Schrobenhausen: Architekten legen ihre Gedanken offen
 
Schrobenhausen

Vor rund einer Woche war die Einweihung gefeiert worden. Einige Interessierte nutzten nun die Architektouren als Gelegenheit, von der Architektin direkt zu erfahren, was ihre Gedanken bei der Gestaltung gewesen waren. Bei der Planung hat Claudia Schreiber sich auch mit alten Plänen beschäftigt. Die Kirche, die nun wie selbstverständlich in den neuen Platz mit eingebunden ist, stand nicht immer dort. Bevor sie Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, war hier ein Friedhof. „Auch damals war schon eine freie Fläche vorhanden“, sagte die Architektin und zeigte es den Besuchern auf alten Plänen. Bei der Planung habe sie dann überlegt, wie sie damit umgehen könne.

Ein weiterer Punkt war das Gefälle des Platzes am Berg. Möglichst unauffällig sollte das rausgenommen werden. „Über den Platz in der Mitte haben wir lange diskutiert“, erzählte Schreiber. Schließlich einigten sich alle Beteiligten auf ein Baumdach, das auf einer Art Plateau angelegt wurde – mit einem Brunnen in der Mitte und Ruhebänken zwischen den Bäumen. Eine Zuhörerin regte an, Holzplatten auf den Sitzgelegenheiten zu befestigen. Das sei wegen des Denkmalschutzes nicht möglich, bedauerte die Architektin. „Es ist mir erst jetzt bewusst geworden, dass das Plateau das Gefälle unterbricht“, stellte eine Besucherin überrascht fest. Das freute Schreiber. Ihr Ziel sei es gewesen, möglichst unauffällige Veränderungen vorzunehmen.

Ebenfalls erst auf den zweiten Blick fallen die verschiedenen Pflasterstrukturen auf. Die sind nicht nur gehfreundlich und barrierefrei. Durch die verschiedenen Strukturen wird der Platz optisch unterbrochen und in die Straße und den neu gestalteten Haupteingang von Regens Wagner mit eingebunden. Gut kam bei den Besuchern auch die neue, indirekte Beleuchtung am Kirchplatz an. „Das hat abends eine tolle Wirkung“, schwärmte Gemeinderat Herbert Neukäufer.

Einer ganz anderen Herausforderung sah sich in Schrobenhausen die Innenarchitektin Manuela Reich gegenüber. Sie wollte eine 60 Meter lange und 17 Meter breite Industriehalle so gestalten, dass sowohl der Laden des Bürocenters Reich als auch die Arbeitsplätze und die Ausstellungsbereiche in der offenen Halle untergebracht werden können. „Und das so, dass alles miteinander harmonisiert“, erklärte sie beim Rundgang. Ihr Hauptwunsch bei der Gestaltung war, dass Kunden schon vom Eingang aus sehen können, was es im Bürocenter gibt.

Auf kleinen Podesten sind die Arbeitsplätze der Mitarbeiter untergebracht, die auf die Art gleichzeitig auch Teil der Ausstellungsfläche sind. Die Decke der 7,50 Meter hohen Tragwerkskonstruktion hat die Architektin so gewählt, dass sie den Schall schluckt. Auch der Boxenraum, ein kleines Besprechungszimmer in der Mitte der Halle, bricht den Schall. Beheizt und gekühlt wird die Halle mit Geothermie.

Projekte wie eine Industriehalle plant Kristin Kurczinski vom Büro der Passionauten nur selten. Die Architektin hat in Schrobenhausen das Café Lebensart entworfen und den Kunsthof. Vor einem Jahr habe sie ihr Büro von Pfaffenhofen nach Schrobenhausen verlegt, weil sie oft Aufträge von der Stadt bekomme. Der Tag der Architektur war für Kurczinksi eine Gelegenheit, ihr neues Büro der Öffentlichkeit vorzustellen.