Herr Klenk, wie haben sich in der Region die Fallzahlen beim Thema Cyber-Kriminalität entwickelt?

Ingo Klenk: Die Zahlen steigen kontinuierlich. Für das Jahr 2016 erwarten wir einen neuen Höchststand. Die offiziellen Zahlen werden wir in der kommenden Woche veröffentlichen. Den Menschen, die Betrügereien im Internet verüben oder Schadsoftware verschicken, fällt immer etwas Neues ein. Eingebrochen wird seit Jahrhunderten auf die gleiche Weise. Im Internet gibt es immer neue Maschen.

 

Was sind die häufigsten Delikte und Methoden, die Sie beobachten?

Klenk: Betrug kommt klar am häufigsten vor. Dann folgt Erpressung. Richtige Hacker-Attacken auf private Rechner, wie es sich viele noch immer vorstellen, haben wir eigentlich nicht. Wo viele Menschen in die Falle tappen, sind die sogenannten Fake-Shops. Das sind Internetportale, die nur dazu angelegt sind, um an Geld zu kommen. Wer hier etwas bestellt, wird keine Ware bekommen. Darum sollte man im Internet niemals auf Vorkasse zahlen. Derzeit beobachten wir in der Region außerdem, dass Menschen am Telefon behaupten, sie wären von Microsoft. Den Opfern wird dann so lange erzählt, es gäbe Probleme mit dem Rechner, bis sie den Kriminellen erlauben, auf den Computer zuzugreifen. In solchen Fällen, oder wenn jemandem etwas komisch vorkommt mit einer E-Mail, sollte man sich an die Polizei wenden und nicht den Anhang öffnen. Wir nehmen uns Zeit, bevor ein Schaden entsteht, der in die Tausende gehen kann.

 

Konkrete Namen dürfen Sie natürlich nicht nennen: Aber sind auch Firmen aus der Region betroffen?

Klenk: Von solchen Betrügereien sind in aller Regel Privatpersonen bedroht. Im Moment ist uns noch nichts bekannt, dass Unternehmen hier Probleme hätten. Ein bekanntes Phänomen ist aber, dass gefälschte E-Mails von Führungskräften kommen, in denen Zahlungen angewiesen werden. Das kommt auch in der Region vor.

 

Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen? Sie werden wohl kaum in verrauchten Kellern sitzen und stundenlang Netzwerke durchforsten.

Klenk: (lacht) Nein. Das nicht. Meistens kommen die Betroffenen zu uns. Eine aktive Netzwerkfahndung machen wir nicht. Dafür ist das Landeskriminalamt zuständig. Aber wir nehmen die Fälle auf und beginnen mit den Ermittlungen. Dabei schauen wir, welche elektronischen Spuren verfolgbar sind – seien es E-Mail-Konten oder IP-Adressen. Bei letzteren haben wir oft das Problem, dass die Speicherfrist nicht lang genug ist, um wirkungsvoll ermitteln zu können. Ich habe maximal sieben Tage. Bis die Menschen merken, dass sie betrogen wurden, sind die für Ermittlungen wichtigen Daten bereits wieder gelöscht. Das ärgert uns, ist aber vor allem für die Betroffenen schade.

 

Wie sieht es dann mit der Aufklärungsquote in Ihrer Abteilung aus?

Klenk: Ich würde sie im Bereich von deutlich über 30 Prozent einordnen. Bei der gegebenen Anonymität, die im Netz herrscht, ist das eine sehr gute Quote – und für die Täter besteht durchaus die Gefahr, entdeckt zu werden. Wir sprechen über ein Drittel. Zuletzt war die Rede davon, dass es in Ingolstadt bald ein eigenes Dezernat für Cyber-Kriminalität geben soll . . . Klenk: In Zukunft soll es bei allen Kriminalpolizeiinspektionen in Bayern ein Kommissariat zur Bekämpfung von Cyber-Kriminalität geben. Somit werden wir auch in Ingolstadt eines bekommen. Noch sind aber nicht alle Aufgabenbereiche festgelegt.

 

Die Fragen stellte Christian Tamm.