Ingolstadt: Es mangelt an Bauland
Begehrtes Bauland: Das ehemalige Pioniergelände an der Manchinger Straße wirkt dem Notstand an Wohnungen in Ingolstadt nun etwas entgegen. - Foto: Schalles
Ingolstadt
2011 hat in ganz Bayern die Nachfrage nach eigenen Häusern und Wohnungen im dritten Jahr in Folge deutlich zugenommen. So wurden fast 30 Prozent mehr Wohnungen fertiggestellt und 20 Prozent mehr genehmigt als 2010. Dieter Seehofer, Chef der Sparkasse Ingolstadt, führt diese Entwicklung vor allem auf die momentan brisante wirtschaftliche Lage zurück: Das Bedürfnis der Leute nach Stabilität und Verlässlichkeit sei deutlich zu spüren. „Das merken wir auch bei den Anlegern, die lieber erst mal flüssig bleiben und abwarten, was sich so tut.“ Ein eigenes Zuhause als Rückzugsort oder Altersvorsorge sei da für viele die einzige Alternative.

Der zweite Grund für das riesige Interesse an einer eigenen Immobilie: Die Rahmenbedingungen sind momentan ideal. Gerade die Finanzierungen seien laut Seehofer wegen der historisch niedrigen Zinsen so günstig wie nie zuvor. „Derzeit sind langfristige Baukredite mit einem Zinssatz um die drei Prozent möglich.“

Davon profitieren natürlich auch die Makler – die der Sparkassen-Immobilien-Vermittlungsgesellschaft erzielten 2011 sogar das beste Ergebnis in ihrer 40-jährigen Geschichte. In der Region wurden von ihnen 328 Objekte vermittelt, knapp zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gesamtwert der Immobilien war mit 44 Millionen Euro allerdings etwas geringer, denn vor allem günstigere Eigentumswohnungen und Studentenappartements waren bei Kapitalanlegern stark gefragt und wechselten rasend schnell den Besitzer.

Gerade die Zwei- bis Dreizimmerwohnungen sind ja in Ingolstadt recht knapp. „Wir haben einen starken Zuzugsmarkt, hauptsächlich durch die Studenten und Audi“, erklärt Bernhard Appel, der bei der Sparkasse den Vertriebsservice leitet. Hinzu kommt der Trend, dass allgemein immer weniger Menschen in einer Wohnung zusammen wohnen – Stichwort Singlehaushalt. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung in Bayern weiter.

So kommt Ingolstadt mit seinem Angebot kaum noch hinterher. Und das treibt folglich die Preise in die Höhe (siehe Kasten). Laut Appel fehle es schlichtweg an Bauland. Umso wichtiger sei das Ausweisen großer Flächen, wie beispielsweise das Gelände der ehemaligen Pionierkaserne an der Manchinger Straße. Insgesamt gab es 2011 in Ingolstadt 964 Baugenehmigungen, was im Vergleich zum Vorjahr immerhin einem Plus von 55 Prozent entspricht.

Der Bedarf an Wohnfläche ist allerdings in ganz Bayern immens: Wie das Marburger Forschungsinstitut Empirica errechnet hat, müssten bis 2029 durchschnittlich rund 40 000 Wohnungen pro Jahr errichtet werden, um ihn zu decken. In Ingolstadt wären rund 540 Fertigstellungen pro Jahr nötig. Diese Zahl wurde vergangenes Jahr mit 841 zwar übertroffen, in den Jahren zuvor ist aber ein erheblicher Nachholbedarf im gesamten Freistaat aufgelaufen. Für den Markt 2012 rechnet die Sparkasse also mit einem „anhaltend positiven Klima für Wohnimmobilien“, wie Bernhard Appel es ausdrückt. In der Region Ingolstadt würden die Preise dafür tendenziell noch steigen.