Kösching: Kirchenrenovierung im Zeitraffer
Im mittelalterlichen Chorraum Gunter des Seligen, dem seitherigen Mesnerzimmer unter dem Turm, hat die uralte Pieta aus dem späten 14. Jahrhundert ihren neuen Platz gefunden. - Foto: Schumann
Kösching

"Das ist Freude pur, dieser Glanz. Da öffnet sich die Kirche wie der Himmel", sagt Müller-Würzburger. Heimatliches Wahrzeichen ist das prächtig mit Deckengemälden und Stuckfresken ausgeschmückte Gotteshaus seit Generationen für die Köschinger. Als westlichster Vorposten des Bistums Regensburg war dieser Kirchenbau 1717 auf dem geschichtlich bedeutenden Grund mindestens einer Vorgängerkirche und des Kastells Germanicum der Römer tatsächlich ein zu seiner Zeit ehrgeiziges Vorhaben. Jetzt nehmen viele Bewohner regen Anteil am Jubiläum "300 Jahre Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt", weshalb sie der Kirchenverwaltung für die Renovierung auch viele Spenden anvertrauten.

Kirchenpfleger Müller-Würzburger bedankte sich kürzlich bei einem Bildervortrag, den er mit dem Parsberger Kirchenmaler und Restaurator Johannes Preis bestritt, für diese Mittel. Dieser Vortrag, ausgerichtet vom Geschichtsverein zusammen mit der Pfarrei, stieß am Beginn des Festjahrs auf reges Interesse.

Gut 1600 Bilder hatte Müller-Würzburger für seinen Vortrag zur Verfügung. Einen Bruchteil davon wählte er aus und brachte die Jahre seit den Erstbegehungen von Kirchturm und Dachstuhl 2011, dem Schadensgutachten 2012, dem Auffinden eines großen Risses an der Nordwand und der Ausschreibungen und Vergaben in den Kirchenverwaltungssitzungen bis 2013 lebendig in Erinnerung. Schäden am Turm und in dessen Gebälk illustrierte er in Nahaufnahmen, die er seinem eigenen Archiv entnahm und auch mit denen von Gerd Krassler, Stefan Balassa, von Foto Kleeberg-Licklederer, von Johannes Preis und von Thomas Schumann dokumentierte. Besonders spektakulär waren die Aufnahmen von der schwebenden Turmzwiebel am 3. April 2013 hinab und am 9. Oktober desselben Jahres wieder hinauf. Die in der Zwischenzeit erfolgten Handwerkerarbeiten vor allem der Zimmerer und Spengler zeigte der Kirchenpfleger als Stillleben mit Holz und Kupferblech.

Bauabschnitt II, die Außenrenovierung des Kirchenschiffs, zeigte Dachstuhlbilder größerer Weite und Detailaufnahmen von mehrfarbig markierten Plänen der hölzernen Dachtragekonstruktion. Statische Sorgen habe man sich machen müssen, was durch das "Rot" der in jedem Fall auszutauschenden Balken ins Auge fiel. Der Ringanker aus Eichenbalken nebst dessen Auflagen musste erneuert werden. Der gesamte Dachstuhl wurde aufgerichtet und viele altersschwache Balken ausgetauscht. Das Kirchdach bekam sein Rückgrat zurück. Und das wurde auch neu eingedeckt. Im Inneren war die Decke wieder etwas nach oben gebogen worden; Ergebnis einer konsequenten Außenrenovierung, die auch viele mehr als drei Jahrhunderte alte, weiterhin tragfähige Balken belassen hat. 2015 schaute der neue Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in Kösching vorbei und merkte an, dass das Kircheninnere vielleicht auch einmal frisch geweißelt werden könne. Müller-Würzburger ließ dies keine Ruhe: "Ich nahm mir fest vor, dass der Bischof zum Jubiläum 2017 nicht in eine verrußte Kirche eintreten sollte." Bilder von der letztjährigen Innenrenovierung waren der Höhepunkt des Vortrags. Kirchenmaler Preis kommentierte Trocken- und Feuchtreinigungen. Vier bis fünf Anstriche hätten nach der Grundreinigung die Wände und Stuckelemente wieder zum Strahlen gebracht. Auch die Deckengemälde wurden gesäubert, nicht aber farblich aufgefrischt. Spannende Vorher-Nachher-Bilder zeigten, wie Risse verschwunden sind. Bilder vom Skelett der Besucherempore mit der darauf aufgesetzten Orgelempore machten klar, welch statisches Wunderwerk diese so viele Gottesdienstbesucher aufnehmende Aussichtstribüne ist.

Eine neue Besonderheit in der renovierten Kirche ist der Andachtsraum vorne rechts neben dem Altar. Hier wurde der alte Chorraum aus der Zeit Gunter des Seligen von 942, also aus einer längst vergangenen Vorkirche des Mittelalters, der in den Turm der Kerschl-Kirche (1717) mit einbezogen worden war, wiederbelebt. In den vergangenen Jahrzehnten hatte er als Mesnerzimmer gedient und war zu einem Abstellraum verkommen. Dieser Raum ist aber eigentlich der älteste in der Kirche überhaupt und kommt nun zu neuen Ehren. In ihm hat als Marienkapelle die uralte Pieta der Pfarrei ihren neuen Platz gefunden.

Das älteste Kleinod, das Müller-Würzburger auf einem Steinsockel den Pfarrangehörigen erstmals auf einem Bild zeigte, stammt aus dem späten 14. Jahrhundert. In der neuen Kapelle kann man sich an die Muttergottes wenden und auch Opferkerzen entzünden.