Ingolstadt: Bis in die höchsten Lagen
Sinn für die farbige Klangsprache der französischen Musik: Das Messina Klarinettentrio gastierte beim Konzertverein. - Foto: Schaffer
Ingolstadt

Die Künstler schafften es, im "Allegro ma non troppo" von Gabriel Faurés Trio in d-Moll die Klänge ihrer Instrumente verschmelzen zu lassen: Als Messina und Perraud auf Klarinette und Cello ihre Motive unisono in einer ähnlichen Lage vorstellten, wirkten sie wie aus einem Guss über den Akkorden des Klaviers schwebend. Diese innige Geschlossenheit ging auch nicht verloren als der Satz an Fahrt aufnahm und Patrick Messina sich in höhere Lagen steigerte, die immer noch rund und geerdet klangen. Auch im zweiten Satz, dem "Andantino", gelang ihm das mühelos bei den gegensätzlichen Motiven, die er und Perraud am Cello wie Girlanden ineinander schlangen. Flinke Finger am Flügel bewies Kouider vor allem in Faurés drittem Satz. In diesem "Allegro vivo" warf sie sich mit Cello und Klarinette tanzartig die Bälle hin und her.

Im Trio in Es-Dur von Jeanne-Louise Farrenc bewiesen die drei Musiker ebenfalls, dass sie in allen Lagen perfekt zusammen intonieren können. Abwechselnd umwarben Klarinette und Cello im ersten Satz Kouiders Motive am Flügel und wetteiferten durch alle Register. Im letzten Satz flammte dieser Wettbewerb im "Allegro" wieder auf, der das Stück zu einem fulminanten Schlusspunkt brachte. Zuvor aber hatten sich Messina und Perraud im langsamen Satz mit eigenen Solo-Motiven freigespielt, bevor sie im "Scherzo Allegro" wieder als Kounterpart des Klavier in einem Frage-Antwort-Spiel zusammenschlossen und sich die Phrasen präzise in die Hand gaben.

Nicht nur zu dritt verschmolzen die Künstler Harmonien blitzsauber, auch zu zweit zauberten sie Perfektion auf die Bühne. Bei Claude Debussys Sonate für Cello und Klavier in d-Moll schaffte Perraud es im langsamen "Prologue" mit spärlichem Vibrato, eine intensive, aber schnörkellose Atmosphäre zu kreieren. Seine farbigen und extrem sauberen Flageoletttöne in hoher Lage ließen den Satz flächig glänzen, während er die "Sérénade" rhythmisch pointiert präsentierte. Kouider passte sich perfekt in seine resoluten Pizzicato-Motive ein, durch die sein Cello an eine Gitarre erinnerte. Mit aufbrausenden Läufen führte der Satz ins Finale der Sonate, in der Perraud mit exakter Bogenführung und imposantem Lagenspiel begeisterte.

Den kompletten Registerumfang der Klarinette zeigte Messina bei einer Sonate von Francis Poulenc. Zusammen mit Kouider am Flügel spielte er sich nicht nur durch alle Lagen, sondern auch durch alle Temperamente: Mit aufgeregten Sechzehntel begann das "Allegro tristamente", konzentrierte sich dann aber auf einen bohrenden Ton den Messina mit flinken Arpeggien umspielte, die ihm wie selbstverständlich aus den Fingern flossen. Die Romanze des zweiten Satzes präsentierten die beiden Musiker klagend. Messina schwang sich in höchste Höhen auf. Im letzten Satz schleuderten Kouider und Messina die Motive feurig ins Publikum, das sich am Ende des Abends zwei Zugaben vom Trio, das alle (Gefühls-)Lagen beherrschte, erklatschte.