Ingolstadt: Unverwechselbare Klänge
Ska, Swing, Country und viele weitere Musikrichtungen sind die Zutaten für die Lieder der Ingolstädter Band Gorilla Rodeo.
Rössle
Ingolstadt

Innerhalb kürzester Zeit war der Auftritt am vergangenen Samstag ausverkauft und das leer geräumte Diagonal zum Bersten voll. Das ansonsten ja nicht unbedingt für seine Spontanität bekannte Ingolstädter Publikum ging von Anfang an begeistert mit bei diesem Parforceritt durch die Musikrichtungen. Ska, Swing, Surfpunk, Country, Balkanpop, Rock und gelegentliche Ausflüge in süd- und mittelamerikanische Rhythmen sind die Zutaten für den markanten Musikstil, den die vor knapp zehn Jahren gegründete Ingolstädter Band bei etlichen Auftritten in der Region, aber auch schon in Berlin und anderen Orten, entwickelt hat. Dabei beherzigen die sieben Musiker, die allesamt noch einen bürgerlichen Beruf ausüben, das Geheimnis aller großen Köche: Nicht von allem etwas nehmen und dann zusammenschütten, was nur einen Einheitsbrei ergibt, sondern die einzelnen Zutaten verfeinern, veredeln und neu kombinieren. Das Ergebnis nennt sich Gorilla Rodeo. Etliche Kostproben hiervon bekam das Publikum im Diagonal serviert.

Neben Coverversionen wie „Hippie 96“, Stücken der 2008er-EP „The Great Gorilla Rodeo Ride“ und aus der vor vier Jahren veröffentlichten ersten CD „The long way home“ galt das größte Interesse natürlich dem neuen Album mit dem etwas irritierenden Titel „King of the Cake Fight“. Der gleichnamige Song erinnert vom Musikstil her an Rumba und handelt vom tragischen Schicksal des Fatty Arbuckle, einem 1933 verstorbenen US-Komiker, der als der Erfinder der Tortenschlacht im Film gilt.

Arbuckle war ein Star zu seiner Zeit, wurde jedoch fälschlicherweise eines Mordes bezichtigt, was seiner Karriere den Garaus machte. „Time and again“ ist ein locker-lässiger Countrysong, bei dem Keyboarder und Saxofonist Bernhard Schlagbauer mit einem Solo auf der Melodica überraschte. „Come out to play“, der Eröffnungssong des Abends, ist eine astreine Ska-Nummer mit wechselnden Tempi, was Posaunist Vinzenz Schweigard und Trompeter Florian Kögler, aber auch die Rhythmusabteilung mit Schlagzeuger Matthias Kähni und Bassist Ferdinando Grimaldi, souverän meisterten. Wunderschön waren auch die mexikanisch angehauchten Bläsersätze in „Ballad of Principle Pete“. Etwas aus dem Rahmen fällt „Electric Candlelight“ mit seiner Sampler-Einspielung, während „Easy Street“, ein fetziges Rockabilly-Stück mit einem klug durchdachten Aufbau, eine Hommage an das Bermuda-Dreieck und den Englwirt darstellt, die Stammkneipe der Musiker.

Natürlich durften die bekannten älteren Stücke nicht fehlen, bei denen das Publikum nicht selten den ganzen Text mitsang und tanzte: „Hell of a Lady“, „Cross the Boarder“, „Lonesome Road“ oder „Local Hero“ mögen hier als Beispiele genügen. Nach etlichen Auftritten präsentierte sich die Band im Diagonal wie aus einem Guss. Die Musiker hatten mindestens genauso viel Spaß auf der Bühne wie das Publikum, nahmen ihren Auftritt aber trotzdem ernst, ohne verbissen zu sein – ein Kunststück, das nicht allen Gruppen gelingt. Doch Gorilla Rodeo wäre nicht Gorilla Rodeo ohne die beiden Sänger und Gitarristen Michael Wittmann und Daniel Feith. Vor allem Letzterer verfügt über eine ungemein ausdrucksstarke und markante Stimme, die die Gruppe unverwechselbar macht. Er ist in den Songs ein begnadeter Geschichtenerzähler, der Gefühle auch glaubhaft zum Ausdruck bringt.

Natürlich durften Gorilla Rodeo das Diagonal nicht ohne Zugabe verlassen. Wer sie hören will, hat beim Bürgerfest im Juli beim Englwirt Gelegenheit.