Ingolstadt: Wenn jeder Euro zählt
So manches Schnäppchen gab es bei der Auktion zu machen – zu begutachten schon vor Versteigerungsbeginn. Auf dem Angebotstisch stapelte sich Mode, Haushaltszubehör und Dekoratives.
Ingolstadt

Auf zwei langen Tischen reiht sich eine bunte Mischung von Gegenständen aneinander. Hinter Handtaschen liegt ein Föhn, ein Schlemmerkorb steht neben einem Teddybär und unter einem Lüster stapeln sich Bücher und Pudelmützen. Mehrere Käufer begutachten die Ware und notieren sich die eine oder andere Angebotsnummer. Dahinter öffnet sich der Blick auf einen hellen Saal mit festlich gedeckten Tischen.

Mit den Räumen des Golfclubs im Ingolstädter Westen hat die Geschenkeversteigerung der Unicef-Gruppe heuer einen besonders edlen Rahmen gefunden. „Wir wollten etwas Neues ausprobieren“, begründet Christine Seehofer den Umzug der Veranstaltung aus der Harderbastei. Gemeinsam mit Marianne Büchl hat sie den Vormittag organisiert und vor Auktionsbeginn erstmals auch zu einem Jazzfrühstück geladen. Rund 80 Menschen sitzen an langen Tafeln, bedienen sich am Buffet und lauschen dem Saxofon-Quartett der Audi-Bläserphilharmonie. Die weichen Klänge sind hervorragend geeignet, um die Gäste schon einmal in Einkaufsstimmung zu versetzen. Aber auch für die Bürger, die nur für die Versteigerung gekommen sind, sind ausreichend Stühle aufgestellt.

Das Ehepaar Härtle aus Ingolstadt ist heute zum ersten Mal dabei. „Versteigerungen haben immer so eine nette Atmosphäre“, erklärt Christian Härtle, warum sie gekommen sind. Eine Geflügelschere und eine Pfeffermühle haben er und seine Frau Ulla sich ausgesucht. Bei einer letzten Raucherpause vor der Versteigerung wollen sie sich noch auf Höchstgebote einig werden.

Auch Angelika und Hubert Beege aus Manching haben schon ein paar Sachen ins Auge gefasst, das Paar ist schon zum zweiten Mal dabei. „Bei einem Wert von 40 Euro geht man schon mal bis 60 Euro“, erklärt er seine Strategie – die Aktion sei schließlich für einen guten Zweck.

Wenige Minuten später nimmt Dieter Seehofer, Vorstandsvorsitzender der Ingolstädter Sparkasse, das Mikrofon zur Hand und eröffnet die Versteigerung. Ein „nagelneues Vogelhäuschen, das jeden Garten verschönert“, preist er an und stellt damit die ersten 40 Euro Erlös sicher. Eine weiße Porzellanvase für 30 Euro, eine Espressomaschine für 80 Euro und ein Weinpräsent für 20 Euro folgen. Insgesamt 105 neuwertige Gegenstände, gespendet von Bürgern und Firmen, umfasst die Auktion. In blumigen Worten offeriert Seehofer gemeinsam mit dem Siemens-Manager Roland Kreitmeier auch Ausgefallenes wie 60 kabellose Christbaumkerzen oder ein Telefon in Form eines Motorrads.

Nicht alles davon ist leicht an den Mann oder die Frau zu bringen. „Ihr könnt mich nicht enttäuschen“, bittet Seehofer die Anwesenden bei einer wasserdichten Kosmetiktasche mit Leopardenmuster, bei der sich so gar keine der orangefarbenen Bieternummern nach oben reckt. Eine Dame in der ersten Reihe erbarmt sich schließlich, auch wenn sie das Täschchen wohl nicht sonderlich dringend bräuchte – zehn Euro mehr für die Kinder in Syrien.

Nach zwei Stunden Auktion zeigt der Spendenstand rund 5500 Euro. „Das übertrifft alles, was wir bisher gehabt haben“, freut sich Organisatorin Büchl. Auch im nächsten Jahr soll die Auktion wieder im Golfclub stattfinden.