Was Siebler dem vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilmer Wallner an Infos entlockt, ist großartig. Selten bekommt ein Publikum in so kurzer Zeit - denn mehr als zehn Minuten plaudern die beiden in der Regel nicht - eine derartige Menge an Informativem, Spannendem, Berührendem zu hören; vom Filmemachen an sich, von der Entstehung seiner Streifen ganz speziell.

Wie man sich einem derart sensiblen Thema wie bei "Das Tor zum Irgendwo" nähert, möchte Siebler beispielsweise wissen. Denn da sei Wallner schließlich ganz nah dran an den Bestattungsritualen der Hindus. Der Sohn des Toten selbst habe ihn gebeten, die Verbrennung seines Vaters zu filmen, erklärt Wallner. "Ich akzeptiere jede Religion, jede Einstellung der Menschen - so lange sie mit keinen Kriegen verbunden ist", beantwortet Wallner dann die Frage Sieblers danach, was ihn so sehr an der hinduistischen Kultur fasziniere.

"Deine Filme bestechen durch ausgezeichnete Kommentare", spricht Siebler vielen im Publikum aus der Seele. "Wenn ich auf Reisen gehe, habe ich sehr oft bereits das fertige Drehbuch und auch den fertigen Kommentar bei mir, sodass ich 'nur' die Bilder dazu kreieren muss", erklärt Wallner. Und er sagt: "Man soll und man muss der Wahrheit auch im Text treu bleiben."

Auch ein weiterer Film Wallners, "Mai Pen Rai", geht unter die Haut. Als Kriminalpolizist wäre er beinahe nach dem Tsunami 2004 im Indischen Ozean zur Opferidentifizierung ins Katastrophengebiet gereist, war dann jedoch dafür verantwortlich, die Toten in Bayern zu identifizieren. "Im Nachhinein bin ich froh, denn mir ist einiges erspart geblieben", sagt Wallner. Mit einem gewissen Abstand habe er sich dann aufgemacht, um zu sehen, was aus diesem Land geworden ist. Entstanden ist dabei ein Film, der durch eindringliche Bilder sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der Thematik besticht. Und der trotz aller Dramatik mit, wie es Marcus Siebler nennt, "optimistischem Blick nach vorn", endet.

Doch im CinePark gibt's an diesem Wochenende natürlich - wie es der Titel, "Shorts made in Sob" bereits vermuten lässt - auch Streifen aus heimischer Produktion. Selbst wenn die komplett anders aufgezogen sind als Wallners Filme, kommen auch sie beim Publikum durch die Bank an. Viel zu schmunzeln haben die vielen Zuschauer an den beiden Tagen - allein am Freitag ist in Saal 3 des CineParks kein Platz mehr frei - etwa bei der Komödie "Krampusnacht".

Quasi eine Art Kontrastprogramm dazu gibt es mit "München Hbf" - beides übrigens brandneue Streifen der Dram-Film-Crew und damit Premieren. Gleichermaßen verstörend - wegen der eingeblendeten Hitler-Zitate - wie ob der außergewöhnlichen Effekte in Bild und Ton beeindruckend kommt "Der einsame Kämpfer von Dallas", ein 2014 auf einer Texas-Reise entstandener Streifen, daher. Erst in der vergangenen Woche sei der für die 22. Internationale Regensburger Kurzfilmwoche im kommenden März ausgewählt worden, erzählt Marcus Siebler. Immer wieder sehenswert ist "Shit-Storm", jener Film, der im vergangenen Jahr mit dem Preis des Ministerpräsidenten ausgezeichnet worden war.

Erstmals habe man das immer zu dieser Jahreszeit veranstaltete Premierenevent "Shorts made in Sob" genannt, erzählt Marcus Siebler. Und er begründet das: "Um den starken Bezug fast aller unserer Filme zu dieser Stadt zu verdeutlichen." Denn viele der Filme wurden hier gedreht, die meisten Mitwirkenden kommen aus Schrobenhausen oder dem Umland.

Übrigens: Schon im April wird es wieder filmreif in Schrobenhausen: Denn dann findet im CinePark von 22. bis 24. April das Kurzfilmfestival "BFF Spielfilm" statt. Siebler und sein Team begrüßen wieder Filmemacher aus ganz Deutschland, die im Wettbewerb gegeneinander antreten.