Ingolstadt: Zauberhafte Show
 
Ingolstadt
Für Jenny Weiss war "heute Abend die Musik mein Highlight", für Daniel Weiss war es "der erste Teil der Show". Nicht nur die Choreografin und der Organisator und Moderator der 15. Eisgala in Ingolstadt – die mit ihrem Produkt stets besonders kritisch umgehen – hatten am Samstagabend ihre eigenen Glanzlichter. Trotz gleichbleibend hohem Niveau kristallisierte sich die eine oder andere Nummer als besonders wertvoll heraus.

Märchenhaft schön

Fotostrecke: Media Markt Eisgala 2010


Ilia Kulik (Russland), Olympiasieger 1998, und die Paarläufer Elena Leonova und Andrei Khvalko (Russland), Profiweltmeister, stachen zum Beispiel hervor. Kulik ("Ja, er war wirklich super", so Jenny Weiss) und die Eltern von zwei Töchtern waren alleine das Eintrittsgeld wert. Bunt, spektakulär, einfallsreich, märchenhaft – hätte die Welt stehen bleiben wollen, sie hätte es jetzt getan. Kulik springt Mehrfachsprünge so sicher wie unsereiner Treppen steigt, Khvalko schleudert seine Frau so knapp über das Eis, dass kein Blatt Papier dazwischen passt. Daher umarmt Leonova nach den Vorstellungen ihren Mann immer besonders herzlich.

Atemberaubende Vorstellungen bot auch die kanadische Flugartistin Emmanuelle Balmori, sicher eine der Besten auf der Welt. Körperbeherrschung, Kraft, Mut, Ausdauer, Schnelligkeit. Dazu stets ein Lächeln auf den Lippen. Spektakulärer geht es nicht.

Lachmuskeln gefordert

Neben dem Sport und der perfekten Musik – Bonfire ganz sanft, Sopranistin Vanessa Calcagno stimmgewaltig und Tom Dice mit Band gefühlvoll – dominierte der Spaß. Jason Graetz, nach einigen Eisgala-Auftritten in der Vergangenheit in Ingolstadt kein Unbekannter, und Vladimir Bessedin mit Alexei Polishchuk, ebenfalls Eisgala-"Rückkehrer", strapazierten die Lachmuskeln. Der Kanadier als Dame mit besonderen Reizen, die Ukrainer als bunte und kurzweilige Kraftpakete.

Eiskunstlauf bedeutet ja oft das Erzählen einer Geschichte. Eine der schönsten zeigten Nelli Zhiganshina und Alexander Gazsi, die amtierenden deutschen Eistanzmeister. Im zweiten Teil der Show faszinierte ihr farbenfroher und herzzerreißender Schmetterlingsfang – Luftakrobatik inklusive.

Begeistert waren nicht nur die Zuschauer. Calcagno, Zweite beim "Supertalent" von RTL, musste sich beim Singen sogar konzentrieren: "Ich habe gedacht: Oh Gott, wenn ich den Künstlern auf dem Eis zuschaue, dann kann ich nicht mehr singen, weil ich so verzaubert bin." Es war nicht so, alles ging gut.

Daniel Weiss war gestern – mit etwas Abstand zur Show – "durchaus zufrieden. Mir ist wichtig, dass es den Zuschauern gefallen hat. Unwichtig ist, welches Gefühl ich habe." Im kommenden Jahr – 18. Dezember – gibt es "eine romantische Weihnachtsshow, in der ein bisschen mehr kleine Geschichten erzählt werden", so Weiss. Am Konzept "Concert On Ice", also Eiskunstlauf und Livemusik, hält Weiss fest: "Das funktioniert nach wie vor."

Der beste Beweis war Denise Biellmann, die Legende des Frauen-Eiskunstlaufs: Fast 48- jährig zeigte die Schweizerin keine Höchstleistungen – von ihren Pirouetten abgesehen. Das Publikum spendete dennoch tosenden Applaus: "Der Zuspruch der Zuschauer in Ingolstadt tat sehr gut. Es war schön zu merken, dass die Menschen es gut finden, was ich auf dem Eis zeige. Das ist ein toller Lohn für das tägliche Training auf dem Eis."

Gerne wiederkommen wollen alle, der Nachwuchs des ERC, die Eistänzer Stefanie Frohberg und Tim Giesen (Berlin), das Team Berlin 1, Serienmeister im Synchron-Eiskunstlauf, die französischen Eistänzer Isabelle Delobel und Olivier Schoenfelder, der tschechische Senkrechtstarter Michal Brezina sowie die amtierenden Eistanz-Europameister Yuko Kavaguti/Alexander Smirnov (Russland). Lassen wir uns überraschen, wer in der Weihnachtsgala 2011 wieder auf dem Eis stehen darf.