Pfaffenhofen: "Ein ständiges Brummen"
Anwohner Hans Huber aus Weyern bei Göbelsbach klagt über Schlaflosigkeit wegen der Windräder bei Englmannsberg. Er hofft, dass das Landratsamt Pfaffenhofen dem Beispiel des Kreises Euskirchen in Nordrhein-Westfalen folgt. Dieser hatte nach massiven Protesten Messungen an Ort und Stelle der Windräder durchgeführt. - Foto: Brenner
Pfaffenhofen

Hans Huber aus Weyern bei Göbelsbach kämpft schon länger für die Abschaltung der Windräder in seiner unmittelbaren Nähe. Die Geräusche lassen ihn regelmäßig nachts wach werden, sagt Huber, außerdem hält er den Infraschall für gefährlich für den Kreislauf und die Psyche. "Wenn ich nachts wach werde, weiß ich, warum." Seine Nachbarin Monika Ständecke verbringt sogar ab und an eine Nacht auswärts - auf der Flucht vor hohen Windstärken.

Bisher scheiterten alle Anträge und Beschwerden der Göbelsbacher, doch Huber will keineswegs aufgeben. Zumal er auf eine interessante Parallele gestoßen ist. Die Windräder desselben Herstellers, des Typs E-101 von Enercon, stehen auch in Schleiden, einem kleinen Ort im äußersten Südwesten von Nordrhein-Westfalen. Auch dort lebten die Anwohner in ungetrübter Idylle, bis die Windräder kamen. Auch dort gab es massive Proteste und Beschwerden aus der Bevölkerung. Doch hier endet die Parallele, denn anders als die Bürger in Göbelsbach waren die Bewohner in Nordrhein-Westfalen erfolgreich.

Dort ist Andreas Glodowski unter anderem für die Windkraftentwicklung der Stadt Schleiden zuständig. Da Glodowski selbst in Schleiden wohnt, bekam er den Ärger der Bürger hautnah mit. "Sie beschwerten sich beim Landratsamt, dass die Anlagen nachts viel zu laut sind." Prompt wurde der Kreis aktiv, die Emissionsschutzbehörde nahm Messungen vor: "Sie haben über zwei Wochen auch nachts und bei starkem Wind gemessen", berichtet Glodowski. Das Ergebnis: Zwar wurden die vorgeschriebenen Grenzwerte knapp eingehalten, doch die Mitarbeiter der Behörde stellten ein tiefes Brummgeräusch fest, das keineswegs in Ordnung war. Der Betreiber musste in der Folge die Leistung der beiden betroffenen Windräder drosseln, und zwar jeweils von 22 Uhr bis 6 Uhr auf zehn Prozent ihrer Leistung. Diese Drosselung besteht weiter, bis das Problem behoben wird.

Ob es die Brummgeräusche auch bei den Windrädern bei Englmannsberg gibt, lässt sich zwar nicht sagen. Allerdings ist das auch nicht auszuschließen, glaubt man den Berichten der Anwohner. "Viele hier empfinden die Geräusche der Windräder als ein ständiges Brummen", sagt Markus Hipp, der in Langenwiesen bei Göbelsbach wohnt. Auch er versteht nicht, warum nicht vor Ort gemessen wird.

In Nordrhein-Westfalen geht das Landratsamt sogar noch einen Schritt weiter. Ein externes Büro wird demnächst noch eine weitere Messung vornehmen. "Diese Bedingung hat der Kreis bereits gestellt, als er die Genehmigung für die Windkraftanlage erteilte", sagt Glodowski.

Auf Nachfrage unserer Zeitung will das Landratsamt Pfaffenhofen nun auch der Sache nachgehen, sagt Pressesprecherin Alice Köstler-Hösl. "Wir haben mit dem Landratsamt, dem Hersteller und dem Betreiber Kontakt aufgenommen", so Köstler-Hösl. Ziel sei es, herauszufinden, ob die Situation vergleichbar ist. In einem Schreiben vom 15. Dezember hatte das noch ganz anders geklungen. Darin wies das Landratsamt die Forderung von Anwohnerin Ständecke aus Weyern nach Messungen an Ort und Stelle zurück. "Es liegen uns auch nach Rückfrage beim Betreiber keine Hinweise auf außerordentliche, betriebliche Störungen vor", so das Antwortschreiben des Landratsamtes. Daher könne man nun auch keine "kostenverursachenden Messungen" veranlassen. Auch beim Geschäftsführer der Englmannsberg Windkraft GmbH, Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach, beschwerte sich Ständecke über die Lärmbelästigungen. Dieser verwies bei seiner Antwort auf die Messungen, die im Vorfeld "an drei verschiedenen Standorten" gemacht wurden. Aber eben nicht bei Englmannsberg, sagen die Göbelsbacher. Für sie geht der Kampf gegen die Windräder weiter. Huber und mehr als 100 Anwohner von Göbelsbach und Umgebung wollen einen weiteren Antrag gegen die Lärmbelästigung beim Landratsamt einreichen. Doch zunächst warten sie noch ab, bis der Regionalverband "Taunus-Windkraft mit Vernunft" aus Hessen seine Verfassungsklage und -beschwerde in Karlsruhe eingereicht hat. Die Klage soll laut Sprecher die Existenz von Infraschallwellen sowie deren Auswirkungen auf den Körper belegen. Ungefähr Mitte Februar wird sie eingereicht.

Dass ein erneuter Antrag der Göbelsbacher doch noch Erfolg hat, ist zumindest laut Pfaffenhofener Landratsamt "nicht ausgeschlossen".