Schrobenhausen: Die integrative Kraft des Sports
Foto: Gerlinde Drexler
Schrobenhausen

Für einen Redner ist es eine beeindruckende Kulisse, wenn er vom Podium aus auf die Besucher sieht, die die Halle der Alten Schweißerei füllten. So empfang es jedenfalls Martin Kaltenegger, der Vorsitzende des Schrobenhausener Ortsverbandes. Unternehmer und Führungskräfte aus der Region waren zu dem Empfang gekommen, Vertreter von Vereinen, Banken, Kirchen und Gemeinden und aus dem Stadtrat saßen unter den Zuhörern. Ein regelmäßiger Besucher fehlte: Bürgermeister Karlheinz Stephan war krank.

In vielerlei Hinsicht sei 2015 ein schwieriges Jahr gewesen, sagte Kaltenegger. "Wir sollten uns von dem Berg an Aufgaben nicht erdrücken lassen. Es stecken auch Chancen drin." Als Beispiel nannte er den sozialen Wohnungsbau, in den jetzt Bewegung komme. Ebenso wie in das Thema Leitkultur. "Wir müssen uns jetzt damit auseinandersetzen, damit Integration nicht nur eine Floskel ist." Die Auseinandersetzung mit den eigenen Wertvorstellungen sieht Kaltenegger als einen "hoch spannenden gesellschaftlichen Diskurs, der uns gut tut". Er appellierte an die Zuhörer, im Hinblick auf die Neuankömmlinge die Chancen zu sehen, die jede Veränderung mit sich bringe. "Keine Angst haben, sondern sehen, wie wir das Beste daraus machen", war sein Appell.

Falsche Gerüchte über Flüchtlinge würden die Situation nicht einfacher machen, sagte Kreisvorsitzender Alfred Lengler. Als Beispiel nannte er eine aktuell kursierende Geschichte, nach der Bürgermeister Stephan zu einem Geschäft gefahren sein soll, um Waren, für die das Geld der Asylbewerber nicht reichte, zu bezahlen. "Das ist einfach nicht wahr", betonte Lengler. Der Bürgermeister von Gachenbach hat derzeit rund 20 Flüchtlinge in seiner Gemeinde untergebracht. Bis zum Jahresende werden es 80 werden, schätzt er. "Wir kriegen den Wohnraum nicht her, haben keine Plätze in Kindergarten und Schule", fasste er die Herausforderung zusammen, vor der seine Gemeinde steht.

Gerade der Sport könne bei Integration jetzt und in Zukunft viel leisten, ist die Überzeugung von Gastredner Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Er wies darauf hin, dass schon jetzt jeder fünfte Sportverein in Deutschland Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen ergriffen habe. In vielen Vereinen seien Migranten schon in Führungspositionen angekommen. Kritisch sieht Hörmann die längerfristige Unterbringung von Asylbewerbern in Sporthallen. "Dauerhaft brauchen wir unsere Sporthallen und -plätze, um Sportbedingungen, wie wir sie für eine intakte Gesellschaft brauchen, bieten zu können." Einer der entscheidenden Werte des Sports werde künftig die Völkerverständigung sein, sagte Hörmann. "Nicht woher du kommst, sondern wohin du willst, ist die Frage im Sport." Im Sport würden für alle dieselben Regeln gelten.

Auch beim Neujahrsempfang gibt es traditionell eine Regel, die für alle Besucher gilt. Jeder nimmt nach den Reden und dem Singen der Bayernhymne seinen Stuhl und räumt ihn auf. Künftig sollte der Text der Bayernhymne eingeblendet werden, regte eine Besucherin an. Ihr war aufgefallen, dass einige Besucher nicht mitgesungen hatten.