Stauf: Bunte Vielfalt auf dem Acker
Die aktuelle Jubiläumsausgabe der Distel präsentieren der BN-Kreisgeschäftsführer Richard Radle und der Vorsitzende Michael Stöhr (rechts). - Foto: Tschapka
Stauf

Jedes halbe Jahr bringt die Kreisgruppe des BN ein Heft heraus, in dem nicht nur ihr Programm und das der 13 verschiedenen Ortsgruppen übersichtlich aufgeführt sind, sondern auch ein Rückblick auf die vielen Aktivitäten und eine Einführung in die Themen, die den Naturschützern derzeit wichtig sind. Zum dritten Mal nun auch schon in Farbe gedruckt. Wenn der Kreisvorsitzende Michael Stöhr über die Anfänge nachdenkt, muss er schmunzeln: "Damals war es noch ein reines Veranstaltungsprogramm, das wir mit Matrizen haben durchlaufen lassen", erzählt er. Den Namen Distel - in der Natur ein oftmals ungeliebtes Gewächs, das aber den Boden lockert und aufbereitet - gab es damals noch gar nicht.

Längst vergangen sind diese Zeiten. Und längst vergangen auch jene, als Naturschützer und Landwirte sich relativ unversöhnlich gegenüberstanden, wenn es um Projekte in freier Flur ging. Heute arbeitet man möglichst Hand in Hand - beispielsweise wenn es um Wildkräuter auf Ackerflächen geht. Diese, oft auf der Roten Liste der gefährdeten Arten aufgeführt, sollen im Landkreis Roth wieder mehr Lebensraum erhalten. Also haben der BN-Kreisgeschäftsführer Richard Radle und sein Mitstreiter Karl-Heinz Donth sich im vergangenen Jahr aufgemacht, Vorkommen von Rittersporn, Sandmohn oder auch Kamille zu erfassen und zu kartieren. Die Übersicht ist nun die Basis, um mit Ackerbauern zu reden. Sie sollen am Rand einen zwei bis drei Meter breiten Streifen nicht spritzen, sodass sich die Ackerwildkräuter wieder vermehren können. Über eine anfängliche Stabilisierung hinaus sei das Ziel, verbundene Lebensräume zu schaffen, so Radle.

Ab 15 Hektar Ackerfläche müssten Landwirte ohnehin Greeningmaßnahmen ergreifen, um von den Fördertöpfen der EU zu profitieren, so Radle. Der BN könnte ihnen im Rahmen des Ackerwildkräuterprojekts beratend zur Seite stehen. "Einige Landwirte haben schon bei der Kartierung Bereitschaft signalisiert", sagt Radle. Und Michael Stöhr ergänzt: "Dann hätten Ackerwildkräuter wieder ganz gute Chancen."

Stolz ist die Rother BN-Spitze auch auf das Energiespardorf, das in naher Zukunft vor allem Schülern im Landkreis und darüber hinaus zugutekommen soll. Der Physiker Peter Satzger hat es in BN-Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil entwickelt: Es handelt sich dabei um ein mehr als acht Quadratmeter großes Modell eines Durchschnittsdorfes von 8000 Einwohnern. Häuser, Kirche, Rathaus - all das ist in Modulbauweise aufgebaut und mit Computer, Messgeräten und Beamer verknüpft. Jetzt können mit wenigen Handgriffen eine alte Waschmaschine gegen ein neues Modell ausgetauscht, eine Biogasanlage gebaut oder ein Moor renaturiert werden. All dies hat Auswirkungen auf den Stromverbrauch und die Freisetzung von Kohlendioxid - und kann spielerisch leicht anhand der Projektion an der Wand verfolgt werden. "Man kriegt ein Gefühl dafür, was das einzelne Gerät verbraucht", lobt Stöhr. Vier Energiespardörfer sollen insgesamt gebaut werden, "wir haben das dritte", sagt Radle erfreut. Im März wird es zum ersten Mal an einer Schule im Landkreis eingesetzt. In die Bemühungen um den Klimaschutz reiht sich unter anderem auch die Bepflanzung eines BN-Grundstücks bei Wendelstein ein. Mit der Pflanzung von 2200 Bäumen haben die Naturschützer den dortigen Steckerlaswald umgestaltet und das Areal fit für den Klimawandel gemacht.

Die Distel blickt auch voraus auf ein umfangreiches Programm, das etwa am 20. Februar den "Klassiker" (Stöhr) Biberführung bei Alfershausen am 23. April eine Vogelstimmenwanderung in Hilpoltstein oder am 1. Juli eine Wanderung durch bunte Äcker bei Rohr enthält. Und viele Dinge mehr. Das Heft geht den BN-Mitgliedern derzeit zu. Wer dem Verband nicht angehört, sich aber trotzdem über die Tätigkeiten informieren möchte, bekommt es in der Geschäftsstelle der Kreisgruppe in der Sandgasse 1 in Roth oder an vielen öffentlichen Stellen. Die Geschäftsstelle ist montags von 14 bis 18 Uhr sowie dienstags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Die Mitarbeiter sind unter Telefon (09171) 638 86 und unter der E-Mail-Adresse bund.naturschutz.roth@t-online.de zu erreichen.