Bundesbank-Studie
Vermögen der Menschen in Deutschland auf Rekordstand

05.05.2023 | Stand 05.05.2023, 16:43 Uhr |

Banknoten - Die Privathaushalte in Deutschland verfügten 2021 durchschnittlich über ein Vermögen (netto) von 316.500 Euro, wie aus einer Bundesbank-Studie hervorgeht. - Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

In der Corona-Pandemie waren die Konsummöglichkeiten eingeschränkt. Die Menschen legten mehr Geld auf die hohe Kante. Innerhalb von zehn Jahren wuchs das Vermögen im Schnitt um mehr als 120.000 Euro.

Die Menschen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren einer Studie zufolge im Schnitt ein Rekordvermögen angehäuft. «Insbesondere auch bei Haushalten mit geringem Vermögen gab es relativ zu den vorhandenen Beständen starke Zuwächse», heißt es im aktuellen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank.

«Die Ungleichheit hinsichtlich des Nettovermögens hat sich auch deshalb zwischen 2017 und 2021 leicht reduziert.» Im europäischen Vergleich bleibe das Vermögen aber weiter ungleich verteilt.

Abzüglich Schulden verfügten die Privathaushalte 2021 durchschnittlich über ein Rekordvermögen (netto) von 316.500 Euro, wie aus der Bundesbank-Studie «Private Haushalte und ihre Finanzen» hervorgeht. Das waren 83.600 Euro mehr als bei der Auswertung vier Jahre zuvor, seit 2010/11 kamen gut 121.300 Euro hinzu. Befragt wurden 4119 repräsentativ ausgewählte Haushalte.

Eingeschränkte Konsummöglichkeiten in Corona-Pandemie

Zu dem Vermögensanstieg trug nach Einschätzung der Notenbank auch der Spareifer wegen der eingeschränkten Konsummöglichkeiten in der Corona-Pandemie bei. Gerade das Vermögen der ärmeren Haushalte besteht demnach in erster Linie aus Guthaben auf Sparkonten und anderen risikoarmen Anlageformen. Bei großen Vermögen machen sich vor allem Immobilien- und Unternehmensbesitz bemerkbar.

Weil die Durchschnittswerte stark durch Extremwerte beeinflusst sind, halten die Bundesbank-Experten den sogenannten Medianwert für aussagekräftiger. Er liegt in der Mitte, wenn man die Werte der Größe nach sortiert.

Die Haushalte werden in eine reichere und eine ärmere Hälfte geteilt. Auch der Wert in der Mitte - der Median - stieg deutlich von 70.800 Euro 2017 auf 106.600 Euro im Corona-Jahr 2021. Er ist allerdings weiter geringer als in anderen Ländern, für die vergleichbare Daten vorliegen. In Italien lag der Median zuletzt bei 150.800 Euro und in Spanien bei 122.000 Euro.

«Unter anderem durch die während der Pandemie angefallenen zusätzlichen Sparguthaben hat sich die Vermögensungleichheit, gemessen an relativen Ungleichheitsmaßen, leicht reduziert», schrieb die Notenbank. Wie nachhaltig diese Entwicklung sei, bleibe abzuwarten.

Ungleichheit in Deutschland immer noch ausgeprägt

Aufschluss über das Maß der Vermögensungleichheit gibt den Angaben zufolge unter anderem Verhältnis aus Durchschnittswert und Median. Diese Zahl verringerte sich in Deutschland zuletzt leicht, ist allerdings in Spanien, Italien und Portugal niedriger. Auch der Gini-Koeffizient, ein weiterer Indikator für Ungleichheit, lag in Deutschland trotz eines Rückgangs höher als in Italien und Portugal.

In Europas größter Volkswirtschaft besitzen die reichsten zehn Prozent der Haushalte 56 Prozent des gesamten Nettovermögens. Zehn Jahre zuvor waren es noch 59 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte muss sich mit mageren 3 Prozent begnügen. Um zu den vermögendsten 10 Prozent der Haushalte in Deutschland zu gehören, war 2021 ein Nettovermögen von rund 725.900 Euro nötig.

Die Notenbank hat die Studie zum vierten Mal durchgeführt. Die privaten Haushalte gaben Auskunft über ihr Vermögen: Immobilien und Autos, wertvolle Sammlungen und Schmuck, Guthaben auf Sparkonten, Bausparverträge, Aktien, Lebensversicherungen. Auf der Soll-Seite: Hypotheken, Konsumentenkredite, Kreditkartenschulden, Bafög-Schulden.

Die Umfrage fand zwischen April 2021 und Anfang Januar 2022 statt. Welchen Folgen die Entwicklung seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat - gestiegene Inflation und Zinsen, sinkende Immobilienpreise - lässt sich der Notenbank zufolge derzeit kaum abschätzen.

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