D: Die Feuerwehrfrauen von Unsernherrn
Einsatzbereit: Karin Wenzl ist die einzige Vize-Kommandantin der Stadt und engagiert sich als Frauensprecherin auch für die 35 Kameradinnen der anderen Ingolstädter Wehren. - Foto: Hauser

Da haben sie ganz schön geschaut, die Herren der Freiwilligen Feuerwehr Unsernherrn, als eines schönen Tages im Jahr 1998 plötzlich eine Gruppe von neun Frauen und Mädchen das Feuerwehrhaus betrat und erklärte, beitreten zu wollen. Eine von ihnen war Karin Wenzl. Sie erinnert sich gut an die Reaktionen der Feuerwehrmänner. „Manche haben sogar daran gedacht, auszutreten“, erzählt sie. Erst als die Anwärterinnen im Alter von neun bis 20 Jahren erklärten, dann eben einer anderen Feuerwehr beizutreten, konnten sich auch die härtesten Feuerwehrmänner angesichts des allgemeinen Mitgliederschwundes langsam mit den neuen Kameradinnen anfreunden. Dabei waren die Unsernherrner Feuerwehrfrauen gar nicht die ersten im Stadtgebiet. Nur, dass es gleich so viele waren, das fiel dann doch auf.

Der Wunsch zur Feuerwehr zu gehen, sei in Unsernherrn - eigentlich auch für Frauen - gar nicht so ungewöhnlich, findet Wenzl. Immerhin bildet die Wehr den größten Verein im Ort und prägt das Leben der Menschen. Erst am vergangenen Wochenende hat das Sommerfest wieder die ganze Dorfgemeinschaft zusammengebracht. "Jeder kennt jemanden, der bei der Feuerwehr ist." Bei Wenzl ist es der Vater, der die familiäre Verbindung herstellt.

Mittlerweile haben sich nicht nur die Männer bei der Ortsteil-Feuerwehr im Süden längst an die weiblichen Mitstreiter gewöhnt und schätzen sie und ihre Fähigkeiten. So wurde Karin Wenzl vor fünf Jahren von ihren Kameraden zur stellvertretenden Kommandantin gewählt. Sie ist die einzige der 35 aktiven Feuerwehrfrauen der Stadt mit einem solchen Posten.

Im Einsatzalltag freilich schlagen die Klischees schon noch ab und zu durch, berichtet die 32-Jährige, die auch bei der Manchinger Wehr aktiv ist. "Es wird manchmal schon komisch geschaut, wenn ich mit dem Einsatzfahrzeug ankomme." Dabei macht der Feuerwehrfrau gerade hinter dem Steuer kaum jemand etwas vor. Schließlich arbeitet sie in der elterlichen Fahrschule als Fahrlehrerin und bildet auch bei der Wehr die Maschinisten aus, wie die Fahrzeugführer bei den Einsatzkräften heißen. An flapsige Sprüche wie "Ich trag dir den Schlauch aber nicht, nur weil du eine Frau bist", haben sich die Feuerwehrfrauen längst gewöhnt. Denn, dass die Feuerwehr nach wie vor eine Männerwelt ist, ist klar. Bezeichnend ist die Geschichte, die Karin Wenzl von einem Einsatz ihrer Schwester als Maschinistin erzählen kann: Mehrere Feuerwehren waren zu einem Großbrand gerufen worden. Am Einsatzort blieb die Fahrerin neben ihrem Fahrzeug stehen. Nach einiger Zeit kam ein Mitglied einer anderen Wehr und lief ein ums andere Mal um das Feuerwehrauto herum, ganz offensichtlich auf der Suche nach etwas oder jemandem. "Ich suche den Maschinisten", erklärte er schließlich auf Nachfrage der Frau, die aus der Sicht des Mannes - trotz Feuerwehruniform - offenbar völlig unbeteiligt neben dem Einsatzfahrzeug stand.

Als selbstbewusste Frau lachen Wenzl und ihre Kameradinnen über solche Begebenheiten längst, aber es sei schon so, dass man als Frau anfangs doch eher unterschätzt werde. "Dann muss man halt Gas geben", sagt sie. "Dann funktioniert das schon." So müsse sie mittlerweile im Einsatz auch nicht mehr diskutieren, wenn sie in Vertretung von Kommandant Gerhard Sammüller Entscheidungen trifft, die die anderen dann umsetzen müssten.

Freilich gibt es zwischen Männer und Frauen auch Unterschiede, die beim Einsatz immer wieder zutage treten. Die körperliche Kraft wird häufig angeführt und tatsächlich mag es für eine Frau mit 30 Kilogramm Atemschutzgerät am Körper eine schwierige Aufgabe sein, einen 90 Kilogramm schweren Verunglückten aus einem verrauchten Zimmer zu ziehen. "Allerdings kommt da auch ein Kerl an seine Grenzen", sagt Wenzl. Und im Idealfall ist immer dafür gesorgt, dass ein Retter nicht alleine ist und sich die Kameraden gegenseitig helfen können. Die Einsatzkräfte nach ihrem Können und ihrer Belastungsfähigkeit einzusetzen, ist die Aufgabe des Einsatzleiters, des Kommandanten oder eben der Komandantin. Dabei geht es auch um die seelische Verfassung eines Kameraden. Immer wieder müssen Feuerwehrleute Belastendes aushalten. "Männer reagieren in solchen Fällen häufig mit Aktionismus, einem ,Hau-Ruck'", hat Wenzl beobachtet. Frauen seien da etwas besonnener. Das gelte auch für den Umgang mit Verletzten. Oder Kindern und Jugendlichen. Karin Wenzl liegt die Nachwuchswerbung sehr am Herzen. Unter anderem hat sie sich für den Aktionstag engagiert, der im Mai auf dem Rathausplatz stattgefunden hat, und vor allem Frauen und Mädchen für den Dienst bei der Feuerwehr begeistern soll. An engagierten Vorbildern fehlt es jedenfalls nicht.