Donnerstag, 30. Juni 2016 |

 

10.06.2014 21:27 Uhr | x gelesen
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"Normal ist das nicht"


Kiel (DK) Ist das derzeitige Wetter ein weiteres Zeichen für den Klimawandel? Ja, meint der Meteorologe Mojib Latif (Foto). Für den in Hamburg geborenen renommierten Klimaforscher, der am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel tätig ist, haben wir es „mit einem außergewöhnlichen Wetterereignis zu tun“.


 

Herr Latif, Hitze-Rekorde, gefolgt von heftigen Sommergewittern mit Toten und Verletzten, Sturm, Orkanböen und Hagel – ist das eigentlich noch normal oder gerät unser Klima völlig durcheinander?

Latif: Normal ist das nicht mehr. So früh im Jahr derart hohe Temperaturen und das nahezu flächendeckend in Deutschland – das hat es so noch nie gegeben. Angesichts dieser extremen Hitze ist es allerdings nicht verwunderlich, wenn heftige Wärmegewitter mit orkanartigen Böen entstehen. Wir haben es hier mit einem außergewöhnlichen Wetterereignis zu tun.

 

Wie sehr besorgt Sie das als Klimaforscher?

Latif: Das Wetter in den letzten Tagen ist für mich ein weiteres Mosaiksteinchen gewesen: Der Klimawandel und seine Auswirkungen werden immer stärker spürbar. Deutschland fühlt den Einfluss der globalen Erwärmung. Es gibt immer mehr Hitzetage mit Temperaturen weit über 30 Grad. Und auch Phasen mit starken Niederschlägen nehmen zu. Das ist genau das, was uns die Modelle für den Fall erhöhter atmosphärischer Treibhausgase vorhergesagt haben. Überraschend kommt diese Entwicklung keinesfalls und sie wird sich auch weiter fortsetzen.

 

Wie lässt sich gegensteuern?

Latif: Selbst wenn der weltweite Treibhausgas-Ausstoß heute gestoppt würde, hätten wir noch über Jahrzehnte mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen zu kämpfen. Die internationale Klimapolitik steht dem hilflos gegenüber. Der weltweite CO2-Ausstoß nimmt immer weiter zu. Und selbst Deutschland kann nicht mehr die Rolle des Musterschülers für sich beanspruchen: Seit zwei Jahren blasen wir wieder mehr CO2 in die Atmosphäre. Der Grund dafür ist, dass Deutschland wieder stärker auf Kohleverstromung setzt.


Von Rasmus Buchsteiner

 
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