Freuen sich auf den Schlagabtausch: Marcus König (links) und Matthias Kolbe.
Freuen sich auf den Schlagabtausch: Zwei der Organisatoren - Marcus König (links) und Matthias Kolbe.
Meßner
Vohburg
Andererseits ist es aber doch nicht so einfach, denn es stehen mehrere Kandidaten zur Wahl. CSU-Kandidat Erich Irlstorfer ist als Bundestagsmitglied natürlich haushoher Favorit für den Sieg bei den Erststimmen, aber das heißt nicht automatisch, dass er auch gewinnen wird. Am Mittwoch, 20. September, ergibt sich ab 19.30 Uhr im Kultur-Stadl am Burgberg nun die Gelegenheit, alle sechs Kandidaten auf einen Fleck zu begutachten. Außer Irlstorfer sind das Andreas Mehltretter (SPD), Kerstin Schnapp (Grüne), Thomas Neudert (FDP), Guido Hoyer (Linke) und Johannes Huber (AfD). Diese Auswahl haben die Veranstalter getroffen, die Aktiven Vohburger (AV). Sie haben sich dabei an die Parteien gehalten, die eine realistische Chance auf den Einzug in den Bundestag haben. Deshalb sind die Kandidaten etwa der Bayernpartei oder der ÖDP nicht eingeladen worden. Moderiert wird der Abend von Marcus König und Werner Ludsteck. König und sein AV-Kollege Matthias Kolbe erzählen im Gespräch mit unserer Zeitung, wie der Abend laufen wird und wie sich auch die Zuschauer einbringen können.

Wird die Podiumsdiskussion der hiesigen Bundestagskandidaten auch so langweilig wie das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz?

König: Nein, ich denke nicht. Wir haben Politiker aller relevanten Parteien da und spannende Themen ausgesucht.

Kolbe: Ich glaube auch, dass die Politiker selbst schon mehr zu streiten haben, als SPD und CSU alleine. Wir haben ja alle da.

 

Es kommen also ausnahmslos alle Direktkandidaten nach Vohburg.

König: Ja und wir sind froh, dass es trotz der Terminverschiebung geklappt hat. So können wir den Bürgern das ganze Spektrum bieten.

 

Schaut man sich den Wahlkreis Freising an, dann liegt Vohburg ziemlich am Rand. Wie war denn die Resonanz der Kandidaten, als die Anfrage kam, ausgerechnet hier eine Podiumsdiskussion zu veranstalten?

König: Jeder ist sofort darauf angesprungen und hat gesagt: Dem will ich mich stellen. Die meisten haben sofort zugesagt. Das zeigt deutlich, dass Vohburg nicht am Ende der Welt liegt. Auch der Ablauf ist bei den Teilnehmern gut angekommen.

Was heißt das konkret?

König: Die Besucher können die Themen, über die gesprochen wird, mitbestimmen – anhand von Gewichtungen.

 

Und wie läuft das ab?

Kolbe: Jeder Besucher bekommt am Eingang drei Bälle. Es stehen zehn Boxen bereit, beschriftet mit den unterschiedlichen Themen wie Umwelt- oder Asylpolitik. Darin kann er die Bälle verteilen, wie er möchte. Es ist also möglich, die Bälle auf drei Boxen zu verteilen oder auch alle in eine Box zu werfen. In welcher Box am meisten Bälle sind, mit diesem Thema beginnen wir.

 

Wie viele Themen werden behandelt?

Kolbe: Wir schätzen etwa fünf. Es kommen die Themen dran, für die das größte Interesse besteht. Für jedes Thema haben wir etwa 20 Minuten Zeit eingeplant und uns Fragen überlegt.

König: Die wir im Vorfeld natürlich nicht preisgeben werden.

 

Gibt es auch regionale Themen oder geht es um die große Politik von Dieselskandal bis Erdogan?

König: Es geht vor allem um die großen Themen, aber da durchaus in die Tiefe.

 

Wie verhindern Sie, dass die Politiker ausschweifen?

König: Jede Antwort wird auf etwa zwei Minuten begrenzt. Wenn der Redner sein Thema rüberbringen will, muss er also gezielt und konkret antworten.

Kolbe: Das war ja auch ein wenig das Problem beim TV-Duell. Da wurde auf einigen Themen lange herumgeritten. Genau das wollen wir vermeiden.

 

Und wie?

König: Es wird einen Zeitmanager geben, der nach zwei Minuten einen Gong ertönen lässt. Das ist das Zeichen: Jetzt zum Schluss kommen.

 

Das klingt nach einer langwierigen Frage-Antwort-Runde. Besteht denn auch die Gelegenheit zur Diskussion? Also kann ein Kandidat direkt auf einen anderen reagieren?

König: Das geht natürlich auch. Außerdem wird es nach jedem Themenblock eine Publikumsrunde geben. Da haben dann die Besucher Gelegenheit, Fragen zu stellen. Dadurch wird das Format lebendiger.

 

Wie wollen Sie die Politiker aus der Reserve locken?

König: Na ja, es gibt mit Sicherheit Aussagen von manchen Politikern, die nicht mit der Position ihrer Partei übereinstimmen. Da wollen wir schon einmal nachfragen, wie diese Diskrepanz zustande kommt.

 

In den Kultur-Stadl passen maximal 200 Gäste. Mit wie viel rechnen Sie?

Kolbe: Ob wir den Kultur-Stadl voll kriegen, bleibt abzuwarten, ich denke eher nicht.

König: Die Zuschauer werden wohl nicht um ihre Plätze kämpfen müssen, aber ich bin der Meinung, dass ein gewisses Interesse vorhanden ist – das gilt ja auch für die örtlichen Parteien hier in Vohburg.

Kolbe: Ich glaube schon, dass die Veranstaltung attraktiv ist, weil eben alle Direktkandidaten dabei sind, also die Personen, denen man am Sonntag dann auch seine Stimme geben kann.

 

Wie läuft denn die Vorbereitung auf die Diskussion?

König: Wir haben zunächst die Themenblöcke fixiert, dann die Fragen überlegt. Diese werden jetzt noch einmal nachjustiert. Wir schauen einfach, was in diesen Tagen noch dazukommt. Dann gehen wir in die Offensive und sind neugierig, was die Kandidaten zu bieten haben.

 

Die Aktiven Vohburger sind ja selbst eine politische Gruppierung. Kommt es da nicht zu Interessenkonflikten?

König: Aufgrund der rein kommunalpolitischen Verankerung der AV haben wir bundespolitisch gesehen die dafür nötige Neutralität.

 

Aber wenn man die Ausrichtung der AV näher betrachtet, kann man eine gewisse Nähe zu den Grünen nicht verleugnen, oder?

König: Darum haben wir sie auch eingeladen (lacht).

Kolbe: Wir wollen uns möglichst neutral verhalten, kontroverse Fragen an alle stellen und die Kandidaten durchaus etwas kitzeln. Es soll keiner gemütlich auf dem Podium sitzen und Standardphrasen dreschen. Das gilt – wie gesagt – für alle Parteien.

 

Und wenn es kontrovers und hitzig wird?

Kolbe: Auch darüber haben wir im Vorfeld gesprochen. Wir haben uns überlegt, was passieren kann. Wenn die Kandidaten anfangen zu diskutieren, werden wir uns das eine gewisse Zeit anschauen – aber nicht ausufern lassen.

 

Das Gespräch führte Markus Meßner