Ingolstadt: Das Happy End ist noch fern
Hilfe aus dem Fernsehen: Die Ingolstädterin Stefanie K. erhoffte sich Unterstützung von der RTL-Sendung „Helena Fürst – Anwältin der Armen“. Mit dem, was sie dann auf der Mattscheibe sah, war sie jedoch alles andere als einverstanden - Foto: Rössle
Ingolstadt
Das bisherige Leben von Stefanie K. verlief ideal für eine Coaching-Sendung im Privatfernsehen. Ein Verkehrsunfall warf die gebürtige Thüringerin, die heute in Ingolstadt lebt, 2009 völlig aus der Bahn. Körperlich und psychisch verletzt verlor die Krankenschwester erst ihre Arbeit, dann die Wohnung, ihre beiden Kinder kamen ins Heim. In ihrer Verzweiflung meldete sie sich bei Helena Fürst. Die „Anwältin der Armen“ nimmt sich auf RTL schwierigen Schicksalen an, „sie hilft Menschen, die nicht mehr weiter wissen“, heißt es in der Selbstbeschreibung der Sendung.

Nach einem Casting, bei dem auch die zehn und zwölf Jahre alten Kinder K.s aufgenommen wurden, kamen im November 2010 schließlich Helena Fürst und ein Team der Produktionsfirma SolisTV nach Ingolstadt. Sie beleuchteten das Leben K.s aus allen Perspektiven, drehten in ihrem Geburtsort, interviewten die Halbschwester und die Kinder, setzten sich bei der Versicherung des Unfallgegners für die alleinerziehende Mutter ein. Schließlich vermittelten die Fernsehleute ihr eine Wohnung und befreiten sie aus der Sozialpension, in der K. lebte. Dass sie dazu ihr gesamtes Leben erzählen musste, nahm K. in Kauf. Sie berichtete, wie sie erst mit zwölf erfuhr, dass sie adoptiert ist, von der Suche nach ihren leiblichen Eltern, von ihrer psychischen Erkrankung und der Sorge um die Kinder. Am 8. Juni wurde die Sendung ausgestrahlt. An Pfingsten kam RTL wieder. Gedreht wurde für einen kurzen Nachbericht. Zu sehen war unter anderem, wie froh K.s Kinder in der neuen Wohnung sind und ihre Mutter in die Arme schließen. Happy End.

Als der Nachbericht das erste Mal gesendet wird, liegt K. im Krankenhaus. Wegen eines Nervenzusammenbruchs wird sie in einer Klinik behandelt. Mit der Darstellung von RTL ist sie absolut nicht einverstanden. In dem zweiten Beitrag werde behauptet, die Kinder lebten bei ihr. „Aber das stimmt nicht“, sagt sie. Nach wie vor seien der Sohn und die Tochter in einer sozialen Einrichtung untergebracht.

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