Unglücklich sind sie darüber nicht. „Wir arbeiten lieber im Hintergrund“, sagt Beleuchtungsmeister Gräff. „Wenn der Zuschauer sehen würde, was wir hier machen, ginge ja auch der Zauber des Theaters verloren.“ Während das Publikum in den Saal strömt, legt sich Lipperer das Textbuch zurecht. Er sitzt vor dem „Stellwerk“, wie die Beleuchter es nennen: ein Mischpult mit fünf Computermonitoren über das die Beleuchtung und einige Bühneneffekte gesteuert werden. Der Name stammt aus Zeiten, in denen Lichteinstellungen mechanisch vorgenommen wurden und die Beleuchter Hebel ziehen und Räder drehen mussten, um die Schauspieler ins rechte Licht zu rücken. Heute geschieht das meist per Knopfdruck. Die Anlage im Stadttheater ist gerade mal zwei Jahre alt und auf dem neuesten Stand der Technik. Auf der anderen Seite des langen Tisches steht noch einmal exakt die gleiche. Sollte das erste Mischpult ausfallen, rollt der Beleuchter auf seinem Stuhl einfach zwei Meter nach links und arbeitet am „Havariewerk“ weiter.

„Wir fangen an“, sagt eine Stimme aus einem kleinen Lautsprecher am Mischpult. Lipperer drückt einen Knopf, das Saallicht geht aus, die Bühne wird beleuchtet. „Das ist die Inspizientin“, erklärt Gräff. „Sie sitzt unten links neben der Bühne und koordiniert die Aufführung. Sie gibt den Einsatz für Licht, Ton, die Schauspieler und den Bühnenumbau.“

Jede Lichtsituation – die Beleuchter sagen „Stimmung“ – ist im Computer gespeichert und wird im richtigen Moment abgerufen. Bei der Erarbeitung des Stückes gibt es eigene Beleuchtungsproben, der Regisseur entscheidet mit dem Lichtteam, wann welcher der 150 Scheinwerfer des Stadttheaters in welcher Intensität wohin strahlt. Vor jeder Aufführung müssen die Lampen entsprechend eingerichtet werden. „Wir brauchen 2,5 Stunden Vorlauf“, so Gräff. Das bedeutet frühes Aufstehen, wenn eine Schüleraufführung um 9.15 Uhr ansteht.

Am Mischpult flammt ein rotes Licht auf. Das Zeichen, dass gleich die Stimmung geändert werden muss.

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