Ingolstadt: Spaß an der Veränderung
Welcher Weg ist der richtige? Erst einmal solle man überhaupt einen wählen, riet Veränderungsexperte Ilja Grzeskowitz aus Berlin. Er war am Montagabend der Gastredner beim Wirtschaftsforum der Sparkasse im Theaterfestsaal. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Den rund 1400 Gästen gefiel's.

Sehr zufrieden sei er mit dem Fortschritt der Fusion seines Hauses mit der Sparkasse Eichstätt, die am 1. Januar vollzogen sein soll, sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende Dieter Seehofer zur Begrüßung. Im Umgang beider Banken miteinander merke man auch, dass zwei sehr erfolgreiche Unternehmen zusammengingen und nicht aus der Not heraus handelten. "Es ist ein Unterschied, ob man Veränderungen selbst initiiert oder darauf wartet", sagte Seehofer.

Genau darum ging es auch Ilja Grzeskowitz, 41 und Unternehmer aus Berlin. Es gebe zwei Gründe für Veränderungen: "Entweder die Probleme schieben uns oder die Chancen ziehen uns an", sagte er. Und er sollte seinen Zuhörern deutlich machen, welche Variante er bevorzugt.

Veränderung, das sei inzwischen der Normalzustand, erklärte Grzeskowitz. Immer schneller drehe sich die Welt, was vor zehn Jahren noch Zukunftsmusik war, sei heute schon fast wieder überholt. Die Digitalisierung überrolle alle. Der Berliner brachte ein Beispiel aus einer Vorlesung mit Studenten. Die waren 1994 geboren, also fünf Jahre nach dem Mauerfall. "Helmut Kohl kannten sie nur vom Hörensagen." Und was ein Fax ist, davon hatten sie überhaupt keine Ahnung. Er habe da gemerkt, dass er, der sich selbst schon für veränderungswillig halte und schon mit 27 Jahren das erste Mal Geschäftsführer einer Karstadt-Filiale war, schon zur Generation Oldschool gehöre, sagte Grzeskowitz. "Und diese Studenten gehören in fünf Jahren zu Ihren Kunden." Dann müsse man als Geschäftstreibender auch in der Lage sein, eine gemeinsame Kommunikationsbasis zu finden, also sich zu verändern. Da helfe auch kein Lamentieren. "Es ist so, wie es ist", sagte Grzeskowitz. Jeder habe erst einmal Angst vor der Veränderung, auch er selbst. Aber er rufe sich vor jeder kniffligen Situation einfach "Au ja!" zu - das helfe ihm immer. Er habe vor Jahren einen Bungeesprung ausprobieren wollen, aber dann vor dem letzten Schritt fast gekniffen. Doch ein kräftiges "Au ja!" und ein kleiner Schubser des Betreibers hätten ihm schließlich eines der schönsten Erlebnisse seines Lebens beschert. "Das Springen war nicht schlimm, es war nur der Gedanke an den Sprung." Daran solle jeder denken, bevor er irgendetwas nicht wage oder zaudere. Er animierte das Publikum, laut "Au ja!" zu rufen, was viele Zuhörer dann auch taten, und zwar bei jedem Aufruf.

Als Credo nannte Grzeskowitz die vier Ws: ein Ziel wählen, den Schritt wagen, es auch unbedingt wollen - und das alles wiederholen. "Denn Veränderung ist keine einmalige Sache, sie ist ein Weg." Und ein Mensch, der etwas unbedingt will, sei nur schwer aufzuhalten, in jeder Lebenssituation. Ihn habe Udo Jürgens mit seinem Lied "Ich war noch niemals in New York", ein Lied über einen Mann, der sehnsüchtig an die amerikanische Metropole denkt, den Schritt aber letztlich nicht wagt, sehr inspiriert. So sehr, dass er einmal ein Seminar in New York anbot und die Teilnehmer dazu brachte, mit Passanten das Lied einzuüben und sie dabei zu filmen. Während dieses Aufenthalts, versicherte Grzeskowitz, habe er dann doch tatsächlich sein Idol Udo Jürgens in der Stadt getroffen. Allein das habe den Aufwand der Reise schon gerechtfertigt. Grzeskowitz riet den Zuhörern: "Finden Sie Ihr eigenes New York!"