Die Menschen zusammenbringen
Die neuen Integrationsbeauftragten der Gemeinde Wettstetten haben schon viele Pläne

26.04.2024 | Stand 26.04.2024, 19:54 Uhr |

Anna Yevtushenko (links) und Anait Zakian aus der Ukraine wurden vom Gemeinderat zu Integrationsbeauftragten ernannt. Fotos: Gülich

Seit gut zwei Jahren leben Anna Yevtushenko und Anait Zakian in Wettstetten. Wegen des Krieges haben sie im Februar 2022 mit ihren Kindern ihr Heimatland Ukraine verlassen. In seiner Sitzung am Donnerstag ernannte der Wettstettener Gemeinderat die Zahnärztin und die Betriebswirtschaftlerin einstimmig zu Integrationsbeauftragten der Gemeinde. Da die bisherige Integrationsbeauftragte Neda Ghasemi aufgrund ihres Wegzugs für die Aufgabe nicht mehr zur Verfügung stand, hatten sich die beiden Frauen auf Vorschlag von CSU-Gemeinderätin Regine Morich bereit erklärt, die Aufgabe zu übernehmen.

„Sich in die neue Gemeinschaft einfügen und ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln, das ist für uns Integration“, fasste Yevtushenko zusammen. Dass sie das selbst leben, wurde schnell klar: Beide sind in deutschen Gastfamilien zuhause, mit denen sie bei den Wettstettener Veranstaltungen der vergangenen Jahre – von der 1200-Jahr-Feier bis zu den Weihnachtsmärkten und dem 1000-Schritte-Seniorenprogramm – tatkräftig mit angefasst haben.

„Wettstetten ist eine multinationale Gemeinde. Wir möchten gerne, dass die verschiedenen Nationalitäten in Zukunft noch mehr zusammenkommen. Wir planen dazu Kinderaktionen und auch gemeinsames Kochen und Essen“, erläuterte Zakian ihre weiteren Pläne. Bürgermeister Gerd Risch (FW) freute sich über das ehrenamtliche Engagement der beiden: „Wir sind immer dankbar für Vorschläge, die Menschen unserer Gemeinde zusammenbringen“, sagte er. „Bessere Vorbilder als Sie beide können wir nicht bekommen.“

Ja zu Jugendsozialarbeit an der Schule

Der Gemeinderat beschloss außerdem eine 75-prozentige „JaS-Stelle“ (Jugendsozialarbeit an Schulen) für die Wettstettener Grundschule. „Die Jugendsozialarbeit an Schulen stellt eine niederschwellige Jugendhilfe dar und ist die intensivste Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule“, informierte Theresa Burger, Fachbereichsleiterin im Jugendamt Eichstätt, die zusammen mit der Konrektorin der Grundschule, Nina Knietig, an der Sitzung teilnahm.

JaS-Mitarbeiter sind bei freien Trägern der Jugendhilfe angestellt, haben ein Büro in der Schule und sind vor allem für von Benachteiligung bedrohte oder betroffene Kinder da. „Sie sprechen und arbeiten also mit einzelnen Schülern, die Hilfe brauchen“, so Burger. Nach Corona seien besonders viele individuelle Schwierigkeiten und psychische Auffälligkeiten aufgeploppt, die nicht alle von Lehrern aufgefangen werden können. Dazu seien die Wartezeiten für Diagnostik und Therapieplätze lang. Und man habe gemerkt: Man muss früher ansetzen als erst an den weiterführenden Schulen.

Psychische und familäre Problemlagen



Die stellvertretende Schulleiterin Nina Knietig berichtete: „Unsere Schule wird derzeit von 206 Schülerinnen und Schülern in neun Klassen besucht, für das neue Schuljahr 2024/25 erwarten wir 224 in zehn Klassen. Von den derzeitigen Schülern besuchen 50 Prozent den Hort, 30 Prozent haben einen Migrationshintergrund, und zwei kommen mit einer ständigen Schulbegleitung.“ Es gebe psychische, emotionale, soziale und familiäre Problemlagen, zunehmende Gewalt an der Schule und verändertes Sozialverhalten. „In jeder Klasse haben wir zwei bis drei auffällige Kinder“, so Knietig. „Eine solche Sozialarbeiter-Stelle hilft, Eskalationen zu vermeiden, und kann vieles abfangen, was uns sonst hinterher mit viel größerer Wucht trifft“, befanden sowohl Risch als auch Gemeinderäte unterschiedlicher Fraktionen. Allgemeiner Konsens: Das Geld ist gut angelegt. Die Regierung von Oberbayern fördert eine Dreiviertel-JaS-Stelle mit pauschal 12270 Euro im Jahr, den Hauptteil teilen sich Landkreis und Gemeinde (geschätzte Kosten für Wettstetten: 30000 Euro pro Jahr).

Das Gremium erweiterte in der Sitzung am Donnerstag das Gebiet der vorbereitenden Untersuchungen für das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) um einen kleinen Bereich östlich der Schelldorfer Straße. Einstimmig wurde danach der von den Planungsbüros Planwerk Stadtentwicklung und Dömges Architekten vorgelegte 160-seitige Entwurf gebilligt und ein Beschluss zur öffentlichen Auslegung gefasst. Am 7. Mai stellen die Planer gemeinsam mit der Gemeinde Wettstetten von 18.30 bis 20.30 Uhr die Ergebnisse im Bürgersaal vor. Alle Einwohner, von denen sich viele aktiv eingebracht haben, sind zur Versammlung eingeladen.

DK