Der Bund hat einen Fonds von insgesamt einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Beim vorgesehenen Beitrag der Autoindustrie dafür gibt es weiter eine Finanzlücke. Von Kommunen und aus der Branche kam teils scharfe Kritik an der Bundesregierung.

Nach einem ersten Treffen im September sollen die Kommunen nun eigene Maßnahmen für sauberere Luft vorstellen. Der Bund habe Programme vorbereitet, um die Förderung schnellstmöglich umzusetzen, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Erwartet werden Vertreter von rund 30 Städten und kommunalen Spitzenverbänden. Eingeladen sind außerdem die Regierungschefs der "Autoländer" Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen sowie der stark von Luftverschmutzung betroffenen Stadtstaaten Berlin und Hamburg. Auch mehrere Bundesminister nehmen an dem Treffen im Kanzleramt teil.

Bei kommunalen Projekten könnte es um bessere Angebote im öffentlichen Nahverkehr gehen, um eine schnellere Umstellung auf Elektrofahrzeuge, mehr E-Auto-Ladestellen, Leitsysteme gegen Staus oder neue Radwege. Hintergrund sind mögliche gerichtlich erzwungene Fahrverbote für ältere Diesel - wenn Grenzwerte für den Ausstoß des gesundheitsschädlichen Stickoxids (NOx) anders nicht einzuhalten sind. Politik, Autobranche und Kommunen wollen das vermeiden.

Bei dem geplanten Fonds gebe es weiterhin keine Fortschritte, hieß es aus der Autoindustrie. "Wir kommen nicht voran, das ist ärgerlich", sagte ein Automanager. Es sei noch kein einziger Cent geflossen, es gebe keine Kontonummer, kein Antragsformular, keine Satzung und keinen Beirat, der Projekte beschließen könne. Nötig sei eine Übergangsregelung, damit die Städte mit Maßnahmen anfangen könnten - und sicher sein könnten, dass sie das Geld erstattet bekommen.

"Wir haben keine Zeit, auf den Bundeshaushalt 2018 zu warten. Denn die Grenzwerte für Stickoxid werden in vielen Städten und Regionen vor allem durch die Emissionen von Diesel-Fahrzeugen weiter überschritten", sagte Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, unserer Zeitung.

Anfang August hatten Regierung und Autoindustrie beim ersten Diesel-Gipfel beschlossen, einen Fonds "Nachhaltige Mobilität für die Stadt" aufzulegen. Die Branche hatte zudem neue Software für zusätzliche 2,8 Millionen Autos sowie Prämien für Kunden zugesagt, um den Kauf sauberer Autos anzukurbeln. Umbauten direkt am Motor, die teurer wären, lehnten die Firmen ab. Die Autoindustrie soll sich an dem Fonds mit 250 Millionen Euro beteiligen. Bei der Finanzierung klafft aber weiter eine Lücke. Wie viel die Hersteller zahlen, richtet sich nach Diesel-Marktanteil. Bisher haben aber nur der Volkswagen-Konzern, Mercedes und BMW Zahlungen zugesagt. Den Löwenanteil als Diesel-Branchenprimus zahlt Volkswagen mit rund 100 Millionen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen erfuhr.

Die ausländischen Hersteller weigerten sich weiter. Da ihr Diesel-Marktanteil aber bei rund 35 Prozent liegt, kommen bisher nur rund 160 bis 170 Millionen Euro zusammen. Wie die Lücke geschlossen werden soll, war vorerst unklar.

Zu möglichen Fahrverboten werden wichtige Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts erwartet. Im Februar ist eine mündliche Verhandlung angesetzt über eine Sprungrevision der Landesregierung Nordrhein-Westfalen gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf. Dieses hatte die Bezirksregierung Düsseldorf verurteilt, den Luftreinhalteplan so zu ändern, dass Stickoxid-Grenzwerte eingehalten werden. Eine Sprungrevision läuft auch zu einem Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart. Dieses hatte Fahrverbote als einzige Option angesehen, wie die Grenzwerte beim Stickoxid-Ausstoß eingehalten werden können.