Ingolstadt: Näher dran als der gesamte Stadtrat
Die Bretter, die die Welt bedeuten, sollen künftig in einer eigenen GmbH gemanagt werden. Während der Sanierung des Theaters werden Stücke wie „Das Ballhaus“ in den geplanten Kammerspielen aufgeführt werden. Arch - foto: Klenk
Ingolstadt

40 Millionen Euro für den Bau der Kammerspiele am Rand des Klenzeparks und 80 bis 100 Millionen für die Sanierung des Theaters sind kein Pappenstiel – auch wenn Lösel auf einige Zuschüsse des Staates hofft. Daher will er bei diesen Großprojekten die Risiken bei Kosten und Baufortschritt von Anfang an definieren und Transparenz schaffen. Etliche andere Städte wie Regensburg, Augsburg oder München haben deswegen einen Eigenbetrieb (das Stadttheater ist derzeit ein Regiebetrieb, also eng mit der Verwaltung verzahnt) oder eigene GmbHs gegründet, die bei der öffentlichen Hand AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts) heißen. „Die Stadtverwaltung wird dem Stadtrat in der Sitzung im April vorschlagen, zunächst den Bau der Kammerspiele durch eine eigene GmbH oder AöR abarbeiten und anschließend die Sanierung des Stadttheaters ebenfalls von derselben Gesellschaft vornehmen zu lassen“, erklärte Lösel gestern vor der Presse: „Der Aufsichtsrat dieser Gesellschaft wäre mit Stadtratsvertretern besetzt, und diese würden dem Stadtrat und den Fraktionen berichten.“ Der Aufsichtsrat, so der Ingolstädter Oberbürgermeister, wäre „näher an den Geschehnissen rund um die Bau- und Umbauarbeiten dran, als dies ein gesamter Stadtrat jemals sein könnte“.

Wie Lösel betonte, seien diese Planungen mit vielen Leuten abgestimmt: Fraktionspartner, Vertreter des Stadtrats, Intendant, Theaterverwaltung oder auch Theatergemeinde. Der Bau der Kammerspiele neben der Reithalle sei ein ganz besonderes Einzelprojekt. Nachdem der Gestaltungsbeirat Mitte vergangenen Jahres die Größe der Planungen kritisiert hatte, werde der Entwurf überarbeitet und geht dann nochmals in dieses Gremium.



Spätestens Ende 2017 soll es mit dem Bau der Kammerspiele losgehen, die Fertigstellung erwartet Lösel dann im Jahr 2019. Dann steht dort, wo sich jetzt noch ein Depot des Armeemuseums befindet, während der Sanierung des Theaters eine Ersatzspielstätte zur Verfügung – nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Abonnenten. Das Kongresszentrum muss dann auch fertig sein, denn dorthin wird vorübergehend der Festsaal ausgelagert. Nach der Theatersanierung wird in den Kammerspielen das Kleine Haus (jetzt Brückenkopf) seine Bleibe finden.

Eigentlich ist so weit alles klar und war so auch mit den beteiligten staatlichen Stellen ausverhandelt. Lösel hat nur ein Problem: Wegen des anhaltenden Zustroms von Flüchtlingen hat der Bund eine Sperre für die Veräußerung von Grundstücken verhängt – und will deshalb nichts von der Immelmann-Kaserne Oberstimm hergeben (derzeit ein Rückführungszentrum). Dorthin sollte eigentlich das Depot des Armeemuseums umziehen. „Da müssen ja auch Panzer untergebracht werden. Deswegen wäre die Immelmann-Kaserne gut geeignet“, erläuterte Lösel, Daher will er auch weiterhin verhandeln und hat sich auch der Unterstützung des Freistaats Bayern versichert.

Sollten aber wirklich alle Stricke reißen, hat Lösel noch „Plan B und C“ in der Hinterhand. Finanzbürgermeister Albert Wittmann ist derzeit schon auf der Suche nach möglichen Ersatzgrundstücken, wo eine Depothalle mit einer Größe von 4000 Quadratmetern entstehen könnte. Die Stadt würde das Depot auch selber bauen.