Negativtrend:
Immer weniger Bankautomaten: Geht uns bald das Bargeld aus?

01.03.2023 | Stand 17.09.2023, 1:50 Uhr |

Die Zahl der Geldautomaten in Deutschland sinkt rapide. −F.: Thomas Schulz/dpa-Zentralbild/dpa

Bargeld ist laut einer aktuellen Studie der Europäischen Zentralbank das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel in Geschäften. Doch genau das könnte zum Problem werden, denn die deutschen Banken reduzieren ihre Bankautomaten immer weiter. Die Bundesbank schlägt Alarm: Sie sorgt sich um die Bargeld-Versorgung in Deutschland.



An der Ladenkasse wird nach wie vor am häufigsten mit Bargeld bezahlt – doch elektronische Zahlungen sind auf dem Vormarsch. Das geht aus einer Studie der europäischen Zentralbank hervor. Im Jahr 2019 wurden noch 72 Prozent aller Einkäufe bar bezahlt, im vergangenen Jahr waren es nur noch 59 Prozent.

Zehn Prozent weniger VR-Bank-Geldautomaten

Viele Banken nehmen diesen Rückgang zum Anlass, um ihr Bankautomaten-Netz zusammenzustreichen. Allein in den vergangenen zwei Jahren haben die Volks- und Raiffeisenbanken rund 1800 Geldautomaten abgebaut. Das geht aus Zahlen des Branchenverbands BVR hervor. Deutschlandweit gibt es noch 15.520 Geldautomaten von den Volks- und Raiffeisenbanken. Das ist ein Rückgang von gut zehn Prozent. Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch bei den Sparkassen. Der Marktführer bei den Privatkunden hatte zum Jahresende 2021 noch 21.582 Geldautomaten und damit 1034 weniger als noch zu Jahresbeginn. Zahlen aus dem Jahr 2022 liegen noch nicht vor.

Geldautomatensprengungen sorgen für Abbau

Doch warum gibt es immer weniger Geldautomaten? Der Trend zum Onlinebanking sowie die Tatsache, dass es immer weniger Filialen und Selbstbedienungsstandorte gibt, sind laut Branchenverband BVR die Hauptgründe für den Rückgang. Aber auch die Geldautomatensprengungen tragen einiges zu dieser Entwicklung bei, heißt es vom BVR. Allein im vergangenen Jahr gab es in Deutschland fast 500 Angriffe auf Geldautomaten. Das waren so viele wie noch nie zuvor. Im Januar und Februar 2023 wurden laut Handelsblatt-Recherche bereits 70 Geldautomaten gesprengt, Tendenz steigend. Der deutsche Sparkassen- und Giroverband erklärt in diesem Zusammenhang, dass an Risikostandorten geprüft werde, ob ein Geldautomat durch zusätzliche Schutzmaßnahmen bestehen bleiben kann oder aber, ob ein Abbau notwendig ist. Angesichts dieser Entwicklung warnt die Bundesbank vor Einschränkungen für die Kunden. "Geldausgabeautomaten spielen eine große Rolle für die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Bargeld“, erklärt dazu Prof. Dr. Johannes Beermann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank.

Runder Tisch erarbeitet Präventionsmaßnahmen

Im Herbst haben sich Vertreter von Banken, der Versicherungswirtschaft, der Bundespolizei und des Bundeskriminalamts im Bundesinnenministerium zu einem runden Tisch getroffen. Bei dem Treffen wurden Präventionsmaßnahmen beschlossen. Dazu zählt unter anderem

-der Nachtverschluss von Selbstbedienungs-Foyers zwischen 23 und 6 Uhr
-die verstärkte Videoüberwachung von Bankfilialen sowie
-der Einsatz von Einbruchmeldetechnik und Nebelsystemen
-die Anwendung von Einfärbe- oder Klebesystemen an Banknoten
-die Reduktion des Bargeldhöchstbestandes sowie
-eine vermehrte Sensibilität bei der Auswahl der Geldautomatenstandorte

Sollten diese Maßnahmen binnen eines halben Jahres keine Früchte zeigen, behält sich das Bundesinnenministerium vor, gesetzliche Verpflichtungen einzuführen. Aus Berlin heißt es: „Für den Fall, dass die gemeinsame Erklärung durch die Teilnehmenden des runden Tisches nicht ausreichend umgesetzt wird und sich die Kriminalitätslage nicht nachweislich und im erforderlichen Umfang verbessert, hält das BMI gesetzliche Verpflichtungen für erforderlich“.

Ohne Moos nix los

Ganz ohne Geldautomaten kommen wir in Deutschland nach Einschätzung vieler Experten nicht aus. Darauf weist auch die Bundesbank noch mal eindrücklich hin. Die Möglichkeit, an der Ladenkasse Geld abzuheben, ist eine Ergänzung, nicht aber ein Ersatz. Denn nach Angaben der Bundesbank entfielen 2021 insgesamt 81 Prozent der Abhebungen auf Geldautomaten und elf Prozent auf Bankschalter. Die Ladenkasse, etwa in Supermärkten oder an Tankstellen, kam im gleichen Zeitraum auf gerade mal acht Prozent.