Er wolle keine schlafenden Hunde wecken und keine Panikmache betreiben, sagt Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich. "Uns sind die Hände gebunden. Wir können ein Vereinstreffen nicht einfach verbieten", ergänzt der CSU-Politiker. Aber natürlich sei er sich der möglichen Tragweite einer solchen Zusammenkunft bewusst. Deshalb hat er den Vorgang an die Polizei weitergeleitet. Die rät dazu, die Outlaws nicht pauschal zu kriminalisieren. "Aber natürlich ist es uns bekannt, dass sie unter Beobachtung stehen und dass vereinzelte Gruppenmitglieder Straftaten begangen haben", sagt Jörg Degenkolb, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Neumarkt. Man werde Präsenz zeigen, kündigt Degenkolb an. "Wir haben ein Auge auf diese Veranstaltung, und wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet."

Die Vorsicht ist nicht unbegründet. Die Outlaws sind ein Motorradclub und nicht irgendeiner. Neben den "Hells Angels", den "Bandidos" und dem "Gremium MC" zählen die Rocker mit den schweren Maschinen und schwarz-weißen Monturen zu den berüchtigsten Motorradclubs überhaupt. Laut dem bayerischen Verfassungsbericht 2008 bezeichnen sich die großen Vier als "One-Percenter" (Ein-Prozenter), also als der kleine Teil der Motorradfahrer, "der sich selbst als Gesetzlose sieht und das bestehende Rechtssystem ablehnt".

In Bayern gibt es derzeit rund 400 Rocker in 20 Chaptern (Standorte) der vier Vereinigungen. "Auffällig ist, dass Mitglieder der großen Vier überdurchschnittlich oft in Drogen-,Gewalt- und Waffendelikte verwickelt sind", sagt Holger Plank, Sprecher des bayerischen Innenministeriums.
 
"Polizeilich relevant"
 
Das Landeskriminalamt (LKA) hat einen Beobachtungsschwerpunkt "Rockerkriminalität" eingesetzt. Die vier Vereinigungen seien "polizeilich relevant", sagt Mario Huber, Sachgebietsleiter Organisierte Kriminalität beim LKA. Der zeitliche und personelle Aufwand der Ermittlungen sei immens, und nicht zuletzt deshalb habe es in Bayern bisher erst wenige Zwischenfälle gegeben, in denen sich verfeindete Gruppen angegriffen hätten.

Solche Beispiele gab es bundesweit durchaus schon: In Rheinland-Pfalz töteten zwei Mitglieder der Hells Angels einen Outlaw, nachdem sie einige Tage zuvor mit einem anderen "Gesetzlosen" aneinandergeraten waren. Der Fall wird derzeit in Kaiserslautern verhandelt. In Duisburg kam es im November vorigen Jahres zu einer Massenschlägerei von 300 Hells Angels und Bandidos. Die Losung "Wir machen unser eigenes Gesetz" hat sich offenbar in einigen Kreisen verbreitet. Und das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Gruppen ist groß.
 
Dennoch warnt Mario Huber davor, jedes Mitglied der Vereinigungen zu verdammen. "Viele von ihnen gehen ganz normalen Jobs nach, werfen sich am Wochenende in ihre Kutte, setzen sich auf ihren Chopper und sehen dabei martialisch aus", sagt er. "In der Regel sind Veranstaltungen wie Gründungsfeiern gut abgesichert, von der Polizei, aber auch von Securitypersonal." Auch darum seien Zusammenstöße selten. Und es sei auch nicht zu erwarten, dass es solche in Berching geben wird. "Niemand braucht sich Sorgen zu machen, von der Rockergewalt überrollt zu werden", sagt Mario Huber.