Tiefe des Farbraums: Die Theatergalerie zeigt Werke von Werner Kapfer. - Foto: Rössle
Die Entdeckung des Eigenwertes von Farben ist eine der bedeutendsten Errungenschaften der jüngeren Kunstgeschichte, wodurch Maler wie Mark Rothko oder Yves Klein berühmt geworden sind. Der Ingolstädter Werner Kapfer, an dessen Schaffensbeginn fotorealistische Arbeiten standen, hat sich der reinen Farbe in seiner aktuellen Serie "Die Farbmodule" noch radikaler verschrieben als in seinen bisherigen Werkreihen, die ihn überregional bekannt gemacht haben, etwa "Klangfelder" (1998) und "Horizonte" (2006).

Auf den ersten Blick scheint es sich in der Tat um monochrome rahmenlose Leinwandtafeln zu handeln, die lediglich mit einer Ordnungsnummer bezeichnet sind. Erst bei näherem Hinsehen offenbaren sich lebendige Oberflächen, die meilenweit von industriellem Farbauftrag entfernt sind. Überraschenderweise erkennt man an den Rändern, an denen die graue Grundierung der Leinwand sichtbar bleibt, Spuren mehrerer Acrylfarben. Denn die monochrom scheinenden Tafeln wurden keineswegs nur mit einer einzigen Farbe bemalt, sondern entstanden in Layer-Technik durch Überlagerung lasierender oder deckender Farbschichten unterschiedlicher, nicht selten gegensätzlicher Farbtöne. Die Überlagerung der Layer erzeugen nuancenreiche Farbschleier und Öffnungen in die Tiefe des Farbraumes mit geradezu perspektivischer Wirkung, die den Betrachter unwillkürlich anzieht.

Die zahlreichen Überlagerungen repräsentieren die zeitliche Dimension des Schaffensprozesses, denn für den Maler gerät jede übermalte Schicht zu einem Stück bewältigter Vergangenheit. Schon für ein Gemälde kleineren Formats benötigt Werner Kapfer mehrere Wochen, und der künstlerische Anspruch zeigt sich auch darin, dass dabei jeder Tag protokolliert wird. Zusätzliche Spannung entsteht aus der Art des Farbauftrages mit dem Pinsel und der Lichtbrechung der einzelnen Überlagerungen.

Als virtuoser Blickfang erscheint im vom Tageslicht erhellten Eingangsbereich das Gemälde 34 "Farbmodul blau" in heiterer Festlichkeit. Die architektonische Qualität der gruppenweise aufgehängten Bilder kommt in einer den Ausstellungsraum verwandelnden Wirkung zum Ausdruck.

Erst die Reduktion auf formlose abstrakte Farbfelder ermöglicht deren energetische Wahrnehmung. Es geht eine überwältigende Suggestivkraft von dieser elementaren Energie der Farben aus. Die unterschiedlichen Schwingungen der Farbklänge evozieren ein weites Spektrum assoziativer Emotionen. In kontemplativer Zeitlosigkeit scheinen die Grenzen zur Unendlichkeit aufgebrochen zu sein. Werner Kapfer erweist sich als ein Magier der Farben. Farben, nichts als Farben – aber was für welche!

Geöffnet bis 15. Februar, jeweils Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr in der Theatergalerie.