Neuburg: Retro-Kniff auf der Bühne
Kräftig zur Sache gegangen mit Ludwig Thoma sind die Akteure der Braunschweiger Altstadtmarkt-Komödie bei ihrem Neuburger Gastspiel. - Foto: Heumann
Neuburg

Der, ließe sich mutmaßen, hätte aber seine hellste Freude an dem Elaborat gehabt, trefflicher hätte all sein vernichtendes Urteil über jene bayernfremde Besserwisserei gar nicht bestätigt werden können. Das war die Karikatur einer Karikatur. Mit Ludwig Thoma, dessen liebevoll messerscharfe Beobachtungsgabe, dessen bitter-liebenswerte Ironie hatte das dumpf-derbe und ziemlich grobschlächtige Braunschweiger Importunterfangen bestenfalls rudimentär zu tun.

Selbst schuld freilich die Bayern. Was zwischenzeitlich selbst unter dem einst fein geschnittenen Komödienstadel über den Bildschirm flimmert - wer sich an Peter Steiner und heftiger noch als bayerisches Volkstheater orientiert, hat am Samstag noch eine gnädige Version erlebt. Dem Volkstheater sind die g'standenen Gestalten, die noch Persönlichkeiten und nicht bloß Typen sind, abhandengekommen. Auch hierzulande.

Weil sich Thomas Lausbubengeschichten schwerlich eins zu eins auf die Bühne bringen lassen, war der Retro-Kniff, den Theatermann Florian Battermann sich erdachte, nicht die schlechteste Lösung. Quasi alte Herren erinnern sich der eigenen Jugend und bedienen sich zur glaubwürdigeren Umsetzung dreier jüngerer Kollegen. So ließ sich auch ein halbes Jahrhundert nach dem Filmerfolg Ewig-Lausbua Hans(i) Kraus besser einbauen, als gealterter Ludwig Thoma, der jetzt seine Aufzeichnungen zum Besten gibt, und selbst von heftigsten Jugenderinnerungen übermannt, gesellen sich die Stammtischbrüder gereift spitzbübisch bei. Allerdings wirkte ausgerechnet Kraus zumindest am Samstag ausgesprochen nervös, fahrig, ja das eine oder andere Mal gar textunsicher.

Jetzt im Spätherbst ist wiederum die Zeit des Bauerntheaters. Offensichtlich wollte da auch das Neuburger Stadttheater hinter Stepperg, Baring, Hollenbach und den vielen anderen Gruppen in der Region nicht hintanstehen. Schlimmer kann's dort auch nicht sein, was durchaus als Kompliment jetzt verstanden sein will.