Ingolstadt: Slow Food für die Seele
Klangerlebnis der besonderen Art im Alten Rathaus: Profipercussionist Stefan Landes, früherer Schüler von Eva-Maria Atzerodt, am Marimbaphon. Links vorne die Reihe der Ehrengäste mit Alt-OB Peter Schnell und der Familie Atzerodt im Anschluss. - Foto: Hammer
Ingolstadt

Percussionist Stefan Landes wirbelte im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses übers Marimbaphon (großer Bruder des Xylophons) und später noch über seine Trommeln, dass es in allen Gehörgängen richtig rundging und das Publikum innerlich mitgerissen wurde. Es hätte wohl nicht besser bewiesen werden können, dass der Jubilar lebendig ist wie eh und je und trotz aller Bande zur Klassischen Musik auch stets ein Fenster zur Moderne geöffnet hält: Diese Besonderheit des Konzertvereins klang auch in den Reden bei diesem kleinen Festakt an.

"Die besten und berühmtesten Künstler" habe der Verein mit seinen heute über 600 Abonnenten schon nach Ingolstadt geholt, lobte OB Christian Lösel in seiner Begrüßung, damit stelle er "ein Tor zur Welt" dar. Der Rathauschef überreichte Blumen an die Eheleute Reinald und Isolde Atzerodt, die diese Bürgerinitiative für hochklassigen Musikbetrieb in der Stadt seit 1978 geprägt haben, sowie an ihre Tochter Eva-Maria, die den Vorsitz vor 17 Jahren übernommen hatte.

Isabella Kreim, Leiterin und Stimme des Ingolstädter Kulturkanals, würdigte in ihrer Laudatio die lange Tradition des Konzertvereins, der 1917 vom Ingolstädter Sanitätsrat Ludwig Liebl, Vater der späteren DK-Herausgeberin Elin Reissmüller, gegründet worden war. Die Eheleute Reissmüller waren über viele Jahrzehnte eifrige Förderer des Vereins, ihre Tochter Uta Schäff gehörte gestern zu den Ehrengästen. Mit seiner Hingabe für die ernste Musik und der Verpflichtung teils weltbekannter Künstler, so Kreim, habe der Konzertverein dem früheren Provinzstädtchen Ingolstadt ein "professionelles, großstädtisches Musikleben" geschenkt und zugleich auch bis in unsere hektische Zeit hinein Kontrapunkte zum schnellen Konsumieren aller erdenklichen Kulturangebote gesetzt. Der Verein biete Slow Food für alle, die auch heute noch "Hunger nach geistig-moralischer Stärkung" und sich den Sinn für das "unwiederbringliche, einmalige Musikerlebnis" bewahrt hätten.

Eva-Maria Atzerodt und ihre Familie hörten das gern. Die Vorsitzende schloss in ihren Dank an die Förderer und die Stadt auch alle ein, die hinter den Kulissen am Erfolg teilhaben. Hohe Anerkennung aber zollte sie vor allem dem Ingolstädter Publikum, das den Verein stets bestätigt hat - schon über vier Generationen hinweg.