Ingolstadt: Diese jungen Menschen sind willkommen
In der ehemaligen Studentenvilla an der Lannerstraße sollen nach Plänen des Jugendamts Flüchtlingskinder untergebracht werden, die ohne Eltern ins Land gekommen sind - Foto: Archiv
Ingolstadt
Der Blick nach München zeigt, wie bei Protesten aus der Nachbarschaft mit dem sensiblen Thema umgegangen wird.

Auch in Ingolstadt herrschte Aufregung, als im Februar eher zufällig bekanntwurde, dass die Flüchtlingskinder womöglich in der ehemaligen Studentenvilla an der Lannerstraße untergebracht werden sollen. Die Nachricht löste Besorgnis im Umfeld der benachbarten Kindertagesstätte aus. Ohne Ressentiments nähren zu wollen, erklärten Daniela Forstner und Jochen Keller vom Elternbeirat im Namen der Mütter und Väter: „Uns ist es ein großes Anliegen, dass der neue Nutzungszweck der Villa mit den Bedürfnissen, die Kleinst- und Kleinkinder haben, harmoniert.“ Es wäre zudem wünschenswert, „dass das neue Konzept zu der Montessori-Einrichtung passt und dass vor allem Sicherheit und Sauberkeit im Gartenbereich gewährleistet sind.“

Die Eltern reagieren vielleicht auch deshalb so empfindlich, weil sie sich schlecht informiert fühlen. Referent Gabriel Engert hat nochmals versprochen, mit den Betroffenen zu diskutieren, bevor über die Unterbringung der jungen Flüchtlinge entschieden wird. Wie berichtet, will die Stadt die Immobilie an das Haus Miteinander verkaufen. „Momentan hat noch kein Besitzerwechsel stattgefunden“, sagt Engert.

Das Ingolstädter Jugendamt hat sich inzwischen erkundigt, welche Erfahrungen die Kollegen in München gesammelt haben und deren schriftliche Antwort dem DK zur Verfügung gestellt. In der Landeshauptstadt wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Wohngruppen für Flüchtlingskinder ohne Eltern geschaffen. Dabei traten zum Teil erhebliche Schwierigkeiten mit den Nachbarn auf, die sich jedoch nach Inbetriebnahme der Unterkünfte stets legten. „Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Einrichtungen immer sehr schnell im Stadtviertel eingebunden waren und oftmals eine ganze Reihe von Gesprächsangeboten vorlagen, insbesondere von Seiten der Kirchengemeinden, die Interesse hatten, die Integration mitzutragen.“

Die Kinder und Jugendlichen werden in München – wie künftig auch in Ingolstadt – rund um die Uhr von pädagogischem Personal betreut. Hilfe tut not, wie aus dem Erfahrungsbericht des Münchener Jugendamts hervorgeht: „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben oft schwere seelische und körperliche Belastungen erlitten. Traumatisierende Erlebnisse, die Ungewissheit über ihren weiteren Aufenthalt und die Neuorientierung in einer fremden Kultur begründen ein besonderes Schutz- und Sicherheitsbedürfnis. Sie benötigen Unterstützung, um die Trennung von der Familie und die oft lebensbedrohend erlebten Gefahren vor und während der Flucht zu verkraften.“

Da die Kinder und Jugendlichen meist aus autoritären familiären Strukturen stammen, zeigen sie nach Einschätzung der Münchener „ein eher angepasstes und sozialverträgliches Verhalten“. In ihrer neuen Heimat sollen sie so schnell wie möglich die deutsche Sprache lernen, eine Schulausbildung absolvieren und sich in der Berufswelt einfügen. Denn an eine Rückkehr, so betont Engert gegenüber dem DK, ist in der Regel nicht gedacht.

Als es jüngst wegen einer geplanten neuen Einrichtung wieder kritische Nachfragen gab, antwortete das Stadtjugendamt schriftlich, in München habe die Stadtpolitik sehr deutlich gemacht, „dass diese jungen Menschen grundsätzlich willkommen sind“ und schließlich auch einen Rechtsanspruch auf Jugendhilfeleistungen haben.