Ingolstadt: Das Donautor in 3 D
Mögliches Vorbild: Noch gibt es kein Festungsbau-Modell aus dem digitalen 3D-Drucker. Wie diese Modelle aussehen könnten, zeigten Simon Trockel von den Wirtschaftsjunioren, Hermann Otto Solms und Christian Wilhelm (v. l.) anhand des Holzmodells vom Donautor, das zum 750-jährigen Bestehen der Stadt Ingolstadt vor 16 Jahren entstanden ist. - Foto: Brandl
Ingolstadt

Prominente Unterstützung für ihre Pläne holten sich die Wirtschaftsjunioren am Freitag in die Schanz. Zur Projektvorstellung vor Vertretern aus dem historischen und touristischen Umfeld der Stadt kam auch Hermann Otto Solms, ehemals Vizepräsident des Deutschen Bundestags und derzeit Bundesschatzmeister der FDP, in den Barocksaal des Stadtmuseums. Solms, der den Adelstitel Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich trägt, entstammt demselben aristokratischen Geschlecht wie einst Reinhard Graf zu Solms (1491 - 1562), einer der Erbauer der historischen Ingolstädter Festungsanlagen. Und um diese geht es schließlich bei der Idee, wie Projektsprecher Christian Wilhelm erläuterte.

Seine Erfahrungen als Stadtführer spielten dabei keine unwesentliche Rolle. Wilhelm stellte fest, dass bei einer herkömmlichen Besucherführung keine Zeit bleibe, um sich Festungsbauten wie das Kavalier Heydeck näher anzusehen, weil diese zu abseits der Touren liegen oder nur beschränkt zugänglich seien. Abhilfe schaffen sollen Modelle, wie sie heute von 3 D-Druckern aus beständigen Materialien wie Kunststoff, Metall oder Keramik und ohne Gussformen hergestellt werden können. Vorausgesetzt, die digitalen Daten zu den Gebäuden liegen vor. Mit den Besuchergruppen könne man dann diese Modelle betrachten und sie erklären, so Wilhelm. Aber auch Bauten, die längst nicht mehr existieren, würden quasi wieder auferstehen. Wie das Donautor, das 1430 erbaut, 1877 stark vereinfacht umgebaut (unter anderem wurde die Durchfahrt verbreitert) und nach 1945 schließlich abgerissen wurde.

Mit dem Projekt soll veranschaulicht werden, wie sich für moderne Technologien im musealen und touristischen Umfeld neue Anwendungsmöglichkeiten ergeben und sich eine lokale Nutzbarmachung entwickelt. "Ziel ist es, ein Modell herzustellen", gab Wilhelm die vorläufige Marschrichtung - auch vor dem Hintergrund der noch nicht sicher gestellten Finanzierung - aus. Dabei denken die Wirtschaftsjunioren an das Jahr 2018, in dem sich der Beginn des Dreißigjährigen Krieges zum 400. Mal jährt. Ein Ereignis, in das auch Ingolstadt involviert war. Am 30. April 1632, einen Tag nach Beginn der planmäßigen Einschließung der Stadt, entging Schwedenkönig Gustav Adolf nur knapp dem Tod, als von der Eselsbastei aus eine Kugel auf ihn abgefeuert wurde. Tödlich getroffen hatte sie sein Pferd, das heute ausgestopft im Stadtmuseum steht. Die Eselsbastei solle deshalb Motiv für das erste Modell sein.

Die digitale 3 D-Drucktechnik werde die Industrie und die Strukturen der Wirtschaft "fundamental verändern", sagte Solms in seiner Rede. Es sei deshalb wichtig, diese Neuerungen anzunehmen und nicht abzuwehren, damit die neuen Strukturen nicht verloren gehen, bevor sie aufgebaut sind.

Unterstützt werden die Wirtschaftsjunioren von Ingolstädter Modellbauunternehmen, die mit dem 3D-Digitaldruckverfahren arbeiten. Auch Ernst Aichner vom Förderverein Bayerische Landesfestung Ingolstadt sagte dem Projekt finanzielle Unterstützung zu.