Ingolstadt: Warum war die Gemahlin des Henkers eine reiche Frau?
Fachwissen präsentiert: Die Schüler berichteten über Details aus der Stadtgeschichte, Wissenswertes von Audi, die Raffinerien und das ehemalige Gießereigelände - Foto: Brandl
Ingolstadt

Acht Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 m der Mittelschule Auf der Schanz waren aufgerufen, innerhalb von sechs Wochen zu fünf für Ingolstadt bedeutenden Themen kurze Referate zu verfassen und so in die Geschichte und Entwicklung ihrer Heimatstadt einzutauchen. Vor Kurzem stellten die frischgebackenen Ingolstadt-Experten jetzt ihre Ergebnisse den Mentoren des Projekts, sowie Mitschülern und Eltern vor. Diese zeigten sich von den Arbeiten der jungen Leute durchweg begeistert.

„Ihr wisst jetzt sicher mehr als manch anderer Ingolstädter.“ Ingrid Gumplinger von der Stadt Ingolstadt, die in Vertretung für den Integrationsbeauftragten Christian Lösel in der Mittelschule Auf der Schanz erschienen war, nahm in ihrer Begrüßungsrede vorweg, was vorher kaum jemand für möglich gehalten hätte. Denn die eine oder andere Information, die das Schülerteam aus dem Nähkästchen der frühen Stadtgeschichte geborgen hatte, war für einige der Anwesenden tatsächlich neu, wie zu vernehmen war. So konnten die Zuhörer erfahren, dass die Gemahlin des Henkers, der einst im Taschentorturm residierte, als reiche Frau galt. Sie durfte alles behalten, was die zum Tode Verurteilten besaßen. Oder dass die mit Abfall versetzte Schutter mit ein Auslöser für Epidemien wie die Pest war, weil unwissende Bürger das Flusswasser tranken.

Auch über die neuere Geschichte zur Industrialisierung Ingolstadts gab es einiges zu erfahren: So siedelte sich 1945 die Auto Union – zunächst als Ersatzteilhersteller – auch deshalb in Ingolstadt an, weil hier schon Lagerhallen standen. Die jungen Bürger setzten sich aber auch mit dem Ingolstädter Stadtrat, den Ausschüssen und ihren Funktionen auseinander, stellten die drei Bürgermeister vor und führten während der Recherche Interviews, unter anderem mit Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle zum Thema Gießereigelände.

Auch erste Visionen nahmen während der einstündigen Vortragsreihe Gestalt an. So wünschte sich einer der jungen Referenten, der über die Raffinerie-Geschichte Ingolstadts berichtete, dass ein Teil des Geländes, auf dem die Eriag residierte, an den Auwald zurückgegeben werde.

„Die Stadtführung hat am meisten Spaß gemacht“, dieser Meinung war nicht nur die 15-jährige Vanessa Ehlert. „Wir haben etwas Sinnvolles über unsere Heimatstadt erfahren. Es ist ein tolles Gefühl, jetzt mehr über Ingolstadt zu wissen“, so der einhellige Tenor in der Gruppe. Imponiert hat den Schülern auch der Blick über die Stadt vom Pfeiffturm aus. „Ingolstadt ist eine grüne Stadt“, stellten die Mädchen und Jungen fest.

Für das kommende Jahr suchen die Initiatoren des Projekts noch Mentoren zur Betreuung der Schüler. „Ingolstadt-Expertise“ könnte dann parallel an drei verschiedenen Schulen stattfinden. Wer Interesse hat, kann sich bei Mojgan Haji Faraji von der Freiwilligen Agentur Ingolstadt melden.