wiedergefunden. Heimat bedeute nicht nur Haus, Wohnung oder Landschaft, sondern auch geistiges und inneres Wohlbefinden. „Es ist ein Platz, wo man Wertschätzung erfährt. Ein Ort, wo wir uns vertraut fühlen und uns anderen Menschen vertraut machen. Heimat ist etwas, das wir von unseren Eltern und Großeltern bekommen haben. Etwas, das nie verloren gehen darf“, so Kabba weiter. Laut dem Ortsgeistlichen gibt der Heimatverein nicht nur Einblicke in die Geschichte, sondern pflegt auch die Tradition und den Umgang der Menschen untereinander. Mit einem kleinen Schmunzeln merkte Kabba an: „Auch ich fühle mich mit der bayerischen Heimat verbunden. Leider kann man meine Lederhose unter dem Messgewand nicht sehen.“ In den Fürbitten betete Merkl auch für alle, die keine Perspektive für ihre Familie in ihrer Heimat sehen und daher flüchten. Ebenso für alle, die ziellos sind und sich heimatlos fühlen. Im Lied der Gruppe CHORios „Heilig ist der Herr“ wechselten sich Frauen- und Männerstimmen harmonisch ab. Die Festmesse endete mit der gemeinsam gesungenen Bayernhymne.

Den anschließenden Zug zum Festplatz führte die Original Altmühltaler Blaskapelle Beilngries unter der Leitung von Peter Zimmer an. Stolz trugen dem Heimatverein die Kinder Franz-Xaver, Anna und Eva Schauer ihr „Taferl“ voran. Gekonnt schwangen die Träger der am Festzug teilnehmenden Vereine ihre Fahnen.

Auf dem Festplatz begrüßte das Vorstandsmitglied Franz Schauer die vielen Besucher und ganz besonders das Ehrenmitglied Pfarrer Markus Harrer. In seiner Festansprache ging Schauer zunächst auf die Fahne näher ein, die die Gründung des Heimatvereins ausgelöst hatte. Ein amerikanischer Offizier hatte sie als Kriegsbeute, in einem Schlafsack eingewickelt, mit in seine Heimat genommen und einige Jahre später wieder zurückgegeben. Laut Schauer hat die Fahne allerdings noch eine deutlich längere Geschichte, die rund 140 Jahre zurückgeht. Bereits im Jahr 1920 kaufte der damalige Kriegerverein Paulushofen die Fahne dem aufgelösten Veteranen- und Kriegerverein St. Johannes in Nürnberg für 450 Mark ab. Die Nürnberger hatten sie vermutlich bereits um das Jahr 1880 anfertigen lassen. „Der Betrag war sehr günstig für eine Fahne dieser Qualität und man hat nur die Daten des Ersten Weltkriegs und den Ort Paulushofen ergänzen müssen“, erläuterte Schauer.

Um die Fahne zu erhalten, sollte ein Verein gegründet werden. „Hier stand ebenfalls ein Krieger- und Soldatenverein zur Debatte. Ich bin aber froh, dass man den Namen Heimatverein wählte. Denn wir sind ein Verein für die ganze Familie, was sich auch in unseren Aktivitäten niederschlägt“, so Schauer weiter. Stolz sei der Verein auch auf seine verschiedenen erschienenen Bücher, wofür sich Schauer besonders bei Heimatpfleger Nikolaus Rieger aus Amtmannsdorf bedankte. Mit über 300 Mitgliedern stehe der Heimatverein „sehr gut da“. Ein Dankeschön galt auch der Fahnenabordnung Helmut Lindner und Christian Liebold, die seit der Vereinsgründung vor 25 Jahren diesen Posten „hervorragend ausfüllen“. Als weiterer Fahnenbegleiter stellte sich Martin Hiebinger zur Verfügung.

Als „umtriebigen Verein mit großer Bandbreite“ bezeichnete Bürgermeister Schloderer den Paulushofener Heimatverein. Als kleines Dankeschön überreichte der Beilngrieser Rathauschef dem Vorstandsmitglied Schauer einen „Zuschuss zum Fest“.

Danach durften sich die vielen Besucher innerhalb und außerhalb des Festzeltes ein kräftiges Mittagessen und gekühlte Getränke schmecken lassen. Für den musikalischen Rahmen sorgte ein weiteres Mal die Original Altmühltaler Blaskapelle Beilngries. Und die Kinder durften sich in einer Hüpfburg so richtig austoben.

DK